Quelle: ZAMG

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FrechDAX - die Wirtschaftskolumne

Der FrechDAX

Die Phillips-Kurve ist tot

28.08.2014
Weniger Arbeitslose bei höherer Inflation ist das Ziel der Zentralbanken. Deshalb drucken sie immer mehr Geld. Doch eine direkte Korrelation zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation gibt es nicht.

Der keynesianischen Wirtschaftslehre anhängende Ökonomen lieben einfache Zusammenhänge und Formeln. Wenn sich diese in der Realität kaum oder gar nicht bestätigen lassen, irritiert sie das selten. Die Sozialwissenschaften seien eben nicht wie die Naturwissenschaften, wo sich unmittelbar alles wiederholbar beweisen lasse, reden sie sich gerne aus. Aus Sicht der Keynesianer ist Ökonomie demnach offenbar mehr eine Religion, an die man einfach bedingungslos und unhinterfragt glauben soll, als eine Wissenschaft.

Die von Volkswirtschaftsstudenten gefürchtete Phillips-Kurve ist ein typisches und hochaktuelles Beispiel für diese Ignoranz. Blöderweise werken speziell in den staatlichen Zentralbanken wie der EZB und der FED viele streng gläubige Anhänger der Neukeynesianischen Makroökonomik.

Die Phillips-Kurve beschreibt vereinfacht ausgedrückt, dass es einen direkten negativen Zusammenhang zwischen Arbeitslosenquote und Inflation gibt. Demnach muss die Inflation steigen, wenn die Arbeitslosigkeit sinkt und umgekehrt. Weniger Arbeitslosigkeit auf Kosten höherer Inflation erreichen zu wollen, nennen Zentralbanken deshalb als Vorwand, um seit Jahren ihre Gelddruckmaschinen unvorstellbare Unmengen an frischem Geld drucken zu lassen.

Doch die Praxis hat sich wieder mal hartnäckig nicht an eines der kuscheligen Modelle der Keynesianer gehalten. Denn während die Arbeitslosigkeit in Europa und den USA bei Ausbruch der Krise 2008 stark gestiegen ist, blieb die Inflation auf stabil geringem Niveau. Und auch jetzt, wo das Gegenteil der Fall ist und das Beschäftigungswachstum wieder anzieht und die Arbeitslosenquoten sinken, zeigt die Inflation keine Avancen sich zu bewegen. Auch eine gigantische Geldschwemme der Zentralbanken dies- und jenseits des großen Teichs, die den gewünschten Effekt unterstützen und beschleunigen sollte, verpufft seit Jahren ohne jede Wirkung – mit verheerenden Folgen für die Zukunft, da sie als Kollateralschaden gleichzeitig die nächste Finanzblase befeuert.

Doch wer meint, das müsste Ökonomen und Zentralbankern doch zu denken geben und eventuell sogar Selbstreflektion auslösen, der irrt. Denn schließlich handelt es sich ja um keine Wissenschaft sondern um eine Religion. Die Erde muss der Mittelpunkt des Universums bleiben, auch wenn die Realität durch ein Teleskop längst das Gegenteil besagt.

 

Der Autor: Werner Becher ist erfolgreicher Unternehmer und Manager, hat als Ex-Bundesparteivorsitzender des Liberalen Forum (LIF) Einblick in die politischen Zusammenhänge. Als bekennender Neoliberaler wirft er in seinem Buch "Weicheier machen nicht satt – Eine Abrechnung mit Feiglingen, Mitläufern und Ja-Sagern" (Goldegg) einen kritischen Blick auf die Zustände in der Welt und zeigt offen sowie schonungslos auf, welche wirtschaftlichen Abgründe uns dadurch erwarten.

 

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