Ich hatte in den vergangenen Wochen zwei Mal das Vergnügen, mit einem waschechten Banker plaudern zu können. Einer in leitender Position einer Privatbank, der andere routinierter Fondmanager.
Man könnte hoffen: Dass solche Insider dem unwissenden Normalsterblichen väterlich die Hand auf die Schulter legen um zu beruhigen. Dass sie mit ruhiger Stimme die Tollwut an den Börsen als ganz normale Marktbewegungen enttarnen. Dass sie souverän das Euro- (wahlweise: Dollar-) Schlamassel analysieren und das professionelle Management der Währung lobend kalmieren. Vor allem aber: Dass sie den Finanzmarkt in Schutz nehmen.
Und wissen Sie was? Weit gefehlt! Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Arzt, und der eröffnet Ihnen, dass er so etwas noch nie gesehen habe, dass er den menschlichen Körper für eine völlig degenerierte Fehlkonstruktion halte und dass überhaupt Medizin ein schmutziges Geschäft sei.
Ungefähr so waren die Gespräche. Gerahmt vom Checken der Bloomberg-News auf Smartphones im Minutentakt und Anrufen von entnervten Partnern aus anderen Märkten.
Was lernen wir? Der Versuch zu verstehen, was auf den Finanzmärkten abgeht (Key ist die Unterscheidung zwischen börsennotierten Papieren und frei handelbaren Credit Default Swaps... Prust!), ist völlig sinnlos. Denn auch diejenigen, die sich auskennen, fühlen sich heute sicherer und seriöser dabei, Wetterprognosen abzugeben.
Was tun? Akzeptieren, dass wir nur Passagiere sind. Und Loslassen. Das ist zumindest die Empfehlung des brillanten Schauspielers Gerard Depardieu bei seiner jüngsten - vielfach missverstandenen - Performance zu dem Thema.
Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

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