Bob Dylan wird 70. Wie ehrt man hierzulande einen wie ihn? Einen, der für eine Generation steht, die spürte, "wie ein Zeitalter verging und ein neues aufbrach" – Jahre, die er in seiner Autobiografie "Chronicles" eindrucksvoll beschreibt.
Eine Zeit, in der Männer wie Hitler, Churchill, Mussolini, Stalin und Roosevelt "über das Schicksal der Menschheit entschieden", die Welt "in Stücke schlugen" - und unter sich aufteilten "wie einen Festtagsbraten". Dylan bezeichnet sie offen als "Barbaren, die den Erdball überrannten und ihm ihre eigene Vorstellung von Geographie aufzwangen"; und erinnert sich daran, als Zehnjähriger im Schulunterricht gelernt zu haben, wie man "unter dem Schultisch in Deckung ging", um sich vor möglichen Bombenangriffen seitens der Russen zu schützen. Kaum zehn Jahre später war Bob Dylan, dem es nach eigenen Worten nie besondere Freude bereitete, nur für sich allein in seinem Zimmer zu spielen, mit seinen Songs und seiner Gitarre längst "unterwegs zu den Sternen".
Einladung zum Dylan–Talk in Wien
"The Man In Me: 70 Jahre Bob Dylan" nennt sich eine - für 29. Mai 2011 angekündigte - sechsstündige Veranstaltung in der Arena Bar Wien, bei der sich Kulturschaffende aus Musik, Literatur, Bildender Kunst, Architektur und Film zu einem "energiereichen Gesprächsabend" treffen, zu dem nicht nur langjährige Dylan-Fans, sondern auch all jene eingeladen sind, die mehr über sein Werk und seine Bedeutung erfahren möchten. Der Eintritt ist frei, freiwillige Spenden sind jedoch willkommen.
"Die Bedeutung der Wörter liegt allein in ihrem Klang"
Eine weitere Möglichkeit, Dylans Botschaften besser verstehen zu lernen, bietet das Buch "Bob Dylan: Lyrics 1962 – 2001", das alle Liedertexte des großen Song-Poeten in Originalsprache bzw. übersetzt zum Inhalt hat.
Der sich seit 1981 ständig auf Tour befindende Musiker mit Dichterstatus, der mittlerweile auch als Maler Erfolge feiert, und dessen alte Platten – wie Marianne Faithfull in ihren Memoiren treffend feststellt – auf die eine oder andere Art "in unserem Leben verwurzelt" sind, begreift ihrer Meinung nach die Dinge "in einem mythischen Kontext", in der "die Welt der Gegenwart ein verworfenes Modell ist".
Die Sängerin, die im Dezember dieses Jahres ihren 65. Geburtstag feiert, wird am 15. Juni auf der Eröffnungsgala beim "Charity Gala Concert for the United Nations Women's Guild as the Opening for the Jazz Fest Wien" im Austria Center Vienna zu sehen und zu hören sein.
Ein Jubiläum wirft seine Schatten voraus
Ein weiteres Ereignis, das sich bislang vor allem auf dem Büchermarkt ankündigt, ist das bevorstehende 50-jährige Bühnenjubiläum der Rolling Stones im Jahr 2012. Bereits Anfang März hat der US-Musikjournalist Steve Appleford, dessen Kritiken regelmäßig in allen angesagten amerikanischen Magazinen und Zeitungen erscheinen, ein Buch mit dem Titel "The Rolling Stones: Die Storys zu allen Songs" der legendären Rockgruppe herausgebracht.
Von Jim DeRogatis, einem weiteren US-Musikjournalisten, erscheint am 13. Juni 2011 ein Buch mit dem Titel "Beatles gegen Rolling Stones: Die großen Rock'n Roll Rivalen", in dem er in Zusammenarbeit mit Co-Autor Greg Kot unterhaltsame Begleitgeschichten zu den 60er-Jahren, den Fans und den Karrieren der beiden größten und erfolgreichsten Rock'n Roll-Bands der Musikgeschichte liefert.
Marianne Faithfull äußert sich in ihren Memoiren eher amüsiert über den angeblichen Konkurrenzkampf zwischen den beiden Bands, den sie rückblickend vor allem als "natürlichen Wettstreit" betrachtet. Sie weiß, dass Mick Jagger die Musik der Beatles nie "abgewertet" hat und bezeichnet gelegentliche Spötteleien seinerseits über deren "Provinzialität" als ganz "natürliche Reaktion, wie sie einfach üblich war, wenn man wie er aus London und wie die Beatles aus Liverpool kam". Beatles oder Rolling Stones - das war vor allem für die Fans der jeweiligen Band eine Art Glaubensfrage.
Wie aus 3sat-Dokumentationen über die Beatles aus Anlass des 30. Todestages von John Lennon zu erfahren war, gelten er und Paul McCartney nach wie vor als das erfolgreichste Komponisten-Duo aller Zeiten. Mit ihren Nummer-1-Hits standen die Beatles auch weltweit am längsten an der Spitze der Charts. Immer noch gilt "Yesterday" als der meistgespielte Song der Welt, der an die 3000-mal von anderen Bands gecovert wurde.
Frag' nach bei Springsteen
Einer, der es ebenfalls geschafft hat, über Jahrzehnte sein Publikum zu begeistern, ist Bruce Springsteen. Ihm hat nun ein leidenschaftlicher Fan auch literarisch ein Denkmal gesetzt.
"Was würde der Boss tun?" lautet die Frage, die der deutsche Autor Dominik Schütte (Jahrgang 1976) seinen Protagonisten Tom in seinem gleichnamigen - im Februar dieses Jahres erschienenen Debüt-Roman - stellen lässt; Tom sucht die Antworten auf alle Fragen des Lebens in den Songtexten der ebenfalls bereits in die Jahre gekommenen Rock-Legende Bruce Springsteen.
Es geht in dieser Geschichte um einen jungen T-Shirt-Designer Anfang 30, der davor steht, seinen jung verstorbenen Vater wenige Tage später altersmäßig überlebt zu haben, was eine Art Sinnkrise in ihm auslöst. Über Jahre hat sich der Vaterlose in Lebensfragen ersatzweise Rat bei seinem Idol Bruce Springsteen geholt, auch weil es – so der junge Autor in einem Interview mit dem Bayrischen Rundfunk – "relativ schwierig" war, "gute Ratschläge bei Mick Jagger zu finden". Die "Versprechen und Botschaften" in Springsteen-Songs habe er hingegen immer "toll gefunden".
Im Roman sammelt Tom, der auch in Liebesdingen vor weitreichenden Entscheidungen steht, die klugen Ratgeber des Rockmusikers in Karteikästen, um sie ja immer griffbereit zu haben; aber irgendwann zeigt sich doch, dass diese allein nicht mehr ausreichen. Er beschließt, gemeinsam mit seinem besten Freund nach New Jersey zu fliegen, um sich beim Boss persönlich Rat zu holen.
Rock-Prophet Bruce Springsteen, der in einem MDR-Interview einmal sagte, dass man "als Musiker und Songwriter letztendlich immer über sich selbst schreibt", sieht sich diesbezüglich ohnehin mit seinen Fans in einem Boot und scheint davon überzeugt zu sein, dass Leute nur einer Art Kollektiv-Erfahrung wegen überhaupt in Filme und Konzerte gehen.
Lesetipps
Bob Dylan Chronicles - erschienen im Hoffmann & Campe Verlag
Bob Dylan Lyrics 1962 – 2001 - erschienen im Hoffmann & Campe Verlag
Knut Wenzel HoboPilgrim: Bob Dylans Reise durch die Nacht - erschienen im Matthias Grünwald Verlag
Dominik Schütte Was würde der Boss tun? - erschienen im Piper Verlag
Steve Appleford The Rolling Stones: Die Storys zu allen Songs - erschienen im Verlag Edel Germany
Jim DeRogatis und Greg Kot Beatles gegen Rolling Stones: Die großen Rock'n Roll Rivalen - erscheint am 13. Juni 2011 im Hannibal Verlag
David Dalton Marianne Faithfull. Memoiren - erschienen bei blanvalet
Renate Rossbacher ist freie Autorin. 1998 hat sie ihren Lyrik-Band "Man wird nicht reif, man wird nur müde" im Karin Fischer Verlag veröffentlicht; seitdem weitere Gedichte und Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und Anthologien.

17.1°C
13.1°C
19.7°C
12.6°C
16.1°C









