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Termin: Freitag, 22:30 - Kabarett

04.07.2011
Endlich was zum Lachen: Ein Blick über den kabarettistischen Gartenzaun nach Bayern.

Die kleinen Alltagspointen finden mich meistens an einem Freitagnachmittag, wenn ich gerade auf dem Heimweg bin. Das beginnt damit, dass ich über die vielversprechende Ankündigung des Lokals "Cafe Latte" in der Wiener Neubaugasse stolpere: "Prosecco-Friday: mit Schwung ins Wochenende - 14 - 18 Uhr". Im Vorbeigehen auf der Tür eines Erotik-Ladens das Schild "Komme gleich" registriere. Oder Ohrenzeuge werde, wenn der Fahrer der Buslinie 13A seinen Wiener Stammgästen, die sich in weltbewegende Fragen ("I muaß imma niaßn, wenn ich den Pulli anhob. Gibt's des eigentlich a - Pollen aus Wolle?") verstricken, pflichtschuldig und ungerührt Auskunft erteilt ("Ko sein. Waß net.")


Echte Wiener und bayerische Originale

So bin ich schon bei meiner Ankunft in den vier Wänden perfekt auf das Programm eingestimmt, das mich an diesem Freitagabend noch erwartet: beste bayerische Comedy.

Wenn das kabarettistische Schwergewicht Ottfried Fischer in seinem "Schlachthof" seine "Stammtischbrüder und -schwestern" um 22:30 Uhr aus Anlass des EHEC-Skandals mit den Worten begrüßt: "Dass ich das noch erleben darf: Vorm Verzehr von Salat wird gewarnt", oder Helmut Schleich in "Grünwalds Comedy" den geschassten Bayern-Trainer Louis van Gaal parodiert ("Deutscher Humor ist wie holländische Hochgebirge - das gibt es nicht") - bin ich mit der Woche spätestens dann versöhnt.


15 Jahre Pointen

Für Quereinsteiger ein paar Kostproben aus "Ottis Schlachthof", dessen Gäste seit mehr als 15 Jahren auf gleichbleibend hohem Niveau das Zeitgeschehen im bayerischen Fernsehen kommentieren, verreißen und parodieren - selbstironisch und erfrischend unkorrekt:

- die fränkische Kabarett-Queen Lizzy Aumeier, die den Leidensdruck von allen figurgeplagten Frauen nimmt ("Wozu abnehmen, solange es noch genügend Stoff auf dieser Welt gibt.");

- "Klaviator" Lars von Reichow, der unverheiratete Männer auf die Herausforderungen des Ehealltags einstimmt ("Sie macht mir Mut auf ihre Weise: Das schaffst du nie!");

- der "Meister des unfreiwilligen Humors" Rolf Miller, der mit den skurrilen Anekdoten über seinen Kumpel Achim Abende und Zuschauerräume füllt ("Seine Freundin meint immer: 'Man kann über ihn sagen, was man will - es stimmt.'");

- Physiker und Kabarettist Vince Ebert, den der Optimismus auch in der größten Krise nicht verlässt ("Bei hoher Arbeitslosigkeit gibt's dafür weniger Berufsverkehr." Darauf Ottfried Fischer trocken: "Nach diesem Ausbund an Think Positive machen wir weiter mit dem Programm ...");

- Horst Schroth, der Frauen tief in die Männerseele blicken lässt ("Bei der Frage 'Willst du mich heiraten?' erleben Männer eine sogenannte Aussprechsperre. Die haben sie zum Beispiel nie bei dem Satz 'Bringst mir ein Bier, Schatz?'");

- Andreas Rebers, der ein einsames Plädoyer für den Erhalt der Hauptschule hält ("Hauptschule abschaffen! Was soll das? Was steckt denn in dem Wort Hauptschule drin? Haupt! DAS Kopf.");

- und abschließend Volker Pispers, der es wie kaum ein anderer versteht, historische Persönlichkeiten und tagespolitische Ereignisse einzuordnen ("Für unsere jüngeren Zuschauer: Heinrich Lübke (ehemaliger Bundespräsident von Deutschland, dessen Rede "Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger!" bei seinem Besuch in Liberia legendär wurde, Anm.) ist der Großvater von Verona Feldbusch").


Auswärtsspiele heimischer Kabarettisten

Regelmäßige und gern gesehene Gastspiele im bayerischen Comedy-Fernsehen absolvieren auch Österreicher, darunter Josef Hader oder Alfred Dorfer. Zur Hochform lief dieser übrigens in "Ottis Schlachthof" während und nach dem Ende der Wenderegierung auf: "Es heißt ja, der Schüssel soll an Posten in Brüssel kriegen. Da werd' ma uns dann revanchieren - für die Sanktionen."

Nicht weniger böse Josef Hader, als er später in der gleichen Sendung das Motto der deutschen Fußball-WM 2006 "Die Welt zu Gast bei Freunden" kommentieren sollte: "Gut, vor 60 Jahren war Deutschland zu Gast in der Welt und jetzt ..."

Dass auch unsere Schweizer Nachbarn in puncto Bühnenunterhaltung einiges auf dem Kasten haben, zeigen sie lange nicht nur im bayerischen Kabarett-Fernsehen. Hinhören, wenn der Name Andreas Thiel fällt! Seine weltpolitischen Analysen sind gespickt von scharfzüngigen Nebensätzen ("Die Tibeter glauben an die Wiedergeburt, die Chinesen helfen ihnen dabei.").


Kabarett für alle

Sicher ist: Den Kabarettisten im deutschsprachigen Raum geht das Material nicht aus, ob es sich um weltwirtschaftliche Entwicklungen, tagespolitische Debatten oder einmalige Prominenten-Statements (mein Favorit: "Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel", der Lukas Podolski zugeschrieben wird) handelt. Kein Wunder, dass die Kabarett- und Comedy-Formate im TV vor allem in Deutschland aus dem Boden schießen. Sehenswert sind die meisten, aber in höchster und bester Konzentration sind sie alle - ob Fischer, Grünwald, Aumeier, Nuhr und Co. - derzeit freitags im bayerischen Fernsehen zu erleben. Meine Bitte an die Kollegen: unbedingt beibehalten!

Artikel, informative Websites oder Sehens- bzw. Hörenswertes in Radio und Fernsehen: In unserer Kolumne "Media's Digest" stellt relevant-Redakteurin Ute Rossbacher wöchentlich ihre Medientipps vor.


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