Sie gehören zu den schillerndsten Reptilien: Chamäleons artgerecht zu halten, ist kompliziert. Neben einer Lichtdusche mit UV-Strahlen und Sprühnebel für den Wasserhaushalt müssen die Tiere mit lebenden Insekten gefüttert werden.
Sie sind als die Verwandlungskünstler des Tierreichs bekannt: Chamäleons. Viele dieser Reptilien sind mal grünlich, mal bräunlich, ein anderes Mal haben sie eine ganz andere Hautfarbe. Anders als von zahlreichen Menschen angenommen, passen sich die Tiere damit aber nicht nur ihrer Umgebung an, sondern kommunizieren so auch mit Artgenossen. Das ist allerdings nicht der einzige Trugschluss, dem viele Halter erliegen - Chamäleons als Haustiere sind alles andere als pflegeleicht.
"Chamäleons sind nicht geeignet für Einsteiger in die Echsenhaltung und Terraristik", warnt Uwe Wünstel, Leiter des Reptilium Terrarien- und Wüstenzoos Landau. "Das Problem ist aber, dass viele der Tiere relativ preiswert und als angebliche Einsteigertiere verkauft werden, so dass suggeriert wird, der Aufwand hielte sich in Grenzen." Das sei jedoch nicht so. "Wir im Reptilium beobachten, dass das Problem von Jahr zu Jahr größer wird. Immer mehr Halter brauchen Hilfe, weil sie mit ihrem Chamäleon überfordert sind."
Das betont auch Silvia Macina, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) in Rheinbach bei Bonn. "Man darf Chamäleons nicht unreflektiert kaufen - es gibt Tiere, die deutlich pflegeleichter zu halten sind." Der Deutsche Tierschutzbund in Bonn geht sogar noch einen Schritt weiter: "Chamäleons sind in Gefangenschaft grundsätzlich nicht artgerecht zu halten", sagt die Fachreferentin und Reptilienexpertin Sandra Giltner. "Sie sind sehr sensible Tiere, die nicht gut auf Veränderungen reagieren und sehr stressanfällig sind."
Chamäleons gehören zwar zu den Reptilien, unterscheiden sich aber in mehrfacher Hinsicht von anderen Echsenarten, wie Uwe Wünstel erklärt. Da ist zum Beispiel die Versorgung mit Wasser. "Viele Chamäleonarten trinken nicht aus einem Napf, sondern schlecken in der Natur den Raureif von den Blättern." Sie benötigten daher spezielle Beregnungsanlagen, oder sie müssen mit Pipetten Wasser erhalten. "Je nach Art brauchen die Tiere unterschiedlich viel Wasser, nur einmal kurz den Pump-Sprüher hinhalten, reicht nicht."
Bekommen die Tiere nicht genug Wasser, dehydrieren sie. "Das führt zum einen dazu, dass bei der Häutung die Hautreste nicht mehr problemlos vom Körper abgestreift werden können", sagt Wünstel. Zum anderen trocknen die Tiere aus, ihr Kreislauf und die Nieren leiden.
Wichtig ist auch die richtige Beleuchtung. "Für Chamäleons braucht man eine spezielle UV-Beleuchtung - oft wird jedoch die falsche verkauft", sagt Wünstel. Die Lampen müssen ausreichend große Mengen UV liefern, da UV wichtig für die Vitamin-D3-Synthese der Tiere ist. "Reicht die UV-Beleuchtung nicht aus, werden die Tiere krank und bekommen unter anderem weiche Knochen."
Ein weiteres großes Problem ist die korrekte Temperatur. "Bestimmte Arten brauchen eine Nachtabsenkung auf 15 bis 16 Grad, manche sogar noch darunter", erklärt Giltner. Das bedeutet: Während tagsüber über 30 Grad notwendig sind, muss es nachts deutlich abkühlen. "Diese Bedingungen zu Hause nachzubilden, ist sehr schwierig, wenn nicht für Laien sogar nicht machbar." Reptilienexperte Wünstel ergänzt: "Wenn es nicht schnell genug ausreichend abkühlt, fehlt den Tieren ihre wichtige Ruhephase, ihr Stoffwechsel kommt durcheinander, und sie sterben früher."
Das Futter bereitet ebenfalls häufig Probleme. "Die Tiere werden oft überfüttert", sagt Silvia Macina vom DGHT. Viele Halter könnten nicht richtig einschätzen, wann ein Chamäleon Futter benötige. Ein erwachsenes Tier müsse nur etwa zwei- bis dreimal pro Woche gefüttert werden. Hinzu kommt, dass die Tiere lebendes Futter brauchen und sehr abwechslungsreich zu füttern sind, das heißt zum Beispiel mit Heuschrecken, Grillen, Wachsmaden oder Fliegen. "Sind diese Tiere tot, nehmen die Chamäleons nichts", sagt Macina. Viele Halter seien sich nicht bewusst, dass sie ihrem Chamäleon lebende Tiere füttern müssen.
Trotz oder gerade wegen dieser komplizierten Haltungsbedingungen gibt es für Halter nur wenig verlässliche Quellen, bei denen sie sich Rat holen können. "Im Internet steht jede Menge Unsinn", findet Macina, und auch Giltner betont: "Die Informationslage ist schlecht, auch auf Reptilienmessen oder Internetforen wird immer wieder Falsches erzählt." Die Experten raten daher, sich gründlich zu informieren. "Es dauert lange, bis man einen guten Überblick über die Bedürfnisse verschiedener Chamäleons hat", sagt Giltner. "Vorschnell ein Tier zu kaufen, nur weil es 30 Euro kostet, ist falsch."
Geschlossene Augen sind Krankheitszeichen
Bei Chamäleons, die als Haustiere gehalten werden, kommt es immer wieder vor, dass sie mit geschlossenen Augen dasitzen. "Manche Tierärzte verschreiben dann eine Augensalbe, doch das ist falsch", sagt Uwe Wünstel, Leiter des Reptiliums Landau. "Geschlossene Augen sind das erste Anzeichen dafür, dass etwas mit dem Tier nicht stimmt." Denn dann fahren Chamäleons ihren Stoffwechsel herunter, werden schwächer - und schließen die Augen.
(APA/dpa)

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