Quelle: ZAMG

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Dr. Erdal Cetin

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Osteoporose: Neues Medikament verfügbar

27.01.2011 - 13:44
Knochenschwund muss nicht sein© APA (dpa/gms)Knochenschwund muss nicht sein

Breitere medikamentöse Therapiemöglichkeiten bei der Knochenbruch-Erkrankung Osteoporose auf Kassenkosten: Seit kurzem kann das Biotech-Arzneimittel Denosumab bei Unmöglichkeit einer Behandlung mit den herkömmlichen Bisphosphonat-Medikamenten zum Schlucken nach chefärztlicher Genehmigung von den österreichischen Kassenärzten verschrieben werden, hieß es am Donnerstag in Wien.

In Österreich gibt es rund 740.000 Menschen mit krankhaftem Knochenschwund. 40 Prozent der Frauen und 20 bis 30 Prozent der Männer erleiden im Laufe ihres Lebens eine Fraktur infolge dessen - speziell Hüftgelenks- und Unterarmbrüche sowie Wirbelkörpereinbrüche. Die Gesamtkosten wurden jährlich rund 700 Mio. Euro berechnet.

Seit rund 20 Jahren gibt es zur wirksamen Behandlung sogenannte Bisphosphonate. Die orale tägliche Einnahme ist aber relativ belastend. Nach einem Jahr nehmen nur noch 25 Prozent der Patienten die Arzneimittel regelmäßig ein. Es gibt aber auch bereits Bisphosphonate, die per Injektion bzw. Infusion verabreicht werden können. Die Behandlungsintervalle wurden damit auf bis zu ein Jahr ausgedehnt.

Ein anderes erfolgversprechendes und neues Therapieprinzip ist der monoklonale Antikörper Denosumab, der auf der Basis von Erkenntnissen des nun in Wien tätigen österreichischen Biotech-Forschers Josef Penninger entwickelt wurde. Das Medikament - zweimal jährlich per Injektion unter die Haut zu verabreichen - hemmt das Protein RANKL. Das verhindert das Ausreifen jener Zellen, welche die Knochen abbauen (Osteoklasten). In klinischen Studien konnte damit im Vergleich zu Placebo eine Verringerung des Wirbelfrakturrisikos um 68 Prozent, des Hüftgelenkfrakturisikos um 40 Prozent erreicht werden. Die Knochendichte stieg bei den Behandelten signifikant an.

Johannes Huber von der Wiener Universitäts-Frauenklinik (MedUni/AKH): "Denosumab ahmt die biologischen Schutzmechanismen des Körpers nach. Deswegen ist es unter den zur Verfügung stehenden Präparaten zum Schutz des Knochens ein besonderes, da es auf physiologischer Basis beruht." Biotech-Arzneimittel wirken zumeist sehr spezifisch, können aber auch Nebenwirkungen haben.

Der Wiener Osteoporose-Spezialist Heinrich Resch (Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern), der an den klinischen Studien mit dem neuen Arzneimittel beteiligt war, verwies auf Schweregrad und Verhinderbarkeit der Erkrankung bei entsprechender Therapie: "Eine rüstige Großmutter hebt ihr Enkelkind auf und bricht sich den Unterarm. Eine Patientin geht spazieren und spürt einen stechenden Schmerz - und der Schenkelhals war ab. Ohne Sturz. (...) Wenn wir ein bisschen früher auf die Erkrankung draufkämen und Risikopatienten früher identifizieren und behandeln könnten, wäre sicher die Hälfte dieser Fälle zu verhindern."

(APA)

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