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Griechen räumen Bankkonten leer

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relevant Redaktion

Griechen räumen Bankkonten leer

16.05.2012
Mit den Geldreserven schwindet auch das Vertrauen der SparerInnen in Griechenland.

An einem einzigen Tag in dieser Woche zogen griechische SparerInnen 800 Millionen Euro von den Banken ab. Einerseits, um damit laufende Rechnungen und Steuern zu begleichen, andererseits, weil sie ihr Geld lieber im Sparstrumpf horten oder ins Ausland transferieren als dieses noch länger den eigenen Banken anzuvertrauen. Vor dem Hintergrund des drohenden Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone hat sich diese Entwicklung drastisch verschärft.

Dass diese absehbar war, belegen jene Zahlen, die Ulrich Pick von der ARD Tagesschau bereits im Frühjahr 2011 zur Hand hatte: "Nach Angaben der Bank von Griechenland sanken die Geldeinlagen von Privatpersonen zwischen Januar 2010 und April 2011 um mehr als 30 Milliarden Euro. Auch Unternehmen, so heißt es, zögen ihr Geld zurück."

Den Banken fallen dabei zusätzlich die zahlreichen offenen Kredite auf den Kopf, die sie in guten Jahren auch jenen Kunden aufdrängten, die keine Sicherheiten vorzuweisen hatten.

Mit dramatischen Auswirkungen, die Florian Hassel von Die Welt vor einigen Monaten wie folgt umriss: "Der EU-Kommission zufolge lag der Anteil fauler - also mit Verzügen von mindestens 90 Tagen behafteter - Kredite am Gesamtportfolio griechischer Banken schon Ende September 2010 bei zehn Prozent, bei steigender Tendenz."


Neue Währung, alte Probleme

Sollte es unter dem zunehmenden internationalen Druck tatsächlich zu einer Währungsumstellung auf die Drachme kommen, müsse diese daher behutsam und hinter verschlossenen Türen vorbereitet werden, ist Martin Lanz von der Neuen Zürcher Zeitung überzeugt, um einen engültigen Zusammenbruch der griechischen Banken zu verhindern.

Doch auch ohne dieses Schreckensszenario ist die Lage bereits verfahren genug. Griechenland hat nach einer Rückkehr zur Drachme zwar die Möglichkeit, seine Währung nach eigenem Gutdünken abzuwerten, alle laufenden Kredite müssen jedoch auch weiterhin in Euro beglichen werden und werden dadurch wesentlich teurer.

Ein schier unmögliches Unterfangen, die Zahlungen zu leisten, berücksichtigt man den Hinweis von Catherine Hoffmann (Süddeutsche Zeitung): "Ökonomen schätzen, dass das Land um 30 bis 50 Prozent abwerten müsste, um wieder wettbewerbsfähig zu werden."

Die Folgen bekämen alle zu spüren, betont der bereits zitierte Martin Lanz (Neuen Zürcher Zeitung): "Aufgrund der erwarteten Abwertung droht vielen griechischen Schuldnern – sei es der Staat, seien es Banken, Unternehmen oder Private – die Zahlungsunfähigkeit."


Falsche Hoffnungen

Von offizieller Seite will in Griechenland niemand von Panik sprechen. Lieber von einer "Angst, die sich zu einer Panik entwickeln könnte". Als Indiz werten die politisch Verantwortlichen, dass sich vor den Banken bislang keine Warteschlangen gebildet hätten.

Ein trügerisches Bild. Und nicht das einzige, wie Economist-Kolumnist Charlemagne resümiert: "Die griechischen Politiker scheinen davon überzeugt zu sein, dass die Eurozone bezüglich ihres Rauswurfs nur bluffe. Aber Deutschland und alle anderen sind fest entschlossen, das Land eines Besseren zu belehren."

Die Bevölkerung hat das offenbar erkannt.

Ute Rossbacher

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