Wenn sich Firmen mit ihrer Werbung an Jugendliche anbiedern, wird’s meistens peinlich. Breakdance vorm weißen Kombi. Coole Preise winken beim heißen Game. Schnapp dir dein Gratis-Handy. Daumen hoch zur fetten MyLifeCard ;-) ...
Das kann passieren, wenn sich Erwachsene in die Jugend hineindenken: Die Verwechslung von jung mit einfältig. Was mit dieser unsäglichen Schubladisierung bei der Jugend ausgelöst wird: Befremden im harmlosen, Fremdschämen im Normalfall.
Womit wir bei der ÖVP sind. Sie holt einen Partei-Veteranen im Körper eines 24-Jährigen aus einem Funktionärswinkel und stellt ihn ins Rampenlicht. Und: fertig ist das Bedienen der Jungen!
Jemand, der sich mit der Testosteron-Gewalt eines Oberlippenflaums in Machopose, umgeben von lasziv dreinschauenden Mädels (oder was sie dafür halten) fotografieren lässt, ist – nein, nicht jung. Sondern einfach nur blamabel. Dass er sich dabei als Schlüsselwort für seinen politisch motivierten Aktionismus "geil" aus einem Katalog gestibitzt hat, überrascht nicht.
Ein weiteres Merkmal seines jugendlichen Esprits ist das prickelnde Wortspiel auf seiner Webseite: "Sebastian Kurz. Und gut!" Bruhaha. Da klopfen sich die Kids in den Streets auf ihre Baggy Pants!
Nun kann ja der arme gute Kurz wohl wenig dafür, dass er offenbar besser mit dem Pröll Peppi kann (siehe Link unten – ein "kritisches Interview" in der, nona, Disco) als mit Gleichaltrigen. Auch kann er nichts dafür, dass seine Partei die Notwendigkeit eines Pendants zu Rudas im Wunderland und Strache im Discofieber ortet.
Was wirklich verheerend ist: dass die ÖVP ihm die Integrationsagenden überträgt. Die Partei will sich ganz offensichtlich nach außen entstauben, nimmt "einen Jungen" (Qualifikation Ende), und der kriegt dann irgendwas. Am besten etwas, was nicht ganz so wichtig ist.
Der Schachzug, Sebastian Kurz von der Hummer-Motorhaube weg zum Integrationsstaatssekretär zu engagieren, demaskiert: Die ÖVP hält die Jugend für wenig reflektiert und das Integrationsthema für unbedeutend genug, um es einem Publicity-Stunt zu opfern.
Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at
sascha.bem[at]relevant.at

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