Bridget Jones hat viele Schwestern auf dieser Welt. Von ihnen allen können wir lernen, auch dann nicht aufzugeben, wenn es weder mit dem Nachbarn noch der Karriere klappt. Denn die Welt gehört immer noch denen, die sich nicht beirren lassen. Und kaum jemand weiß das besser als Martina Haag, die dank einer Kolumne den Sprung vom Arbeitsamt in die Bestsellerlisten geschafft hat.
Überleben in Zeiten der Arbeits- und Beziehungslosigkeit prägte bis dato auch ihr Leben: Martina Haag ist Schauspielerin, die mit knapp 40 immer noch von Casting zu Casting eilt und auf ihre große Chance hofft - ohne Erfolg. Nicht genug damit sitzt das Geld knapp; obendrein ist kein Mann in Sicht, während Freunde und Verwandte fleißig mit Nestchenbauen beschäftigt sind.
Doch die liebenswerte Schwedin lässt sich nicht entmutigen und peppt ihren Lebenslauf mit allerlei zusätzlichen Fertigkeiten auf. Gerade diese verhelfen ihr unerwartet zu der lang ersehnten großen Bühnenrolle. Plötzlich hat Martina einen Job, aber dafür jede Menge anderer Probleme. Denn der Regisseur hat sich nur deshalb für sie entscheiden, weil sie in ihrer Bewerbung akrobatische Fähigkeiten angegeben hatte. Doch von Kordeliese und Wandsalto hat die Stockholmerin in Wahrheit noch nie etwas gehört.
Ihre Schwägerin, die die Chefredakteurin der schwedischen Cosmopolitan ist, bewies den richtigen Riecher, als sie Haag ermunterte, ihre skurille Lebensgeschichte in monatlichen Kolumnen zu erzählen. Denn diese wurden zum absoluten Renner und späteren Bestseller "Salto für Anfänger", dem die gleichnamige Verfilmung folgte; in der die ausgebildete Schauspielerin Martina Haag buchstäblich die Rolle ihres Lebens spielt - nämlich sich selbst. Gedreht wurde der Kassenschlager zum Teil in Wien - und dort übrigens auch gleich für das deutschsprachige Kino synchronisiert. Sehr charmant!
Das beeindruckende Ergebnis einer Kolumne, die Haags Leben veränderte - auch privat: Die Autorin ist heute verheiratet und vierfache Mutter. Genügend Material also, um ihren zahlreichen Fans noch viele Geschichten zu erzählen.
Wenn Männer lieben (und leiden)
Dass es nicht nur ein Kunststück ist, die große Liebe zu finden, sondern erst recht, diese zu halten, davon weiß Linus Reichlin ein Lied zu singen. Schon in mehreren deutschsprachigen Magazinen (z.B. Die Zeit) erschienen die heiteren Kurztexte des mehrfach preisgekrönten Schriftstellers. Aktuell gibt es seine neueste Kolumne "Die Probleme meiner Freundin" immer donnerstags in der Basler Zeitung zu lesen; die vom herausfordernden Zusammenleben des Autors mit Anna und deren Tochter Julchen handelt.
Nun macht man sich mit öffentlichen Erfahrungsberichten über Beziehungen zwischen Männern und Frauen sicher Freunde, aber vermutlich nicht gerade Freundinnen, glaubt man Reichlin: "Sag mal, spinnst du? Du schreibst in der Zeitung über mich?", soll Anna anfänglich getobt haben. Wobei sie Reichlins Argument nichts mehr entgegenzusetzen wusste: Es sei doch nur, "weil ich Geld verdienen muss".
Da werden Figuren lebendig, wenn der Autor seine mäßig erfolgreichen Versuche, die Gunst von Annas Tochter zu erringen, schildert; oder uns an den Mann-Frau-Gesprächen zwischen Küche und Schlafzimmer im Hause Reichlin teilhaben lässt, die vielen bekannt vorkommen dürften. Amüsant zu lesen und der Beweis, dass die Königsdisziplin des Alltags immer noch das Augenzwinkern ist.
Das ganze Leben ist - ein Hoppala
Auf das Erzählen amüsanter Missgeschicke verstand sich auch der 2005 verstorbene Kurier-Kolumnist Herbert Hufnagl. Seine legendären "Kopfstücke", in denen er skurille Erlebnisse seiner Leser mit Behörden, der Post oder den ÖBB mit viel Humor und ohne Häme präsentierte, sind zuletzt 2006 noch einmal neu aufgelegt worden - mit einem würdigenden Vorwort von Kabarettist Alfred Dorfer.
An Witz aber auch Aktualität haben Hufnagls Glossen nichts eingebüßt. Im Gegenteil: Sie sind ein Stück heitere österreichische Alltagsgeschichte. Und immer wieder lesens- bzw. hörenswert. Denn dass Hufnagl diese nicht nur zu dokumentieren, sondern auch lustig vorzutragen wusste, belegt der auf CD veröffentlichte Ö1-Mitschnitt "Land der Koffer" von Lesungen des Kolumnisten aus den Jahren 2000 und 2001. Lachtränen garantiert!
Lesetipps
Linus Reichlin Kampf dem Orgasmus! Kolumnen (aus der Zeit) - erschienen im Eichborn Verlag
Linus Reichlin Wie man endlich glücklich wird. Lebenshilfen. Kolumnen (Best of Moskito!) - erschienen im Eichborn Verlag
Herbert Hufnagl Kopfstücke. 1988–2005 (2006). Mit einem Vorwort (Nachruf) von Alfred Dorfer - erschienen bei der Kurier Redaktionsgesellschaft
Martina Haag Salto für Anfänger - erschienen bei Serie Piper
DVD-Tipp
Salto für Anfänger - erschienen bei Edition Filmladen
Artikel, informative Websites oder Sehens- bzw. Hörenswertes in Radio und Fernsehen: In unserer Kolumne "Media's Digest" stellt relevant-Redakteurin Ute Rossbacher wöchentlich ihre Medientipps vor.

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