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Ok, reden wir doch über Griechenland

29.06.2011
Das Euro-Schlamassel hat wenig mit Geld zu tun.

Der Gedanke einer gemeinsamen Währung ist ja ein hehrer. Dass es den Euro gibt, ist genauso wie der freie Personen- und Güterverkehr in der EU für Menschen mit Radius ein Segen.

Der Radius ist auch das entscheidende Kriterium bei Gemeinschaften. Sollen "Nettozahler" (ein in seiner Missverständlichkeit unsägliches Unwort!) für "Pleite-Länder" in Europa zur Kassa gebeten werden? Soll Wien für die bankrotten Kärntner zahlen? Soll ein Besserverdiener (auch bei Flat-Tax) mehr in die öffentliche Hand geben als sein weniger einkommensstarker Nachbar? Wer zahlt bei einem verheirateten berufstätigen Ehepaar das Dinner?

In einer globalisierten Welt sind alte Grenzstrukturen anachronistisch. Gewiss, wir werden nicht von heute auf morgen eine weltumspannende Union haben, aber an einer globalen Zusammenarbeit führt kein Weg vorbei. Schon jetzt umgarnen westliche Spitzenpolitiker die Chefs neuer Marktgiganten, um den Weg zu wirtschaftlichen Kooperationen zu ebnen. Osteuropa, Asien. Afrika ist nur eine Frage der Zeit.

Aber machen wir den Radius wieder kleiner – es geht ja um Europa. Es ist unbestritten, dass die EU viel gebracht hat: Große gesellschaftliche wie wirtschaftliche Perspektiven für noch junge Demokratien. Aber auch schönen Reibach für Österreich. Der "Nettozahler" profitiert üppig mit seinen - dank Europa - florierenden Unternehmen.

Eh alles super in der Europa? Natürlich nicht. Weil, warum? Eine Gemeinschaft geht nur, wenn keiner den anderen, salopp gesagt, linkt. Nur dann, wenn alle mit dem Gemeinsamen gemeinsam umgehen. Wenn innerhalb einer Familie grundsätzlich aufs Geld geschaut wird, und dann kauft sich der Papa einen Porsche, wackelt die Union. "Budgetsünder", Länder mit aufgeblähten Geldverbrenner-Strukturen etc. - das alles gibt es in der EU. Solche Probleme ziehen in einer gemeinsamen Währung weite Kreise. Die Währung ist aber natürlich nicht Ursache dieser Missmanagements, schon gar nicht ihre Lösung.

Die Lösung kann nur sein: Eine gemeinsame stringente und konsequente Finanzpolitik für alle, die eine gemeinsame Währung verwenden möchten. Ob sich alle EU-Staaten einen europäischen Finanzminister vorsetzen lassen, ist die entscheidende Frage. (Oder doch lieber weiterhin selber tun und dann mit herausgeputzten Bilanzen nach Brüssel reporten?)

Ist Europa noch nicht so weit für ein echtes gemeinsames Geld-Management, wird der Euro nicht die unterschiedlichen Interpretationen eines Haushalts ausgleichen können. Bestehen Länder auf ihre Finanzhoheit, wird weiterhin jeder versuchen, das Beste nur für sich herauszuholen. Dann ist der Gemeinschaftsgedanke - und der einer gemeinsamen Stärke - nur hohles Blabla.

Entweder: Union inklusive Abtreten von Kompetenzen an europäische Autoritäten. Oder: das, was einige Rechtspopulisten heraufbeschwören – das Verkleinern der Radien. Bis Europa wieder der alte Fleckerlteppich ist? Ökonomisch, politisch und kulturell jedenfalls: zurück in die Steinzeit.


Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

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