Wissen Sie noch, um wie viel Geld für wen, wozu und wann es in Griechenland geht? Nein? Dann sind Sie in bester Gesellschaft. Ökonomen, Politiker, Finanzmanager und Wirtschaftsjournalisten überschlagen sich seit geraumer Zeit mit widersprüchlichen Analysen:
Die Gläubiger (vor allem: Banken) sollen den Ausfall der griechischen Kredite/Anleihen tragen, sagen die einen. Das würde Too-big-too-fail-Apparate in den Abgrund reißen und damit ganze Wirtschaften gefährden, meinen die anderen. Griechenland-Hilfe bedeutet Milliarden in ein Fass ohne Boden schütten... Nein, denn die Alternative, ein Bankrott, würde Domino-mäßig einige weitere Länder umschmeißen... Euro-Austritt und Abwertung! Bloß nicht, das wäre das Ende des Euro! Sparkurs! Nein, nicht Wirtschaftsmotor abwürgen! Usw. usf.
Wir sind heute Passagiere eines Finanzsystems, das sich nicht nur verselbstständigt hat, sondern dessen Reaktionen auch nicht vorhersehbar sind. Die laut Adam Smith den (freien) Markt durch Angebot und Nachfrage regulierende invisible Hand wurde im globalisierten Kontext und in einem munteren europäischen Mix von Währungsunion und unterschiedlicher Wirtschaftspolitiken zu einer wirr zuckenden Faust.
Das alles hätte vielleicht vermieden werden können: Indem man darauf achtet, dass Währungen in irgendeiner bodennahen Relation zu Werten (Gold?) stehen und nicht endlos gedruckt werden. Oder dass ein halbwegs greifbares Verhältnis zwischen spekulativen Werten (auch Krediten) und realem Geld besteht. Oder indem sich Länder auf eine gemeinsame Wirtschaftspolitik einigen – als Basis für eine gemeinsame Währung. (Nicht umgekehrt.)
Hätte können, vielleicht. Die Realität ist eine andere. Das Geld-, Zinsen- und Spekulationsgewinne-Erfinden geht sich nicht mehr aus. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute: Man muss kein Experte sein, um bei dem Thema mitreden zu können. Niemand kennt sich wirklich aus, auch die "seriösen" Prognosen erinnern an Kaffeesudleserei, alles ist erlaubt.
Sie meinen, ein echter Finanzexperte hätte mehr Vertrauen in den Wert des Geldes? Wenn ein Mann wie Superfund-Boss Christian Baha im Kurier-Interview sinngemäß sagt, er rät zu Landwirtschaft sowie zu Gold und Silber als wirklich stabile Werte, dann ist das doch einigermaßen bezeichnend.
Pessimistisch? Nein. Wir können den Entwicklungen der Weltwirtschaft mit der gleichen Gelassenheit entgegen sehen wie dem Wetter im September. Voraussagen und, geschweige denn, Steuern kann man's eh nicht. Und zwar offenbar niemand.
Daher: Genießen Sie das Wochenende, und geben Sie Geld aus! Noch hat es einen Wert. Und Konsum, wenigstens soviel steht fest, tut jeder Wirtschaft gut.
Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at
sascha.bem[at]relevant.at

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