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Tod und Ziele für das Volk

06.05.2011
Aus "Yes, we can" wurde "Yes, I have to".

Ein Outing: Ich bin Fan von Barack Obama. Zum großen Teil, weil er sich immer wohltuend von prototypischen Politikern unterschieden hat:

Er war vor der Politik bereits im "echten Leben" erfolgreich und gefragt als Wirtschaftsberater sowie Jurist, zudem mit großem sozialen Engagement. Während es seinen Amtsvorgänger beim Lesen schleuderte, schrieb Obama Bücher. Noch dazu wirklich gute! Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten, stammt er nicht aus bestens vernetztem Establishment. Migrationshintergrund sowie seine Hautfarbe lassen ihn das Außenseitertum kennen und sind zudem als Ausstattung eines Präsidenten großartige Signale. Auch auf der politischen Bühne blieb er zunächst unangepasst. Im auffälligen Kontrast zu der üblichen Lawiererei lehnte sich Mister "Yes, we can" mit Versprechungen dezidiert 'raus, als kenne er kein Archiv.

Die politische Realität samt Trotzhaltung der Republikaner verhinderte natürlich, dass Obama die Weltretter-Erwartungen erfüllen konnte. Er scheiterte bei Guantanamo, beim Klimaschutz, bei den Kongresswahlen 2010.

Jetzt gibt es endlich einen großen Sieg zu feiern.

Zu feiern?

Achill schleift als Machtdemonstration den toten Hektor um die Stadt Troja. (Für Kinofans: Genau, Achill sieht aus wie Brad Pitt.) Das ist erstens Mythologie, zweitens sollten zivilisatorische Fortschritte zwischen Schwert plus Streitwagen und den Navy Seals liegen.

Dass 9/11 ein entsetzliches Verbrechen war, steht außer Debatte. Dass kein zivilisierter Mensch auf Seiten der Attentäter sein kann, ebenfalls. (Degoutant die immer wieder auftauchenden pseudointellektuellen Abschwächungen in Richtung: Mit der Außenpolitik waren die Amis selber schuld. – Die 3000 Toten waren weder verantwortlich, noch ein Heer.)

Mit Bin Ladens Hinrichtung riskierte Obama also nicht sonderlich viel Gegenwind. Schon gar nicht vom amerikanischen Volk. Aufgeheizt von der kriegslustigen Administration Bush und tief im Supermachtstolz gekränkt, wollte man den Al-Kaida-Chef bluten sehen.

Hätte Obama es irgendwie schaffen können, Osama Bin Laden festzunehmen, ihm einen Prozess zu machen, ihn einem regulären juristischen Prozedere zuzuführen, den öffentlichen Ruf nach Rache nicht als Schießbefehl zu interpretieren? Hätte er die Spirale der Gewalt unterbrechen können? Hätte er - wie kein Politiker handeln können?

Vielleicht ein naiver Gedanke. Aber genauso war es, von einem schwarzen US-Präsidenten zu träumen.

Obama gab seinen Wählern Tod und Ziele – inklusive nah' am Gemälde inszenierte Fotos aus dem Situation Room. Er bedient die Volksseele, nicht nur in den USA. Jetzt ist Obama endgültig in der Politik angekommen und einer weiteren Amtszeit sehr nah'.

Ein großer Sieg für den Präsidenten, eine Niederlage für die Ausnahmeerscheinung Barack Obama.


Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

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