Quelle: ZAMG

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FrechDAX - die Wirtschaftskolumne

Der FrechDAX

Die Mär von der Kaufkraftstärkung

01.06.2011
Haben Gewerkschafter und Sozialisten das perpetuum mobile gefunden?

John Maynard Keynes ist bei vielen Politikern sehr beliebt. Bei ökonomisch gebildeten oder zumindest interessierten Menschen müssen seine wirren und teils widersprüchlichen Bücher zwangsläufig einen komplett konträren Eindruck hinterlassen. Zumindest bei jenen - vermutlich nur wenigen - Menschen, die seine Bücher tatsächlich gelesen haben.

Warum speziell linke Politiker große Fans von Keynes sind, ist leicht erklärt: Verkürzt zusammengefasst, hat Keynes Politikern die wirtschaftswissenschaftliche Absolution erteilt, dass Schuldenpolitik für Staaten total OK ist, da für sie angeblich andere Gesetze als für Private gelten würden. Keynes unterstrich seine offenkundige Ignoranz der Realität gerne auch noch mit folgendem Beispiel: Für Staaten ist es vorteilhaft Schulden zu machen. Sogar, wenn damit Arbeitslose für das Ausheben von Erdlöchern bezahlen werden, wobei der Staat diese am besten auch gleich wieder für das anschließende Zuschütten nochmals bezahlen sollte. Laut Kenyes müsse es Aufgabe des Staates sein, die private Nachfrage "auszugleichen" und permanent durch Interventionen in die Märkte einzugreifen, da diese sonst, ohne weißen Führer, ins Chaos stürzen würden.

Vermutlich war Adolf Hitler genau deshalb einer der größten Fans von Keynes. Und seine Partei gab sich auch nicht zufällig den Namen "nationalsozialistisch". Die Voodoo-Priester des Sozialismus behaupten deshalb gerne, dass jeder vom Staat ausgegebene Euro über einen wundersamen und nicht näher erklärten oder gar bewiesenen "Multiplikator", wieder ein Mehrfaches an Steuereinnahmen hereinspielt.


Verprasse in der Zeit, dann verprasse in der Not

"Deficit Spendings" verwenden sie dazu gerne als pseudoökonomischen Begriff, da Schuldenwahnsinn nicht wirklich cool klingt. Wobei: Grundsätzlich spricht gegen langfristige Investitionen und auch ein temporäres Budgetdefizit des Staates in Zyklen schwacher Konjunktur nichts, wenn dafür in Zeiten guter Konjunktur ein entsprechend gleich hoher Überschuss erzielt wird. In der Praxis wurde aber von feigen Politikern auf Kosten der nächsten Generationen auch in Jahren guter Konjunktur eine Neuverschuldung zugelassen und somit konstant über Jahrzehnte mehr Geld ausgegeben, als eingenommen. Mit immer neuen populistischen Lügenphrasen, wie beispielsweise "Konjunkturprogramm", "Ankurbelung der Binnennachfrage", "Kaufkraftstärkung", "Konsumförderung" oder "Nachfragestärkung" wurden die Bürger und Wähler getäuscht sowie die Schuldenberge kontinuierlich immer höher.

Neben der Produktion von ausgleichenden Überschüssen in guten Zeiten hat die Politik auch den wesentlichen Unterschied zwischen Investitionen und Konsum komplett ignoriert. Kredite für Investitionen sind grundsätzlich nichts Verwerfliches. Auch Unternehmen finanzieren Investitionen via Kredit und tilgen diese verteilt auf die Nutzungsdauer. Politiker denken aber gar nicht ans Tilgen sondern nehmen immer nur neue Kredite auf. Nach vielen Jahrzehnten dieser Politik ist die Zinslast der Staatsschulden mittlerweile in den meisten westlichen Ländern einer der größte Budgetposten. Nicht nur auf die Rückzahlung der Kredite wurde aber konsequent "vergessen".


Wählerzuckerl zulasten der kommenden Generationen

In der Realität wurden viele dieser Kredite auch nur in einem geringen Ausmaß tatsächlich für Investitionen verwendet. Meist wurde damit einfach Geld an die Wähler verteilt (Sozialleistungen, Familiengeld, Wohnbauförderungen, Pendlerpauschalen, Heizkostenzuschüsse, kostenloses Studieren, Pflegeunterstützung, etc.), die von diesen verprasst wurden und damit weg sind, während die Schulden geblieben sind. Eine einmal verspeiste Pizza ist im Unterschied zu in Zukunft Rendite abwerfenden Investitionen aber schlicht und einfach weg.

Sollten Sie, liebe Leserin und lieber Leser dieser Wirtschaftskolumne, mal wieder einen Politiker oder Gewerkschafter faseln hören, der Staat solle doch die Kaufkraft stärken oder Konsumanreize setzen, anstatt sich "kaputt zu sparen", dann sollten bei Ihnen die Alarmglocken läuten. Zumindest dann, wenn Sie selbst Kinder haben oder Ihnen die nächsten Generationen nicht vollkommen egal sind.


Der Autor: Werner Becher ist erfolgreicher Unternehmer und Manager, hat als Ex-Bundesparteivorsitzender des Liberalen Forum (LIF) Einblick in die politischen Zusammenhänge. Als bekennender Neoliberaler wirft er in seinem Buch "Weicheier machen nicht satt – Eine Abrechnung mit Feiglingen, Mitläufern und Ja-Sagern" (Goldegg) einen kritischen Blick auf die Zustände in der Welt und zeigt offen sowie schonungslos auf, welche wirtschaftlichen Abgründe uns dadurch erwarten.

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