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FrechDAX - die Wirtschaftskolumne

Der FrechDAX

Warum uns der Euro ganz sicher in den Untergang führt

11.08.2011
Die Frage ist nicht ob, sondern nur wann das staatliche Falschgeldsystem zusammenbricht.

Regierungen und Banken haben einen großen Vorteil gegenüber allen anderen auf diesem Planeten: Sie können Geld ganz einfach "aus dem Nichts" erschaffen.

Die allermeisten Menschen streben zwar danach, in den Besitz von möglichst viel Geld zu kommen. Dafür interessieren sich aber nur ganz wenige Menschen dafür, wie unser Geldsystem funktioniert. Auf welchen Fundamenten der Euro wie auch der US-Dollar basieren und was hinter den wichtigsten Begriffen wie "Fractional Reserve Banking" oder "Fiat money" steckt, möchte ich in diesem Artikel in einer einfach verständlichen Sprache zu erklären versuchen.

All jene, die glauben, Notenbanken wären in irgendeiner Art und Weise begrenzt oder zumindest behindert, wenn sie neues zusätzliches Geld drucken wollen, muss ich enttäuschen. In Europa entscheidet die Europäische Zentralbank (EZB) für den Euro und in den USA die Federal Reserve Bank (FED) für den US-Dollar, ob und wenn ja, wann und wie viel zusätzliches Geld in den Umlauf gebracht wird.

Theoretisch agieren diese Institutionen objektiv und unabhängig. In der Praxis besetzen aber Politiker und Großbanken als Eigentümer der Notenbanken die Management-Positionen und sichern sich durch loyale politische Günstlinge vollen Zugriff auf quasi unendlich viel Geld.


1973: eine Wende mit Folgen

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde (wieder) ein Gold-Standard eingeführt (Bretton-Woods-Abkommen) und dieser hat auch viele Jahrzehnte lang für ein stabiles Geldsystem und reales Wirtschaftswachstum gesorgt. Im Jahr 1973 hat die Politik dieses grundsätzlich sinnvolle und notwendige, aber für sie lästige System abgeschafft. Seither drucken Notenbanken wieder beliebig viel und immer mehr und immer schneller zusätzliches neues Geld – begleitet von johlendem Beifall der Regierungen.

In der Praxis funktioniert das so: Die Notenbank übernimmt Staatsanleihen vom Staat und überweist der Regierung dafür die entsprechende Summe an Geld, in dem sie dieses Geld einfach auf Knopfdruck erzeugt. Die entsprechende Forderung an den Staat bucht sie einfach in ihrer Bilanz als Reserve. Die Staaten können das Geld ausgeben, als hätten sie es sich über Steuern oder Abgaben hart "verdient". "Fiat money" nennt man dieses System - die billigste und einfachste Möglichkeit für Staaten, sich Geld zu besorgen.

Leider ist damit noch nicht das ganze Übel erklärt. Denn nachdem Notenbanken nicht nur den Staaten gehören sondern auch Großbanken (übrigens selbstverständlich auch die Österreichische Nationalbank), dürfen sich nicht nur Staaten beliebig bedienen. Der Gesetzgeber hat für Banken das System des "Fractional Reserve Banking" geschaffen, das es auch den Banken erlaubt, Geld "aus dem Nichts" zu erzeugen.

Für Kredite wurde dazu eine sogenannte Mindestreserve definiert, die festlegt, wie viel Prozent an Kundeneinlagen (Sparguthaben) ein Kreditinstitut als Reserve für zu vergebende Kredite (Sichteinlagen) halten muss. In den USA beträgt dieser Mindestreservesatz aktuell 10 Prozent, die EZB ist da schon einen Schritt weiter und hat ihn für Banken im Euro-Raum bereits auf nur noch 2 Prozent gesenkt. Banken dürfen demnach in Europa das Fünfzigfache an Krediten vergeben im Verhältnis zu Spareinlagen - und damit Geld, über das sie tatsächlich verfügen. Sie können um genau diesen Faktor mehr an Krediten vergeben und Zinsen kassieren von Geld, das sie gar nicht haben, sondern damit ebenfalls auf Knopfdruck quasi aus dem Nichts erzeugen können.


Ein globales Pyramidenspiel

Die Frage, ob so ein System auf Dauer funktionieren kann, würde wohl bereits nach einer Erklärung von "Fiat Money" und "Fractional Reserve Banking" in Kindergärten zu einstimmigen Antworten führen: NEIN! Es basiert auf demselben Prinzip, auf dem auch Pyramidenspiele basieren, die abgesehen von Staaten und Banken sinnvollerweise allen anderen auf diesem Planeten verboten sind. All das zusätzliche "Papiergeld" führt zu einer Bereicherung von Staaten und Banken bei gleichzeitiger Enteignung aller anderen.

All das viele billige Geld führt logischerweise auch zu leichtfertigen Finanzspekulationen und damit zu Blasenbildungen, die ihrerseits zwangsläufig Wirtschaftskrisen auslösen. Solche Finanzblasen und Krisen bekämpfen Notenbanken und Politik dann bevorzugt mit noch mehr zusätzlich gedrucktem Geld mit dem populistischen genialen, aber in der Realität desaströsen Hinweis, "die Wirtschaft und den Konsum damit ankurbeln zu wollen".

Da man aber mit noch mehr Falschgeld eine durch Falschgeld verursachte Krise nicht bekämpfen kann, wird genau damit die nächste Blase und die ihr folgende Krise mit noch mehr Katastrophenpotential befeuert.

Die Frage, ob unser Währungssystem irgendwann wie ein Kartenhaus zusammenfallen wird, stellt sich deshalb nicht. Wie bei jedem Pyramidenspiel ist die entscheidende Frage nur, wie lange es die Profiteure aufrechterhalten können, bis es zusammenbricht.


Der Autor: Werner Becher ist erfolgreicher Unternehmer und Manager, hat als Ex-Bundesparteivorsitzender des Liberalen Forum (LIF) Einblick in die politischen Zusammenhänge. Als bekennender Neoliberaler wirft er in seinem Buch "Weicheier machen nicht satt – Eine Abrechnung mit Feiglingen, Mitläufern und Ja-Sagern" (Goldegg) einen kritischen Blick auf die Zustände in der Welt und zeigt offen sowie schonungslos auf, welche wirtschaftlichen Abgründe uns dadurch erwarten.


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