Quelle: ZAMG

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Dr. Erdal Cetin

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Kinder werden immer dicker - Werbeverbot für Junkfood?

28.04.2015 - 14:31
Unsere Kinder werden seit 30 Jahren immer dicker. Nicht nur mangelnde Bewegung sondern auch die Vermarktungsstrategien der Lebensmittelindustrie sind verantwortlich.
Übergewichtige Kinder© Übergewichtige Kinder

Die Zahl der übergewichtigen Kinder ist in den vergangenen 30 Jahren weltweit dramatisch angestiegen, auch die Kinder in Österreich werden immer dicker. Neben mangelnder Bewegung ist vor allem auch die Lebensmittelindustrie zur Verantwortung zu ziehen, denn die gezielten Vermarktungsstrategien welche gesunde Kinderkost suggerieren sollen, tragen maßgeblich zu einem ungesunden Übergewicht des Kindes bei. Daher stellt sich auch die Frage nach Veränderung, ist beispielsweise ein Werbeverbot für Junkfood wirklich sinnvoll?

Die Werbung macht es möglich!
Mittlerweile hat die Werbung einen großen Einfluss auf die Menschheit gewonnen und vor allem Kinder werden schnell von dieser angesprochen. 60 % der gezeigten TV-Spots zeigen ungesunde Lebensmittel. Morgens eine Schüssel Cornflakes oder ein Brot mit Schokoaufstrich, zwischendurch Eistee, Fruchtsäfte und süße Snacks, abends Pizza oder Pasta - so sieht bei vielen Kindern in Deutschland die Ernährung aus. Dafür legt sich die Werbeindustrie auch mächtig ins Zeug, während die Lebensmittelindustrie im Jahre 2011 ein Werbebudget für Obst und Gemüse in Höhe 7,3 Millionen Euro einplante, hat sie für Eiscreme und Süßwaren sage und schreibe 722,8 Millionen Euro ausgegeben. Somit zeigt sich, dass die Industrie gerade Kinder, die eben leichter zu beeinflussen sind als Erwachsene, frühestmöglich auf ungesundes Junkfood trimmen will. So wirbt sie gezielt mit vermeintlich gesunden Kinderprodukten, die den Kids zeigen soll: "Dieses Produkt ist gut für dich". Besonders hinterhältig sind dabei die gezielten Marketingstrategien, mit der bereits Kleinkinder angelockt werden sollen, Beispiele hierfür sind unter anderem:

- Der gern genutzte Werbebegriff "Zwischenmahlzeit" täuscht Eltern und
  Kindern vor, man müsse über den Tag verteilt immer kleine Snacks essen.

- Den Schulen werden Materialien von Firmen zur Verfügung gestellt,
  wie z.B. Stundenpläne, welche Markenlogos bekannter Kinderprodukte 
  enthalten.

- Mit verschiedenen Initiativen täuschen die Unternehmen vor, im Interesse
  der gesunden Kinderernährung zu handeln.

- Im Internet erschaffen die Hersteller der vermeintlich gesunden  
  Kinderprodukte, Online-Spiele oder Chat-Markenwelten, um gezielt die
  Kinder an sich zu binden.

Dies sind nur einige, wenige Beispiele für die Verführung der Kinder und Eltern, die angeblich gesunden Produkte zu kaufen. Studien zeigen, dass 73,3 % der Kinderprodukte aber in die Kategorie "Süßes und Fettiges" gehören und keinesfalls gesund sind. Aus dieser Kategorie sollten Kinder täglich nicht mehr als eine Handvoll zu sich nehmen, in der Realität essen Kinder am Tag aber weitaus mehr der süßen und fettigen Speisen. Die Verführung ist natürlich groß, schließlich werben bekannte Comicfiguren für ein bestimmtes Produkt oder kleine Spielzeugbeilagen animieren zum Kauf. Letztendlich wird aber auch den Eltern vorgetäuscht, dass die angeblich gesunden Zwischenmahlzeiten gut fürs Kind seien.

Die Lebensmittelindustrie macht sich auch die Schnelllebigkeit unserer heutigen Zeit zu Nutze, so ist es doch viel einfacher einen Snack aus dem Papier zu nehmen, als etwas Zeit in das Aufschneiden eines Apfels oder einer Paprika zu investieren. Dies bestätigt der Anteil übergewichtiger Kinder, der in den letzten 30 Jahren um 50 % angestiegen ist. 

Rettende Maßnahme - Werbeverbot für Junkfood?
Ein Werbeverbot für Junkfood und generell ungesunder Lebensmittel ist ein heiß diskutiertes Thema und das nicht nur in Österreich. In Großbritannien beispielsweise fordern einige Organisationen ein Werbeverbot für Junkfood vor 21 Uhr. Aber auch in Österreich und Deutschland ist der Ruf nach einem Verbot oder zumindest einer drastischen Reduzierung von Junkfood-Werbung lauter geworden. So sollten Kindertagesstätten und Schulen generell PR- und Werbefrei bleiben, Sportverbände und auch Sportvereine sind keine geeigneten Träger für Junkfood-Werbung. Zudem wäre auch im Fernsehen ein generelles Verbot von Junkfood-Werbung am sinnvollsten.

Die Lebensmittelindustrie aber, weist jegliche Mitverantwortung für die Fehlernährung der Kinder und den daraus resultierenden Gesundheitsschäden weit von sich und verweist in der Verantwortung auf die Eltern. Selbst die Einführung der Nährwertkennzeichnung nach dem Ampel-Prinzip wurde besonders durch die Großkonzerne verhindert. Letztendlich ist hier auch die Politik gefragt, denn ein Kind mit Spielzeug und beliebten Comicfiguren zu ködern ist ein Geschäft auf Kosten der Gesundheit von Kindern. Es stellt sich dabei die Frage, ob die Lebensmittelindustrie als Mitverantwortlicher herangezogen werden sollte?

Zusammenfassend steht die Annahme, dass die Lebensmittelindustrie die Zügel fest in den Händen hält. Mit gezielter Werbung erreicht sie die Kinder und Eltern, in dem Junkfood als gängige Ernährung angepriesen wird. Es scheint, als benötige es den Eingriff der Politik, um eine allgemeingültige Regelung und Einhaltung zu bewirken.

Bildrechte: Infografik - Übergewichtige Jugendliche in Österreich - meds4all.at

Quellen:
http://kurier.at/lebensart/gesundheit/zu-dicke-kinder-keine-junk-food-werbespots-vor-21-uhr-im-fernsehen/125.234.287
http://www.businessart.at/uebergewicht-bei-kindern-macht-krank

 

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