Begegnen sich zwei Katzen zum ersten Mal, ist alles möglich: Vielleicht schwänzeln sie sofort glücklich schnurrend umeinander herum, vielleicht beschnuppern sie sich kurz und kümmern sich dann nicht weiter umeinander - vielleicht fliegen aber auch die Fetzen. Das macht es Haltern, die ihrer Mieze eine zweite zugesellen wollen, nicht gerade leicht.
Katzen seien Einzelgänger, und deshalb spare man sich besser jeden Versuch, zwei davon zu besten Kumpeln zu machen - das war lange Zeit die vorherrschende Meinung. Die gilt inzwischen als widerlegt. Miezen pflegen viel mehr soziale Kontakte als lange angenommen, schreibt die Expertin Eva-Maria Götz im Buch "Wohnen mit Katze". Sie können sich gegenseitig putzen und miteinander spielen. Und wenn der Halter mal unterwegs ist und nur jemand zum Füttern kommt, ist ihnen bestenfalls selbst nach etlichen Tagen noch nicht langweilig.
Leider bedeutet das nicht, dass jede Mieze jede andere mag. "Man weiß, dass es da große Unterschiede gibt", erklärt Elke Deininger von der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes in Neubiberg bei München. Noch sei nicht geklärt, warum sich manche prächtig mit ihren Artgenossen verstehen und andere überhaupt nicht. "Aber es hat wohl eine genetische Komponente - und es hat mit den ersten Lebenswochen zu tun." Versuche auf Bauernhöfen haben nach Worten der Tierärztin gezeigt: Macht ein Kätzchen gleich positive Erfahrungen mit ausgewachsenen Artgenossen außer dem Muttertier, kommt es auch später mit anderen Katzen gut zurecht. Das Problem ist nur: In vielen Fällen weiß ein Halter, der einen Kumpel für den Stubentiger sucht, nichts von dessen Vorgeschichte. Und die Katzengenetik ist ihm sowieso verschlossen. Oder er kann nicht anders, als das zweite Tier aufzunehmen, weil es ihm zugelaufen oder weil der Besitzer gestorben ist.
Wer nicht in einer Situation wie Letzterer ist, lässt sich erstmal vom Alter leiten, rät Nadja Kutscher von der Tierschutz-Organisation Peta in Gerlingen (Baden-Württemberg). Angenommen, die eigene Mieze ist schon ein paar Jahre alt, aber noch kein Senior: Dann sei es günstig, wenn die Neue ein gutes Stück älter oder viel jünger ist. "Dann zeigt sie im Normalfall ein nicht mehr oder ein noch nicht ganz so ausgeprägtes Territorialverhalten."
Häufig verträgt sich eine mittelalte Mieze nach Deiningers Worten auch mit einer, die maximal ein paar Monate alt ist: "Die hat noch das Kindchenschema, und das wirkt aggressionshemmend." Für eine sehr alte Katze, der der Halter vielleicht einen gestorbenen Artgenossen ersetzen will, wäre ein allzu junges Tier dagegen keine gute Wahl: Bei einem solchen Paar wird recht wahrscheinlich der Senior vom Elan der Jungkatze überfordert sein, so dass die beiden sich womöglich vertragen, aber nichts miteinander anfangen können.
Zumindest ein wenig der Orientierung dient auch das Geschlecht: "Oft funktioniert es mit einer Kätzin und einem Kater gut", erklärt Nadja Kutscher. Aber auch hier gilt: Katzen sind Individualisten, so dass es keine 100-prozentige Verlässlichkeit gibt. Dem entsprechend können auch zwei Kater Freunde werden. Und selbst bei Kätzinnen, die allgemein als noch etwas eigenwilliger gelten, ist das alles andere als ausgeschlossen.
Im Vorteil ist, wer sich mit dem Vorbesitzer eines potenziellen Neuzugangs unterhalten kann. Er weiß vielleicht, ob sich das Tier bisher mit Artgenossen vertragen hat. War die Katze zuletzt in einem Tierheim, wird ein Mitarbeiter diese Frage sogar sehr wahrscheinlich beantworten können. Schließlich werden dort in der Regel mehrere Katzen zusammengehalten - da zeigt sich, welche sich wohlfühlen und welche eher Kratzbürsten sind.
Ehe die beiden Vierbeiner zusammenkommen, muss für Möglichkeiten zum Rückzug in der Wohnung gesorgt sein, rät Kutscher. Selbst Katzen, die sich prima verstehen, wollen sich ab und zu aus dem Weg gehen - solche, die sich nur dulden, umso mehr. "Gehen Sie nicht davon aus, dass Ihre Katzen sich problemlos ein Katzenklo teilen", schreibt die Expertin Katharina von der Leyen in ihrem schon etwas älteren, aber noch immer lesenswerten Buch "Stubentiger und Hauslöwen". Die beste Lösung seien zwei "Örtchen" an zwei Plätzen. Auch ein eigener Napf für den Neuling, der nicht neben dem anderen steht, empfiehlt sich.
Dann heißt es, den Dingen ihren Lauf und die Katzen sich einander annähern zu lassen - und locker zu bleiben, wie Deininger rät: "Mal ein bisschen fauchen, mal eine Ohrfeige, das gehört dazu." Nach etwa sieben bis zehn Tagen sollte sich das aber gelegt haben, sagt Nadja Kutscher: "Sonst wird das nichts mehr." Läuft es ganz schlecht, zeigt sich das laut Deininger sogar noch schneller - durch Drohgebärden wie singende Laute und einen Gang der Katzen mit extrem durchgestreckten Beinen oder gleich durch richtig heftige Hiebe mit den Pfoten.
In einem solchen Fall muss der Halter den Versuch wohl oder übel als gescheitert betrachten und abbrechen. Andernfalls haben weder die beiden Streithähne noch er selbst Ruhe. Zumindest dann, wenn der Neuling aus einem Tierheim kommt, kann man ihn in der Regel wieder zurückbringen. "Die Leute dort haben in den meisten Fällen Verständnis", sagt Nadja Kutscher. "Die wissen schließlich, dass das nicht immer klappt."
INFO: Eva-Maria Götz: "Wohnen mit Katze", Ulmer, ISBN: 978-3-8001-4967-4. Katharina von der Leyen: "Stubentiger und Hauslöwen", blv, 978-3-4051-6698-4, nur noch Restexemplare.
(APA/dpa)

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