Quelle: ZAMG

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FrechDAX - die Wirtschaftskolumne

Der FrechDAX

Wann platzt die gigantische Spekulationsblase?

16.04.2015
Längst haben sich die Börsenkurse von der Entwicklung der Realwirtschaft weit entfernt. Anleihen werfen Negativzinsen ab und Immobilienpreise steigen doppelt so stark wie die Mieten.

71 Prozent der deutschen Staatsanleihen werfen nur noch Minuszinsen ab. Die Immobilienpreise sind im Vorjahr wieder doppelt so stark wie die Mieten gestiegen. Und während die Wirtschaft in Europa seit Jahren kaum noch wächst, erreichen die Börsenindizes gleichzeitig immer neue Höchstwerte – so ist der deutsche DAX beispielsweise in den ersten drei Monaten dieses Jahres wieder um satte 30 Prozent in neue luftige Höhen geklettert.

Um Geld vermeintlich sicher zu parken, sind Anleger längst bereit, Negativzinsen zu zahlen. Und zwar nicht nur bei Anleihen. Auch der EONIA-Satz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen, ist mittlerweile auf ein historisches Rekordtief von -0,089 Prozent gefallen. Der EZB müssen Banken einen Strafzins von 0,2 Prozent zahlen, wenn sie kurzfristig Geld bunkern wollen.

Die Frage, ob es wirtschaftlich sinnvoll war, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auf Basis veralteter ideologischer Dogmen den Zins praktisch vollständig abgeschafft hat, wird sich schon sehr bald von selbst beantworten. Viele Fondsmanager reden zwar aus Eigennutz die Situation noch immer schön und wollen keine Blasenbildung erkennen. Das ist aus ihrer Sicht auch nur zu verständlich, sollen doch möglichst viele weitere dumme Lemming-Anleger dazu verführt werden, in Aktien und Fonds zu investieren, um das Kursfeuerwerk weiter zu befeuern.

Ökonomen warten hingegen nur noch auf das Platzen der Spekulationsblase. Das sieht auch Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank so: „Zinsen haben für eine Volkswirtschaft eine überaus wichtige Steuerungswirkung. Wenn diese wegfällt, kommt es zwangsläufig zu kräftigen Fehlallokationen. Die Probleme werden aber erst richtig sichtbar, wenn die EZB das QE-Programm stoppt“. Womit eigentlich nur noch eine Frage derzeit nicht exakt beantwortet werden kann: wann genau die aufgestaute gigantisch Blase platzen wird.

 

Der Autor: Werner Becher ist erfolgreicher Unternehmer und Manager, hat als Ex-Bundesparteivorsitzender des Liberalen Forum (LIF) Einblick in die politischen Zusammenhänge. Als bekennender Neoliberaler wirft er in seinem Buch "Weicheier machen nicht satt – Eine Abrechnung mit Feiglingen, Mitläufern und Ja-Sagern" (Goldegg) einen kritischen Blick auf die Zustände in der Welt und zeigt offen sowie schonungslos auf, welche wirtschaftlichen Abgründe uns dadurch erwarten.

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