"Die schöne Welt, die durch Nichtstun entsteht, haben wir noch nicht. Jede Welt, die wir bis jetzt kannten, war eine Arbeitswelt." Zu dieser Erkenntnis kommt der fiktive "Wanderprediger" Anatol Schivkov in dem "moralischen Lehrstück" (Klappentext) "Nie wieder Arbeit. Schivkovs Botschaften vom anderen Leben" des steirischen Dichters Reinhard P.Gruber.
Zuviel von allem
Noch 20 Jahre nach Erscheinen dieses Buches sorgen Textauszüge aus Schivkovs Reden - gehalten an verschiedenen Orten an ein bislang nicht bekanntes Publikum - bei Lesungen des Autors unter den Zuhörern für große Erheiterung. Schivkov, der weder einer politischen noch religiösen Ideologie folgt, sagt was er denkt; konfrontiert diejenigen, die seinen Reden lauschen, mit ihrer fehlgeleiteten Lebensart und bezieht Stellung zu den dadurch verursachten gegenwärtigen Problemen, die uns alle betreffen und am Ende aus seiner Sicht nur eine einzige Schlussfolgerung zulassen: dass es wohl im Sinne der Schadensbegrenzung am besten wäre, gar nicht mehr zu arbeiten; denn das würde – seiner Logik nach – alle unsere Probleme auf einen Schlag lösen.
Der Dichter legt Schivkov die Worte zwar in den Mund, nimmt sie aber nicht unwidersprochen hin, wie an den zahlreichen - mit Kommentaren und zweifelnden Fragen versehenen - Fußnoten ersichtlich wird.
Sich frei machen
"Ihr kriegt nur behandelte Ware", ruft der selbsternannte Problemlöser in einer seiner Reden den Konsumierenden zu: "Die Hand der Industrie fährt euch mit jedem Bissen, mit jedem Schluck in den Mund." Dabei veranschaulicht er seine Vorstellung von Freiheit an ganz banalen Dingen: "Frei" ist seiner Ansicht nach nämlich auch, "wer sich sein Wiener Schnitzel selber machen kann".
Lebens-Müll
Dem seiner Meinung nach problematischen Konsumverhalten der Menschen stellt er eine übersteigerte Produktionstätigkeit der Industrie gegenüber, die ein immenses Müllproblem zur Folge hat. Nach Schivkovs Ansicht sind wir alle miteinander längst zu "Müllmenschen" geworden, die einfach zu sehr der Verpackung vertrauen. All das macht aber auch immer mehr Maschinen erforderlich, die den Menschen wiederum überflüssig und somit arbeitslos - aber eben nicht arbeitsfrei - machen. Arbeitsfrei, ein Zustand für den die deutsche Sprache gar kein Wort kennt, wird zum erstrebenswerten Ziel erklärt, das uns den wesentlichen Dingen wieder näher bringen könnte.
Es geht auch anders
"Wir nennen es Arbeit: Die digitale Boheme oder: Intelligenter Leben jenseits der Festanstellung" ist ein Buch, das der deutsche Journalist und Autor Holm Friebe und der Werbetexter Sascha Lobo als Ratgeber und Mutmacher für all jene geschrieben haben, die sich abseits von Festanstellung und Acht-Stunden-Büroalltag zutrauen, ihre Ideen zum Geschäftsmodell im Internet zu machen und sich ihre eigene alternative Arbeitswelt zu schaffen.
Von den durchaus interessanten Informationen und Anregungen zum Selbstmarketing sollte man sich nicht unbedingt Tipps und konkrete Hilfen zur praktischen Umsetzung erwarten; sie sind wohl eher dazu gedacht, kreative Menschen zu inspirieren und zu ermutigen, sich auf einem – aus Sicht der Autoren – zukunftsorientiertem Markt seine Nischen zu finden und seine Dienste anzubieten. Zur "digitalen Bohéme" zählen die Autoren im übrigen all jene "Menschen, die mit Hilfe des Internets vor allem so leben und so arbeiten, wie sie Lust haben".
Lesetipps
Reinhard P. Gruber Nie wieder Arbeit - erschienen im Droschl Verlag
Reinhard P.Gruber Einfach essen: Kochbuch für harte Zeiten - erschienen im Droschl Verlag
Holm Friebe und Sascha Lobo Wir nennen es Arbeit: Die digitale Bohéme - erschienen im Heyne Verlag
Renate Rossbacher ist freie Autorin. 1998 hat sie ihren Lyrik-Band "Man wird nicht reif, man wird nur müde" im Karin Fischer Verlag veröffentlicht; seitdem weitere Gedichte und Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und Anthologien.

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