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FrechDAX - die Wirtschaftskolumne

Der FrechDAX

R.I.P. Keynes – Teil 2

15.04.2014
Die Finanzkrise ist eigentlich eine Staatsschuldenkrise, nur hören das Politiker nicht gerne, weil dann sie schuld wären und handeln müssten und nicht böse Banken.

Die Hypotheken-Krise, die im Jahr 2008 in den USA ausgebrochen ist, gilt gemeinhin als Auslöser der aktuellen Finanzkrise. Sie war logische und unausweichliche Konsequenz eines politisch erzwungenen Pyramidenspiels, wie in Teil 1 dieses Artikels erläutert wurde. Doch die Insolvenz einiger Hypothekenbanken in den USA alleine, hätte noch keine globale Weltwirtschaftskrise auslösen müssen - oder besser gesagt: dürfen!

Die Krise traf allerdings auf ein Europa, das längst schon seine gigantischen Staatsschulden nicht mehr bedienen konnte sondern vielfach mit seinen Zinszahlungen schon überfordert war. Speziell in zahlreichen südeuropäischen Staaten platzte deshlab umgehend die Produktivitätsbombe. Nach Einführung der Gemeinschaftswährung Euro waren in vielen Mittelmeer-Staaten der EU die Löhne Jahr für Jahr stark angehoben werden. Während sich die Löhne und auch die Preise in der Euro-Zone rasch anglichen, änderte sich an der schwachen Produktivität vieler Länder Südeuropas aber absolut nichts. Zu schön und einfach klang der feuchte Traum John Maynard Keynes, durch „Ankurbelung der Kauftraft“, „Nachfragestärkung“ und ähnliche wirtschaftliche Wunderdrogen, Wachstum und damit Wohlstand schaffen zu können. In der Realität sank durch die starken Lohnerhöhungen die Produktivität im internationalen Vergleich jedoch logischerweise noch rasanter als zuvor. Der Zusammenbruch des Hypotheken-Pyramidenspiels in den USA traf also auf ein Lohnerhöhungs-Pyramidenspiel in Südeuropa. Wenig überraschend folgte auf das Platzen der Blase über dem großen Teich unmittelbar das Platzen der Blase in Südeuropa. Denn plötzlich glaubte niemand mehr an den Finanzmärkten an eine Fata Morgana eines ausschließlich auf Pump finanzierten Wachstums, das realwirtschaftlich so nie stattgefunden hatte.

Europa stand damit vor einer entscheidenden Weggabelung für die kommenden Jahrzehnte: Entweder die ökonomischen Grundgesetze zu akzeptieren, entsprechende Fehlentwicklungen zu korrigieren, die Produktivität zu steigern und Europa damit zukunftsfit und international konkurrenzfähig zu machen. Oder durch noch mehr Geldverbrennung auf Pump ein paar weitere Jahre weiter wursteln zu können.

Bekanntlich setzten sich die Weicheier und Populisten unter Europas Politikern durch und entschieden sich für Variante 2. Sie retteten forthin Staaten, Banken und alles was sich ihnen zur Rettung anbot. Kritiker merkten zwar an, das alles müsse der Steuerzahler zahlen. Doch auch das war nicht die ganze Wahrheit, denn in der Realität finanzierte die Politik ihre vorgeblichen Wohltaten nicht durch zusätzliche Steuereinnahmen sondern durch Aufnahme zusätzlicher Staatsschulden. So merkten die Steuerzahler (noch) nichts von der Geldvernichtung. Und obwohl Wirtschaftsnobelpreisträger und viele unabhängige Ökonomen anmerkten, der Nutzen all dieser Rettungen sei makroökonomisch nicht belegbar und deshalb zweifelhaft, entschieden studierte Kulturwissenschaftler, Lehrer, Bauern und Politikwissenschaftler in der Politik anders. Die Rettungen wären „alternativlos“, ließen sie ausrichten und verbaten sich jede sachliche Kritik. Jeder, der anderer Meinung sei, „schade dem Finanzplatz“, hieß es.

Gleichzeitig wurden die Zentralbanken angewiesen, die Geldmaschine anzuwerfen und soviel Papiergeld zu drucken, wie nur irgendwie möglich sei. Und als wichtiger zusätzlicher Puzzlestein: die Zinsen sollten rasch auf null gesenkt werden, da sich sonst kein Staat mehr die Zinsen für seine noch weiter gestiegenen Staatsschulden leisten könne.

In diesem Zustand leben wir jetzt seit einigen Jahren. Die Staatsschulden steigen weiter dramatisch an, das angekündigte Wirtschaftswachstum ist aber nicht erkennbar und wird so nie zurückkehren. Gleichzeitig werden alle Sparer durch Inflation enteignet und sinkt somit der Wohlstand der Bürger. Ronald-Peter Stöferle von Incrementum spricht in einem Interview gegenüber dem „Wirtschaftsblatt“ deshalb zu Recht vom „keynesianischen Endgame“.

Dabei hätte ein Blick nach Japan (oder der aus der Billa-Werbung bekannten „Hausverstand“) genügt, um zu bemerken, dass Geldmengenausweitung um jeden Preis („Quantitative Easing“) niemals funktionieren kann. Sondern bestenfalls zu einem führt: Zeitgewinn! Diesen Zeitgewinn erkaufte sich die Politik durch vorsätzliche Förderung der nächsten, noch größeren Finanzblase, die zwangsläufig aus dem nun noch billigeren und in der Realität gar nicht vorhandenem Geld resultiert. Ein Blick in die Statistik der Entwicklung der Geldmenge M3 sowie der Gold- und Börsenkurse der vergangenen Monate sagt dazu alles – die nächste Blase baut sich kontinuierlich auf. Denn eines ist bei Anwendung der populistischen und damit bei Politiker sehr beliebten, aber leider ökonomisch katastrophalen Theorien von Keynes sicher: nach der Krise ist immer gleichzeitig vor der nächsten noch größeren Krise!

Der Autor: Werner Becher ist erfolgreicher Unternehmer und Manager, hat als Ex-Bundesparteivorsitzender des Liberalen Forum (LIF) Einblick in die politischen Zusammenhänge. Als bekennender Neoliberaler wirft er in seinem Buch "Weicheier machen nicht satt – Eine Abrechnung mit Feiglingen, Mitläufern und Ja-Sagern" (Goldegg) einen kritischen Blick auf die Zustände in der Welt und zeigt offen sowie schonungslos auf, welche wirtschaftlichen Abgründe uns dadurch erwarten.

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