"Es gibt im Grunde nichts, was dem Dichten so nahe steht, als ein Stück lebendiger Natur nach seiner Phantasie umzugestalten", schreibt Hugo von Hofmannsthal über die Liebe zur Gartenarbeit.
Gärten und Menschen - seit der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies ein Thema, das nicht nur Dichter und Künstler fasziniert. Darf man Umfrageergebnissen Glauben schenken, gehört Gartenarbeit auch zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Österreicher.
Sich und andere versorgen
"Ich empfinde ein Höchstmaß an Liebe für Gärten und größten Respekt für Menschen, die etwas anbauen können", sagt auch der britische Regisseur und bekennende Stadtmensch Michael Leigh.
In dem Ende Juni auf DVD erschienen Low-Budget-Film "Another Year", der im vergangenen Jahr in Cannes vorgestellt und dieses Jahr für den Oscar nominiert wurde, erzählt Michael Leigh eine Alltagsgeschichte, in deren Mittelpunkt das in die Jahre gekommene Ehepaar Tom und Gerrie steht, das mit viel Liebe seinen Schrebergarten versorgt. Dieselbe Geduld und Fürsorge, die die beiden für die Gartenarbeit aufbringen, lassen sie auch jenen Menschen in ihrem Umfeld zukommen, mit denen es das Schicksal nicht so gut gemeint hat. Man lädt sie ein, bekocht und versorgt sie, hört ihnen zu, muntert sie auf und bietet ihnen dazu nach manchem Glas zuviel schon auch mal ein Nachtlager an. Kein Wunder also, dass sich jedermann bei ihnen wohl und beinah wie zuhause fühlt.
Die ruhige, in Jahreszeiten erzählte Alltagsgeschichte beginnt zu kippen, als sich der Familienkreis durch die Freundin des einzigen Sohnes erweitert und Gerries Kollegin Mary in einem Anflug von Eifersucht meint, diese Veränderung missachten und ihre eigene Position innerhalb dieser Familie behaupten zu müssen; und dabei mit ihrem Verhalten Grenzen massiv überschreitet. Damit stellt sie nicht nur die Toleranz ihrer besten Freunde auf eine harte Probe, sie wird auch mehr und mehr zur tragischen Figur dieser Geschichte. Der Film endet leise, lässt nur noch Bilder sprechen, regt nachhaltig zu Gedanken und Diskussionen an.
Die Gärten der Jane Austen
Der Buch- und Bildband "Die Gärten der Jane Austen" wiederum führt an die Schauplätze der Romane der englischen Dichterin und kommt dabei natürlich nicht an ihren eigenen, selbst bepflanzten Blumenbeeten vorbei. Die wunderschönen Abbildungen von Gärten und Parkanlagen und dem seinerzeit von ihr bewohnten Chawton Cottage, das heute als Museum Besuchern offen steht, werden durch Auszüge aus Briefen und Romanen der Autorin ergänzt und bieten viele interessante Hintergrundgeschichten zu den Sitten und Gebräuchen jener Zeit. Es finden sich Wegbeschreibungen, aber auch Gartentipps, wie Anleitungen zur Herstellung von Naturkosmetik, für Seifenkugeln und Blütenmischungen, wie vor 200 Jahren üblich; die - richtig gemischt, geschichtet und gelagert - über lange Zeiträume köstlichen Duft verströmten.
Aus Jane Austens Briefwechsel mit ihrer Schwester Cassandra geht auch hervor, welch besonderen Eindruck die herrschaftlichen Gärten und Parkanlagen bei ihr hinterlassen haben und mit wie viel Arbeit und Liebe sie die Gestaltung ihres eigenen Gartens betrieben hat. Betrachtet man die Bilder in diesem Buch, erklärt sich von selbst, warum die englische Gartenkultur der europäischen stets Vorbild war.
So hat sich auch Johann Wolfgang von Goethe in Weimar bei der Gestaltung seines eigenen Nutz- und Ziergartens und den beiden von ihm betreuten parkähnlichen Prachtgärten von der englischen Gartenkunst inspirieren lassen. Der Blumenfreund, dessen Lieblingsblume angeblich die Malve war, machte sich viele Gedanken über die Eigenschaften einzelner Gattungen, was den Gedeih und die Pflege anging. Über die Dahlie, die 1790 erstmals in europäische Erde gepflanzt wurde und von dort aus ihren blütenreichen Siegeszug durch die Gärten des Kontinents antrat, schrieb er: "Die Pflanze gleicht den eigensinnigen Menschen, von denen man alles erhalten kann, wenn man sie nach ihrer Art behandelt."
Das Hörbuch "Goethes Garten" wartet mit einer Collage aus Briefen, Prosatexten, Gedichten und Tagebucheinträgen rund um das Thema Garten auf.
Gartengespräche unter Frauen
Ein besonders Hörerlebnis bietet das Audiobook "Gartengespräche unter Frauen". Hier findet ein Gedankenaustausch der besonderen Art zwischen zwei benachbarten Künstlerinnen über das Pflanzen, Wachsen und Vergehen in ihren Gärten, aber auch über die Glücksmomente und Tiefschläge des eigenen Lebens in Form eines Briefwechsels statt.
Dorothy Field, Autorin und Papierkünstlerin, hat neben diesen Gartengesprächen auch zahlreiche Kinderbücher verfasst, lebt und gärtnert heute noch auf Vancouver Island.
Garten und Atelier der Töpferin, Lehrerin und Autorin Carol Graham Chudley wurden häufig von Künstlern und Gärtnern aufgesucht. Sie starb kurz vor der Veröffentlichung des Buches (1998), das dieser Hörversion als Vorlage dient.
Wer gärtnern will, so ihre Worte, braucht weniger Ratschläge als vor allem Vertrauen, dann lernt man schnell, dass "alle Kohlarten leicht keimen" und "Kartoffel auszugraben ähnlich ist wie Ostereiersuchen".
"Ich bin so froh, dass mir niemand gesagt hat, wie man einen Garten anlegt", heißt es in einem ihrer Briefe. "Zum Glück habe ich gedacht, es sei leicht etwas anzupflanzen, als ich mit dem Gärtnern angefangen habe. Und ich hatte auch ja Recht."
Worte, die Mut machen, die dem Hörbuch in hübscher Verpackung beigelegten drei Samenkörner für den Roten Kuri Hokkaido Kürbis einfach in die Erde zu stecken und abzuwarten, was daraus wird ...
Buchtipps
Kim Wilson Die Gärten der Jane Austen - erschienen im DVA Verlag
Carol Graham Chudley und Dorothy Field Gartengespräche unter Frauen (Hörbuch) - erschienen bei Steinbach Sprechende Bücher
Astrid Wintersberger Der Garten und sein Mensch: Schriftsteller über ihre Leidenschaft - erschienen im Residenz Verlag
Barbara Frischmuth Fingerkraut und Feenhandschuh - erschienen im Aufbau Verlag
Eberhard Köhler, Pierre Oser, Ella Büchi und Peter Lieck Goethes Garten (Hörbuch) - erschienen bei Westfire Entertainment
DVD-Tipp
Mike Leigh Another Year
Renate Rossbacher ist freie Autorin. 1998 hat sie ihren Lyrik-Band "Man wird nicht reif, man wird nur müde" im Karin Fischer Verlag veröffentlicht; seitdem weitere Gedichte und Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und Anthologien.

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