Quelle: ZAMG

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FrechDAX - die Wirtschaftskolumne

Der FrechDAX

Die nächste Dotcom-Blase wird bald platzen

23.04.2014
Ins irreale gestiegene Börsenwerte von Internetkonzernen sollten zur Vorsicht mahnen. Viele dieser Unternehmen haben nicht einmal den Hauch einer Idee davon, wie sie jemals Geld verdienen könnten.

Das Spektakel wiederholt sich in letzter Zeit wieder sehr häufig: geht ein Internet-Konzern an die Börse oder holt sich von dort frisches Geld, stehen die Investoren Schlange. Der Börsenwert einiger Dotcom-Konzerne hat sich dank großer Aktien-Nachfrage mittlerweile in gigantische Höhen bewegt.

Mit dem Geschäftsmodell vieler IT-Konzerne ist es bei weitem nicht so gut bestellt, wie die Bekanntheit und Marktkapitalisierung einiger Firmen das suggeriert. Investoren scheint es allerdings wenig zu interessieren, ob Technologie-Unternehmen tatsächlich operativ Geld verdienen. Und auch nicht, ob sie auf Basis ihres Geschäftsmodells jemals Geld verdienen werden. Denn viele Internet-Startups haben nicht einmal den Hauch einer Idee, wie sie jemals Geld und damit Einnahmen von ihren Usern erhalten könnten.

Da man aber auch ohne Geschäftsmodell derzeit wieder schnell und einfach Millionär oder Milliardär werden kann, weil Investoren offenbar alles was nach Dotcom riecht blind kaufen, schießen Internet-Startups wie Pilze aus dem Boden. Viele Glücksritter gründen bevorzugt im Silicon Valley deshalb Unternehmen mit einem einzigen Ziel: schnellstmöglich zu wachsen und das Unternehmen genau so rasch zu verkaufen, noch bevor jemand die Frage stellen könnte, ob und wie man damit Geld verdienen kann.

Begünstigt wird dieser Trend dadurch, dass ähnlichen Unternehmen, die schon eine Kapitalisierungsrunde hinter sich haben, auch in Zukunft weiter Wachstum zeigen müssen, da das ihre einzige Story ist. Organisches Wachstum ist aber oftmals nicht mehr möglich, deshalb kaufen sie einfach mit von den Kapitalmärkten geschöpftem frischem Geld andere schnell wachsende Startups, um ihre Bilanzen damit zu frisieren und ein paar weitere Jahre überleben zu können.

Immer mehr Wirtschaftsexperten warnen angesichts der Aktienkurse und irrealen Börsenwerte vieler Dotcom-Unternehmen deshalb wenig überraschend davor, dass wir uns bereits mitten in der nächsten und damit bereits zweiten Dotcom-Blase dieses noch jungen Jahrhunderts befinden. So warnt beispielsweise David Einhorn, Hedgefonds-Manager der 10,3 Milliarden Dollar schweren Firma Greenlight Capital vor einer gigantischen Preisblasen. „Es gibt einen klaren Konsens, dass wir die zweite Tech-Blase innerhalb von 15 Jahren erleben”, erklärte er am Dienstag in einem Investoren-Brief und ergänzte: „Die gegenwärtige Blase ist ein Echo der vorigen Tech-Blase, mit weniger großkapitalisierten Aktien und weniger öffentlichem Enthusiasmus.”

David Einhorn geht wie viele Marktbeobachter davon aus, dass sich die nächste Technologie-Blase bereits in einem sehr fortgeschrittenen Stadium befindet. Nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung sind die Notenbanken, die durch ihre expansive Geldpolitik viel zusätzliches Geld gedruckt haben, das nach Veranlagung sucht. Da die Notenbanken gleichzeitig das Zinsniveau auf fast null heruntergefahren haben, bleibt für Geldanlage fast nur der Aktienmarkt. Und dort bildet sich wenig überraschend gerade aus all dem frisch bedrucktem „Fiat-Money“ die nächste große Blase.

Letztendlich ist aber natürlich jeder Investor für sein eigenes Handeln verantwortlich. Mal wieder einen Blick in sein Portfolio zu werfen und zu prüfen, ob sich dort viel heiße Luft oder aber Werte mit realwirtschaftlicher Substanz befinden, kann ich deshalb nur jedem gerade jetzt dringend empfehlen. Denn bisher ist noch keine Blase wieder geschrumpft sondern ist noch jede geplatzt.

Der Autor: Werner Becher ist erfolgreicher Unternehmer und Manager, hat als Ex-Bundesparteivorsitzender des Liberalen Forum (LIF) Einblick in die politischen Zusammenhänge. Als bekennender Neoliberaler wirft er in seinem Buch "Weicheier machen nicht satt – Eine Abrechnung mit Feiglingen, Mitläufern und Ja-Sagern" (Goldegg) einen kritischen Blick auf die Zustände in der Welt und zeigt offen sowie schonungslos auf, welche wirtschaftlichen Abgründe uns dadurch erwarten.

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