Quelle: ZAMG

Gesundheitskolumne

Kolumne

Dr. Erdal Cetin

Kolumne

Sarkopenie - kraftlos im Alter

28.01.2011 - 12:47
Proteinreiche Ernährung und Krafttraining helfen© APA (dpa)Proteinreiche Ernährung und Krafttraining helfen

Kraftlos im Alter. Das sind Menschen, die in eine sogenannte Sarkopenie aufweisen. Bei einer Pressekonferenz in Wien wurde am Donnerstag auf dieses wachsende Problem hingewiesen, das zu zahlreichen Folgeerkrankungen (Osteoporose etc.) führen kann. Laut konservativen Schätzungen leiden daran in Österreich 120.000 Menschen im Alter zwischen 60 und 70 Jahren.

"Es handelt sich um einen Abbau skeletaler Muskelmasse, der zu einer erhöhten Krankheitshäufigkeit, zu vermehrter Sturz- und Frakturneigung führt. Im Alter von 60 bis 70 Jahren sind 13 bis 15 Prozent der Menschen betroffen, im Alter über 80 bis zu 50 Prozent. Die volkswirtschaftlichen Kosten wurden in den USA mit 18,5 Mrd. Dollar pro Jahr berechnet", sagte Klaus Hohenstein vom Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation am Geriatriezentrum Wienerwald in Wien.

Ab dem 50. Lebensjahr nimmt im Bevölkerungsquerschnitt die Muskelmasse um ein bis zwei Prozent pro Jahr ab. Bei der Muskelkraft liegt das Minus bei jährlich rund 1,5 Prozent. Ab dem 70. Lebensjahr sind es bei der Kraft minus drei Prozent pro Jahr. Fazit: Mit 80 haben viele Menschen nur noch 50 Prozent ihrer ehemaligen Kapazitäten. Chronische Erkrankungen, zunehmende Bewegungsarmut sowie mangelnde Proteinzufuhr verstärken oft diesen Teufelskreis.

Monika Lechleitner, Ärztliche Direktorin und Geriatriespezialistin am LKH Hochzirl in Tirol: "Altersunabhängig wird in der Ernährung eine Proteinzufuhr von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen. 40 Prozent der über 70-Jährigen erreichen diese empfohlene Menge nicht. Bei alten Menschen werden ein bis 1,5 Gramm Eiweißzufuhr pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen. Ganz besondere Bedeutung haben essenzielle Aminosäuren, speziell Leucine. Fleisch, Fisch und Milchprodukte bieten Vorteile gegenüber pflanzlichen Proteinen." Diese Empfehlungen gelten übrigens für alle Senioren, die nicht an einer schweren chronischen Nierenerkrankung leiden. Auch Übergewichtige und Adipöse können eine Sarkopenie aufweisen. Wichtig wäre oft auch eine ausreichende Vitamin D-Zufuhr.

Die Diagnose kann zu 80 Prozent beim Hausarzt über die Anamnese und einfache klinische Untersuchungen auf Körpergewicht/BMI, Oberarm-Umfang, Unterarm-Umfang, Handkraftmessung sowie das Erheben von etwaigen Gehschwächen (Ganggeschwindigkeit unter 0,8 Meter/Sekunde) gestellt werden.

Die Therapie ist ziemlich klar. Hohenstein: "Proteinreiche Ernährung und Krafttraining. Die Kombination aus beiden ist vorzuziehen." Eine Möglichkeit speziell für höher Betagte wäre beispielsweise der Beginn mit einem Krafttraining in einem physikalischen Institut, wobei das Training dann natürlich zu Hause fortgesetzt werden muss. Hinzu kommt die Eiweiß-reiche Ernährung plus eventuell Vitamin D. Der Vorteil: Dadurch würde man auch gleich das Osteoporoserisiko reduzieren. Es gibt auch Protein-Supplemente mit der entsprechenden Zusammensetzung. Die Krankenkassen zahlen sie aber in der Regel nicht. Allerdings, so Monika Lechleitner: "Es wird in Reformhäusern etc. unendlich viel Geld für sinnlose Antioxidantien ausgegeben."

(APA)

Home
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech