Quelle: ZAMG

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Kunstvolle Ostereier aus dem im Südburgenland

28.03.2012 - 15:52
Kleine Kunstwerke aus Stinatz© AP (ROBERT JAEGER)Kleine Kunstwerke aus Stinatz

Im Haus von Erika Stipsits im südburgenländischen Stinatz (Bezirk Güssing) herrscht dieser Tage Hochbetrieb: Die Hausfrau pflegt ein uraltes Brauchtum - das Ostereierkratzen. Stipsits verziert von ihr gefärbte Eier mit Blumen, Herzen und Ornamenten. Auf Wunsch kratzt sie mit ihrem Stahlmesser auch Zeichentrickfiguren wie Wickie und SpongeBob oder Firmenlogos.

In der Saison verwandelt sie Hunderte Eier in kleine und große Kunstobjekte, die auch schon nach Kanada, Australien und Amerika gebracht wurden, erzählte sie der APA. "Sie können das Haus nicht verfehlen", lacht die Südburgenländerin bereits bei der Wegbeschreibung am Telefon. In Stinatz angekommen ist klar, was sie damit gemeint hat: Im Vorgarten hängen Dutzende gekratzte Ostereier von einem Palmzweigbäumchen, Deko-Hasen und -Gänse stehen auf der Grünfläche dicht beieinander, selbst auf einem kleinen Windrad sind Eier verziert. Autos fahren bei dem Haus auf der Hauptstraße im Schritttempo vorbei, auch Staus hat es bereits gegeben, erinnert sich Stipsits.

Gekratzt werden Wachtel-, Hühner-, Gänse-, Enten- und Straußeneier - alle landen in ihrer ruhigen Hand und werden einzeln verziert. Bevor Stipsits mit ihrer Kunst loslegen kann, müssen die Eier ausgeblasen werden. Seit ein paar Jahren erledigt diese Arbeit ein Kompressor, den sie sich "zurecht" gemacht hat. "Es muss ja immer der gleiche Druck drauf sein", erklärt sie. Danach werden die Eier gefärbt und schließlich in ein Handtuch gehüllt. "Mit einem Stahlmesser wird dann das Muster wieder von den Eiern abgekratzt. Da wird nichts vorgezeichnet, das geht ganz einfach." Im Repertoire hat sie 200 Muster.

Vertrieb und Produktion finden bei ihr zu Hause statt. Beim Verkauf zeigt sie den Besuchern auf Wunsch auch, wie die Muster auf das Ei kommen. Zeit nimmt sie sich für jeden, der herkommt. Dass in der Fastenzeit gelegentlich das Sonntagsschnitzel kalt wird, "kommt vor". Denn, wenn zu Mittag jemand vor der Tür steht, wird der Esstisch in der Küche im Nu zum Verkaufs- und Präsentationsplatz verwandelt.

Das Geheimnis dahinter, meint sie, sei "viel Geduld und Übung". 40 Jahre pflegt Stispits bereits dieses Brauchtum. "Mit zwölf, dreizehn Jahren habe ich angefangen, meine Mutter zu unterstützen", so die Stinatzerin. Auch ihre Schwestern haben damals zu Hause mitgeholfen, haben das Kunsthandwerk mittlerweile allerdings aufgegeben. In Stinatz sind es nun nur noch vier Frauen, die sich damit beschäftigen.

Vor einigen Jahren hat es auch zwei Männer gegeben, die sich mit dem Brauchtum beschäftigt haben, generell waren es aber immer die Frauen, die in der Gemeinde die bunten Eier liebevoll verziert haben. Ob die Tradition weiter aufrechterhalten werden kann, ist fraglich. Ihre Enkeltochter zeigt zwar Interesse, aber "sie ist ja erst drei Jahre alt", lacht Stipsits.

Der Inhalt der Eier, also das Dotter-Eiklar-Gemisch, wird an Bekannte verschenkt. "Die verwenden die Eier für Mehlspeisen oder zum Nudeln machen." Auch die Feuerwehr bekommt jedes Jahr etwas ab und veranstaltet dann ein großes Eierspeis-Essen.

Obwohl sich im Hause Stipsits etwa zehn Wochen fast alles um das Kunsthandwerk dreht, satt sieht sich die Südburgenländerin an den Hunderten bunten Eiern nicht. "Aber ab und zu", gesteht sie schmunzelnd, "denk ich mir schon: Gott sei Dank ist bald Ostern."

(APA)

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