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Der weiße Garten

19.05.2011 - 13:27
Ein weißer Garten ist nie langweilig© APA (dpa/tmn)Ein weißer Garten ist nie langweilig

Blumen gibt es in unzählig vielen Farben. Doch gerade Gärten, in denen eine einzige Farbe das Bild beherrscht, faszinieren viele Hobbygärtner. Ein komplett mit weißblütigen Pflanzen bestückter Garten strahlt Ruhe und Harmonie aus, aber auch Kühle und Frische.

Weiß, das ist im physikalischen Sinne keine Farbe, sondern vielmehr die Summe aller Farben. Ein komplett mit weißblütigen sowie -blättrigen Pflanzen bestückter Garten entwickelt daher eine betörende und starke Wirkung: Weiß wirkt meist kühl, aber auch sehr elegant und klar. "Besonders in der Dämmerung und bei Mondschein entwickelt der Weiße Garten einen außergewöhnlichen Zauber", erzählt Melanie Wiethölter vom Botanischen Garten in Münster. Wenn andere Gartenteile bereits in dunkle Schatten gehüllt sind, tauchen die weißen Blüten den Garten in einen atmosphärischen Schimmer.

Ihren Garten in der Nacht liebte Vita Sackville-West - jeden Abend ging die englische Schriftstellerin von den Wohnräumen durch den Garten zu ihrem Schlafgemach. Ihr berühmter "White Garden of Sissinghurst Castle" in der englischen Grafschaft Kent ist heute Reiseziel vieler Gartenfreunde. Jährlich werden nur 160.000 Besucher reingelassen, um das fünf Hektar große Anwesen nicht zu überlasten. Darauf legte das illustre Paar Vita Sackville-West und der Diplomat Sir Harold Nicolson in den 1950er Jahren gleich mehrere thematische Gärten an, um ihre recht verschiedenen Charaktere wiederzuspiegeln. Hohe Eibenhecken trennten den Weißen Garten etwa vom Cottage- und Rosengarten.

Gartenräume nach Themen und Farben zu gestalten, hat einen besonderen Reiz, denn häufig haben Gärten dieser Art eine besondere Anziehungskraft und überraschen Besucher. Grundsätzlich muss man bei der Planung solcher Themengarten überlegen, welche Wirkung vermittelt werden soll und ob man Farben vermischen oder eher einfarbig pflanzen möchte. Weiß kann auch eine Kühle vermitteln. Und orange und rote Blütenfarben wirken zwar grundsätzlich eher warm und fröhlich, "dicht und üppig gepflanzt können sie jedoch insbesondere kleine Gärten erschlagen", erläutert Wiethölter. Mehr Weite geben hingegen blasse Violett- und Blautöne. Sie lassen einen Garten größer, aber auch etwas frischer erscheinen.

Themengärten brauchen das ganze Jahr über eine passende Blütenpracht. Die Pflanzen sollten so ausgewählt werden, dass eine durchgehende Blühabfolge gewährleistet ist. Im weißen Garten machen Schneeglöckchen, Märzenbecher, weiße Narzissen, Frühlingsanemonen (Anemone blanda 'White Splendour'), Traubenhyazinthen und Tulpen im Frühling den Auftakt, im Frühsommer folgen etwa die weißen Sorten der Glockenblume, des türkischen Mohns (Papaver orientale), der Akeleien, Levkojen und Pfingstrosen.

Wenn im Sommer dann die Rittersporn-Hybride 'Casa Blanca' mit der gleichnamigen Orientalischen Lilie 'Casa Blanca' und Kletterrose 'Bobby James' um die Wette leuchtet, ist der Höhepunkt der Saison erreicht. Dazu passen Margeriten, Cosmeen (Cosmos binnatus), die Edeldistel (Eryngium planum 'Blaukappe') sowie die weißen Sorten von Katzenminze, Phlox, Veronica und Salbei. Zum Ausklang im Herbst blühen weiße Dahlien, Chinaschilf (Miscanthus sinensis 'Kleine Fontäne'), Eisenhut und die Herbstanemone 'Wirbelwind'.

Natürlich ist keine Bepflanzung reinweiß: Geranien sind eher Cremeweiß, Kamelien haben rote Einsprengsel und Funkien einen bläulichen Hauch. Und ein weißer Garten wird nicht nur durch das üppige Arrangement möglichst vieler weißer Blüten gestaltet, sondern auch durch die Kombination verschiedener Blattformen und Blattfarben. "Gräuliche oder weiß panaschierte Blätter schaffen einen willkommene Vielfalt", sagt Wiethölter. Weiche oder stachelige Blätter, etwa die einer Distel, eignen sich als Kontrast.

Daneben spielen Grundstruktur und Hintergrund einer Bepflanzung eine Rolle. Mauern und exakt geschnittene Hecken sind ein Form- und Strukturgeber für die weißen Blütenmeere. "Vor dunklen Eibenhecken werden weiße Blüten besonders stark betont", sagt Jürgen Oppers, selbstständiger Landschaftsarchitekt und Mitglied des Bundes deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA) aus Ratingen. Auch als optische Trennung von anderen Bereichen kann man hohe Hecken oder Mauern einsetzen.

Oppers hat noch einen Tipp für einen gebührenden Eintritt in den Erlebnisraum: Werden die Hecken im Eingangsbereich so gesetzt, dass man über Eck eintritt und statt direkt in den Garten zunächst auf eine grüne Wand schaut, wird die Wirkung der weißen Beete noch gesteigert. "Wenn man dann um die Ecke biegt, eröffnet sich einem ein völlig neuer Erlebnisraum", sagt Oppers. Alternativ könne man den Ein- und Ausgang auch mit einem bewachsenen Rundbogen akzentuieren.

Ein Springbrunnen eignet sich für die Verzierung der Gartenmitte oder einer Wand. Das Geräusch des plätschernden Wassers blendet viele Störfaktoren der Umgebung aus. Für Bodenbeläge eignen sich Oppers zufolge gut dunkle Farben im Graubereich. Anthrazitfarbener Split oder Kies hebe das Weiß ähnlich stark hervor wie die dunklen Hecken.

(APA/dpa)

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