Wien Wolkig Nebel 17.1°C
Quelle: ZAMG

Kolumnen

Renate Rossbacher

kulturlounge Ystad, Stockholm, London: Krimi-Reisen liegen im Trend.


Manuel Simbürger

Inside Out Life Ball 2012: Fast-Live-Ticker zum Ball der Bälle.


Sascha Bém

provokant SMFPK? - Wenn sich Männer nach "Tetschn" sehnen.


Ute Rossbacher

Media's Digest Stars und Sternchen einmal anders: ein Blick in die Welt der Astrologie.


Markus Berndt

HR quergedacht Die ignorierten eierlegenden Wollmilchsäue.


Dr. Erdal Cetin

Inside OP Fersensporn: Schmerzhaft und langwierig zu behandeln.


Werner Becher

FrechDAX Bye Bye, Griechenland.

Interviews

Bildergalerien

Weitere Meinungsthemen

kulturlounge - die Literaturkolumne

Relevant Media

- kulturlounge

Kochkunst hält Einzug in Film und Roman

05.07.2011
Tilda Swinton kocht russisch, Gérard Depardieu französisch.

"Man kann auch aus wenigem delikate Dinge kochen", behauptet Thomas Lieven, der Ich-Erzähler in dem Roman "Es muss nicht immer Kaviar sein". Und die Mehrzahl der in dem Buch enthaltenen 106 Kochrezepte zeichnen sich tatsächlich durch wenige Zutaten und einfache Zubereitung aus.

Mehr als fünf Jahrzehnte sind vergangen, seit dem österreichischen Schriftsteller Johannes Mario Simmel mit "den tolldreisten Abenteuern und auserlesenen Kochrezepten des Geheimagents wider Willen" ein Bestseller gelungen ist, von dem immerhin 30 Millionen Exemplare weltweit verkauft wurden. Auf die Veröffentlichung der darin enthaltenen Kochrezepte bestand der Autor seinerzeit ausdrücklich. Die Nachfrage war überraschenderweise derart groß, dass es abseits des Romans sogar zur Veröffentlichung eines eigenen Kochbuchs kam.

Mittlerweile sind auch andere Autoren auf die Idee gekommen, ihre Romangeschichten mit interessanten, wenn auch wesentlich aufwendigeren Rezepten zu ergänzen, um ihren Lesern etwas von der Magie des Kochens näher zu bringen. In Martin Suters Roman "Der Koch" sind es exotische Gerichte, die in Form von Liebesmenüs mit Gewürzmischungen der tamilischen Küche serviert werden. In "Das persische Café" von Marsah Mehran wird man in Rezepte und Geheimnisse der orientalischen Küche eingeweiht.


Verliebt in einen Koch

Der 2011 für den Golden Globe als bester fremdsprachiger Film nominierte Streifen "I Am Love" erzählt ebenfalls eine Geschichte, in der Kochen eine Rolle spielt. In der, in unglaublich intensiver Bildsprache erzählten Filmgeschichte verkörpert die schottische Schauspielerin Tilda Swinton eine Mailänder Industriellengattin, die sich - in ihrem angepassten Leben erstarrt - mehr und mehr ihrer russischen Wurzeln bewusst wird, ihre Gefühle neu entdeckt und schließlich ihr luxuriöses Dasein für ein einfaches, dafür aber glückliches Leben aufgibt.

Mit dem um einige Jahre jüngeren begnadeten Koch Antonio, in den sie sich leidenschaftlich verliebt und für den sie ihren goldenen Käfig am Ende verlässt, verbindet sie unter anderem die Liebe zum Kochen. Und so ist es auch die Suppe Oucha, die dieser Geschichte letztendlich eine entscheidende Wende gibt.

"Man braucht dazu einen Fluss – und jemand, der viele verschiedene Fische fängt." Das Suppenrezept für Oucha, "die so klar sein muss, dass man alles was drin ist, sehen kann", gehört zu den wenigen Erinnerungen an das Russland ihrer Jugend, die ihr geblieben sind. Sie kocht sie, um ihr Heimweh zu bekämpfen, von Zeit zu Zeit für jenen ihrer Söhne, "der das Russland liebt, das ich in mir trage" - wie sie sagt.

Als Emma das Rezept an ihren Geliebten weitergibt, der auch ein Freund ihres Sohnes ist, begeht sie in dessen Augen einen unverzeihlichen Verrat.

"Du existierst nicht!" lautet der Urteilsspruch von Ehemann und Sohn; doch wie sich zeigt, fängt sie durch ihre Liebe zu Antonio überhaupt erst zu existieren an.

Der bewegende Film, an dessen Herstellung laut Regisseur Luca Guadagnino "mit wenig Geldmitteln, aber viel Willenskraft" insgesamt sieben Jahre lang gearbeitet wurde, ist seit März auch auf DVD erhältlich und wirklich sehenswert.


Wirt, Winzer und Kochbuchautor

Ums Kochen geht es seit Jahren auch im Leben des Schauspielers Gérard Depardieu, der seit 2003 in der Nähe der Pariser Oper ein eigenes Restaurant "La Fontaine Gaillon" betreibt und 2004 sogar seine selbst komponierten Rezepturen in "Mein Kochbuch" veröffentlichte.

"Wenn du eine Ratatouille machst, musst du zur Tomate werden. Zur Zucchini und zum Knoblauch." Lautet einer der Ratschläge, die der Gourmetkoch allen Hobbyköchen erteilt. Von Kochshows und Fernsehköchen hält er wenig. Sein Kochstil ist vor allem von der italienischen und französischen Küche geprägt. Auf der Weinkarte seines Restaurants bietet er auch Weine aus eigenem Anbau an. Den Tieren, so sagt er, begegne er mit Respekt. Einen frisch gefangenen Fisch an der Angel und vor Augen zu haben sei für ihn wie eine Begegnung mit einem Wesen "aus einer anderen Welt" (aus einem Interview mit Die Zeit)

Als Dessert zum Verlieben wird in seinem Kochbuch der Nachtisch "Blätterteig mit Vanillecreme" angepriesen. Es finden sich neben den persönlichen Lieblingsrezepten des Schauspielers auch Geschichten aus seinem Leben. Von recht einfachen Mahlzeiten in seinem Elternhaus ist da die Rede, wo "Schmalhans Küchenmeister" war. Kann eben nicht immer Kaviar sein ...


Buchtipps

Gérard Depardieu Mein Kochbuch - erschienen im Zabert Sandmann Verlag

Martin Suter Der Koch - erschienen bei Diogenes

Marsha Mehran Das persische Café - erschienen bei Blanvalet

Senta Berger Rezepte meines Lebens - erschienen im Brandstätter Verlag



Filmtipps

I Am Love - Ascot Elite Home Entertainment

Chocolat - Universum Film GmbH

Babettes Fest - Concorde Video


Renate Rossbacher ist freie Autorin. 1998 hat sie ihren Lyrik-Band "Man wird nicht reif, man wird nur müde" im Karin Fischer Verlag veröffentlicht; seitdem weitere Gedichte und Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und Anthologien.


Home
Meinung
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech