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Straches Stimmenthaltung

27.05.2011
Hitler-Debatten sind leider immer noch Lurch-Garant.

Vielleicht war es des jungen grünen Gemeinderats Raphael Lueger Begehr, sich ein wenig Rampenlicht zu gönnen, als er die Hitler-Ehrenbürger-Debatte aufs Amstettner Tapet brachte. Vielleicht war es wenig hinterfragt, ob eine Aberkennung aus juristischer Sicht notwendig beziehungsweise nicht ohnedies völlig unsinnig ist. Anlass hin oder her, diese Thematik hat, wie schon so oft in diesem Land, auch diesmal wieder dunkelsten Lurch ans Tageslicht gebracht.

Sich grässlich windende FPÖ-Politiker, die, sonst nicht gerade im subtilen Argumentieren zu Hause, plötzlich zu Schwindel erregenden Begründungen greifen. Besonders verrenken musste sich Amstettner FPÖ-Stadträtin Brigitte Kashofer (gegenüber dem Standard): "Wenn ich was widerrufe was nicht existiert, ist es ein Eingeständnis, dass es existiert, das war aber nicht so."

Stimmt. Hätte die FPÖ der Aberkennung von Hitlers Ehrenbürgerschaft zugestimmt – das hätte weißgott Wellen geschlagen und der ganzen Stadt Negativschlagzeilen gebracht. Frage nicht!

Jetzt hatte Kashofer das Pech, dass durch ihr wirklich gut gemeintes Kalmieren auf einmal Amstetten schlecht dasteht. Und überhaupt: Das Motto ihrer Homepage "auf dem rechten Weg" gibt an, wonach sie strebt. Aber irgendwie läuft’s bei ihr nie so richtig rund.

Aussagen wie...

"Sicherheitshalber wurde das Verbotsgesetz erlassen, um die Gebildeten unter den Kritikern mundtot zu machen. (...) Noch heute werden die Kriegsverlierer pausenlos zu einseitigem Schuldbekenntnis aufgefordert, während in Vergessenheit gerät, dass England den Krieg begonnen hat."
(Brigitte Kashofer auf einem Flugblatt der "Aktionsgemeinschaft Unabhängiger und Freiheitlicher"/AUF 1995)

oder

"Und die Juden kümmern sich nicht einmal um die Gräber ihrer eigenen Ahnen? Keine Pietät - nur Gier!"
(Brigitte Kashofer auf unzensuriert.at)

oder

"Gender-Mainstreaming verfolgt die Absicht, die Geburtenrate (...) der deutschen Bevölkerung zu senken. Durch Zerstörung der gesunden Familien und Förderung von Homosexualität will man dieses Ziel erreichen. Es ist also nichts anderes als die Fortsetzung des Zweiten Weltkriegs mit effektiveren Waffen."
(Brigitte Kashofer auf unzensuriert.at)

oder

"Dass viele Österreicher glauben, keine Deutschen zu sein, ist ein gewisser Erfolg der Umerziehung. (...) Seit dem Zweiten Weltkrieg ist es politisch opportun, von einer österreichischen Nation zu sprechen, obwohl eigentlich niemand so recht weiß, was das sein soll."
(Brigitte Kashofer im Forum der "Presse")

... werden ihr zugerechnet. Dabei muss es sich doch um eine zufällige Namensgleichheit handeln. Denn solche kruden Verirrungen kann doch keine Partei aus ihren Reihen dulden. Nicht einmal die FPÖ.

Brigitte Kashofer ist im Amt. HC Strache schweigt. Ausnahmsweise und ausgerechnet jetzt. Schämt er sich? Oder freut er sich im stillen Kämmerchen, eine neue Präsidentschaftskandidatin entdeckt zu haben?


Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

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