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Tod den Killerautos!

10.06.2011
Hundeattacken: Es wäre so leicht, wenn es an der Rasse läge.

"Killerhunde". "Einschläfern". Aha. - Eine Kollegin schrieb diese Woche ein Kolümnchen über ein Thema, das viele bewegt. Mit der Themenwahl lag sie richtig, mit dem Rest leider schwer daneben.

Natürlich ist es schrecklich, wenn Hunde auf Menschen losgehen. Umso schrecklicher ist es, wenn es sich um große Hunde und kleine Menschen (Kinder) handelt.

Die für viele naheliegende Reaktion – Killerhunde! Einschläfern! – ist aber leider ein rechter Topfen.

Wie wäre es mit einer Forderung, dass alle Autos über, sagen wir, 100 PS verboten werden? Schnelle Autos können nämlich einen größeren Schaden als langsame anrichten. Wie? – Es geht doch nur um den Lenker? Und wie ist es bei Hunden? Hundehalter, die aus einem dürftig ausgeprägten Selbstwertgefühl die Begleitung eines besonders "starken" Hundes wünschen, sind wenig an der richtigen Erziehung des Hundes interessiert. Komplexler fühlen sich mit scharfen Hunden mächtig. Es gibt aber auch Komplexler, die scharfe Autos gegen ihre Unsicherheit brauchen. Size does matter.

Umgekehrt formuliert: Jemand, der versteht, was ein Hund ist, wird nie plötzlich ein bissiges Biest zu Hause haben. Und jemand, der Autos versteht, wird auch mit 400 PS nicht zum Killer.

Der Vergleich hinkt immer noch? Weil Autos keine Lebewesen und daher keine Grundinstinkte sowie kein Wesen haben? Nun, jeder Autoverkäufer wird sich empören, wenn man einem rassigen Sportwagen seinen lebhaften Grundcharakter in Abrede stellt. Aber abgesehen davon: Menschen zu attackieren ist in keinem Hunde-Grundinstinkt vorhanden.

Viele Hundewelpen werden in Ställen "gezüchtet", viel zu früh von ihrer Mutter getrennt, unter verheerenden Umständen illegal irgendwohin gekarrt, um dann billig verhökert zu werden. Die Klientel für solche traumatisierte und verwahrloste Importware ist naturgemäß wenig am Lebewesen interessiert.

Also: Nehmen wir ein zusammengepfuschtes Auto, verkaufen es jemandem, der nur PS will sowie sich nicht um Instandhaltung schert, und schauen dann, wie lange er unfallfrei bleibt.

Vermeintliche Hundeexperten bezeichnen übrigens mit verlässlicher Regelmäßigkeit Hunderassen als gefährlich, die einfach nur in der Statur imposant sind. À la: Der LKW ist kräftig und muss daher besonders heftig von der Ampel wegbeißen... Ja. Eh.

In Hamburg wurden übrigens bestimmte Hunderassen vor einiger Zeit verboten. Was zur Folge hatte, dass diejenigen mit einem Bedürfnis nach einer Penisverlängerung an der Leine auf andere Rassen umgesattelt sind. Mit dem wenig überraschenden Ergebnis, dass diese Tiere genauso gefährlich sind.

Hunde können und müssen erzogen werden. Man kann aus Pudeln hysterische Beißer machen und Rottweiler zu lammfrommen Kinderglucken. Aber dazu muss man sich mit dem Lebewesen beschäftigen. Mehr als mit einem Auto. Diese Verantwortung kann der Mensch nicht abwälzen.

Der Killer steht immer am anderen Ende der Leine.


Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

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