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Leichtes Literaturgepäck

14.06.2011
Sommer ohne Männer. Valentinstag ohne Frau. Trüffel ab Oktober.

Leben wie Gott in Frankreich

Le berceau de l'homme - als Die Wiege der Menschheit - gilt das Pèrigord im südwestlichen Frankreich, jenes fruchtbare Fleckchen europäische Erde mit seinen prähistorischen Fundstätten, das seit 40.000 Jahren durchgehend von Menschen bewohnt wird. Und an diesem Ort, der unter anderem auch durch seine reichlichen Trüffelvorkommnisse Berühmtheit erlangt hat, spielen auch die Kriminalgeschichten des schottischen Dichters Martin Walker, der sich in dieser Region bereits vor Jahren niederließ. Freunde, die er dort gefunden hat, treten mittlerweile als Romanfiguren auf und hätten damit, wie er in einem Verlags-Interview (Diogenes) bekennt, auch überhaupt kein Problem.

In seinem aktuellen Werk "Schwarze Diamanten", das – wie der Autor verrät - mitten ins Herz der französischen Gastronomie führt, geht es um Betrügereien im Trüffelhandel und die wachsende Rivalität zwischen chinesischen und vietnamesischen Immigranten-Gangs. Und wie schon in seinen ersten beiden Romanen liefert der Autor auch in diesem wieder klassische Kochrezepte und interessante historische Hintergründe zu seiner Geschichte mit, in der abermals Bruno Courrèges mit der Lösung des Falls betraut ist, die "so tief vergraben ist wie die legendären schwarzen Diamanten unter den alten Eichen im Pèrigord".


Mann – und einsam

"Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim" von Jonathan Coe ist ein Roman der sentimentalen Sorte. Maxwell Sim ist 48 und in dem, von der Finanzkrise gebeutelten England, als Vertreter für ökologisch hergestellte Holzzahnbürsten in ziemlich entlegene Orte des Landes unterwegs.

Von Frau und Kind verlassen, hat er zuvor den einsamsten Valentinstag seines Lebens verbracht und versucht nun, von einer aufkeimenden Depression geplagt und von Verzweiflung und Selbsthass gequält, seinem erfolglosen Dasein neuen Sinn zu geben. Dass dabei 136 Spam-Mails in Facebook und ein gestohlenes Handy, in dem die Telefonnummer der einzigen Frau gespeichert ist, die sich über seinen Anruf freuen würde, nicht unbedingt zur Hebung der Stimmung beitragen, liegt auf der Hand.

Nichts will so richtig gelingen und doch findet diese tragisch-komische Geschichte einer Selbstfindung, die dem Leser immer wieder Grund zur Heiterkeit liefert, irgendwie doch noch ein gutes Ende.

Der britische Autor Jonathan Coe, der neben seinen oft bissig-satirischen Romanen auch Biografien über Humphrey Bogart und James Stewart verfasst hat, landete seinen bislang größten Erfolg mit seinem, in der Thatcher-Ära angesiedelten sozialkritischen Debütroman "Allein mit Shirley".


Frau – und verlassen

Siri Hustvedts neuer Roman "Sommer ohne Männer" hat gleich nach seinem Erscheinen große mediale Aufmerksamkeit erfahren. Die Autorin lässt gleich zu Beginn der Geschichte ihre Protagonistin Mia, eine Dichterin Mitte 50, die von ihrem Ehemann - wegen einer jungen Französin mit "signifikantem Busen", die noch dazu "zwanzig Jahre jünger" als sie selbst ist - verlassen wird, einen Nervenzusammenbruch erleiden und für kurze Zeit in eine psychiatrische Klinik einweisen.

Danach flüchtet die nach dreißig Ehejahren Verlassene zur Seelenheilung in ihre frühere Heimat, wo ihre Mutter - umgeben von ihren Freundinnen - in einem Altersheim lebt. Neben Lyrik-Kursen, die sie jungen Mädchen gibt, findet sie endlich Zeit und Ruhe, ihre Vergangenheit und all die Wut und Enttäuschung in Form eines erotischen Tagebuchs aufzuarbeiten. Dabei helfen ihr die Gespräche mit den Altersheim-Insassinnen, die allesamt über jede Menge Lebenserfahrung verfügen.

Als sich Mias Ehemann nach dem Scheitern seiner heftigen Kurzzeitaffäre wieder um Annäherung und Versöhnung bemüht, stellt sich für sie, die sich mittlerweile neu orientiert und bislang unbekannte Seiten an sich entdeckt hat, die Frage, "ob zwei Menschen, die einen solchen Bruch erlitten haben, sich wiederfinden können", und "wie ihre Beziehung danach aussieht".

Dass die Schriftstellerin und Ehefrau des Kultautors Paul Auster in diesem Roman auch in aller Ausführlichkeit Wissenschaftliches aus Hirnforschung und Psychoanalyse einfließen lässt, werden wohl manche Leser interessant, andere wiederum eher beschwerlich finden.


Büchertipps

Martin Walker Schwarze Diamanten- erschienen im Diogenes Verlag

Jonathan Coe Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim - erschienen bei DVA

Siri Hustvedt Der Sommer ohne Männer - erschienen im Rowohlt Verlag


Renate Rossbacher ist freie Autorin. 1998 hat sie ihren Lyrik-Band "Man wird nicht reif, man wird nur müde" im Karin Fischer Verlag veröffentlicht; seitdem weitere Gedichte und Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und Anthologien.

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