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Eigenpromotion: Der ORF übertreibt's

12.09.2013
Die Sendungen, nicht die Inhalte, werden als News verkauft.

Ja, eh. Wir wissen, dass gerade im Fernsehen "Cross-Promotion" notwendig und üblich ist. Jeder TV-Sender bewirbt formatübergreifend seine Programme. Ob Moderatoren anderer Shows plötzlich als Experten in Talk-Runden auftauchen, ob ein Society-Format top-exklusiv backstage von einer sendereigenen Tanzshow berichtet oder Zuseher ausnahmsweise bei den Dreharbeiten einer Serie dabei sein dürfen, die ihnen in Kürze vorgesetzt wird – das Prinzip ist einfach und legitim: Den geneigten TV-Konsumenten mit Protagonisten und Formaten des Senders anzufixen. Möge er dran bleiben.

Oft werden dabei naturgemäß extrem dünne Suppen serviert. Backstage bei "Dancing Stars" ist nicht gerade bei den Oscars.

Was der ORF allerdings derzeit mit seinen Programmen zur Nationalratswahl aufführt, ist definitiv übertrieben. Über alle Nachrichtenformate wurde offenbar die Direktive gestülpt, die nächste Sendung zur Wahl als Breaking News zu verkaufen.

Als größte Sensation wurde "Wahlfahrt" beworben. Eh ein schönes, kluges, recht unterhaltsames Format. Aber zuerst wurde der Countdown zur ersten Folge ermüdend zelebriert; und kaum war das Ding ausgestrahlt, wurde analysiert.

Da hatten natürlich unter anderem Syrien, eine Zölibat-Diskussion im Vatikan (kommt ja wirklich inflationär alle paar Hundert Jahre vor), ein ahnungsloser Westenthaler im Telekom-Prozess oder Apples iPhone-Launch und Börsen-Hoppala des Tages das Nachsehen.

In der ZiB24 war allererstes Thema die Nachbesprechung der ersten "Wahlfahrt". Um es journalistisch noch halbwegs sauber zu machen, waren wenigstens nicht Hanno Settele und Armin Wolf eingeladen, sondern zwei "Externe". Dann wurden allerdings die (guten!) Studiogäste, Profil-Journalistin Ulla Kramar-Schmid und Kommunikationswissenschaftlerin Tatjana Lackner, vorab mit folgender Frage konfrontiert: "Wie hat ihnen die Wahlfahrt gefallen?"

Der ORF sollte es besser wissen und besser können. ORF-Nachrichten dürfen nicht eine andere ORF-Sendung als erstes Thema haben – schon gar nicht, ob sie gefällt! Politischer Newswert der folgenden 9 Minuten exakt null. Ergo: Glatte Themenverfehlung für eine ZiB.

Man kann auch zu plump promoten. Und dann geht gerne der Schuss nach hinten los. Die Fernbedienung ist der Freund des genervten Zusehers und der Feind des sich selbst bewerbenden Senders.

Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

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