Quelle: ZAMG

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Dr. Erdal Cetin

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Erstmals gesamte Melanom-Gen-Landkarte erstellt

09.05.2012 - 19:06

Bessere Aussichten auf die Entwicklung neuer Therapien gegen den "Schwarzen Hautkrebs" in der Zukunft: Ein internationales Wissenschafterteam mit Beteiligung aus Wien hat erstmals eine Gen-Landkarte des Melanoms aus Gewebeproben von Patienten erstellt.

Neben bei der gefährlichsten Hautkrebsform bereits bekannten Mutationen wurden auch neue - speziell im sogenannten PREX2-Gen - entdeckt, die bisher bei Mammakarzinomen identifiziert worden waren. Die Arbeit mit Erstautor Levi Garraway vom Broad Institute und vom Massachusetts Institute of Technology (Boston/USA) wurde am Mittwoch von der Fachzeitschrift "Nature" online publiziert. Stephan Wagner von der Abteilung für Immundermatologie der Universitäts-Hautklinik der MedUni Wien am AKH hat ehemals an der Erstellung des Studienprotokolls mitgearbeitet. Aus Wien kam aber auch ein Beitrag zu den 25 Gewebeproben von Patienten mit bereits metastasierter Melanom-Erkrankung, deren Erbgut von A bis Z in der Abfolge der Bestandteile sequenziert wurden. Wagner: "Bisher gab es das nur aus Labor-Zelllinien. Jetzt haben wir erstmals eine komplette Landkarte des gesamten Melanomgenoms aus Gewebeproben."

Neu entdeckt wurden im Rahmen der Arbeiten verschiedene Mutationen, Re-Arrangements und ähnliche Veränderungen im sogenannten PREX2-Gen, die mit einer Häufigkeit von 14 Prozent vorkommen. Bisher waren solche Mutationen aus dem Mammakarzinom bekannt. Sie haben einen onkogenen, also krebsfördernden, Effekt über den sogenannten PI3K/Akt-Signalweg in den betroffenen Zellen. Die Überaktivierung dieses Signalwegs spielt eine wichtige Rolle im Wachstum, in der Teilung, Migration, Ausdifferenzierung und im Überleben von bösartigen Zellen. Insgesamt weisen die Erkenntnisse der Wissenschafter auch auf der Ebene des Erbguts darauf hin, dass an der Entstehung von Melanomen auch starke UV-Licht-Exposition eine Rolle spielt.

Wichtig ist die neue Gen-Landkarte des Melanoms aber vor allem für die zukünftigen Arbeiten zur Identifizierung von neuen Zielen ("Targets") für Therapien, betonte Wagner. Bisher sind die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten beim Melanom ausgesprochen beschränkt. Erst in jüngster Zeit wurden zwei verschiedene Arzneimittel der sogenannten zielgerichteten Therapie entwickelt, die einen lebensverlängernden Effekt beim fortgeschrittenen Melanom haben. Doch die Tumoren entwickeln auch dagegen Resistenzen. Der Wiener Spezialist: "Wir werden also noch mehrere andere solcher 'Targets' für neue Therapien benötigen."

Das Melanom ist eine bösartige Krebserkrankung, die aus den Melanozyten in der Haut hervorgeht. In Australien erkrankt bereits einer von 20 Menschen während seines Lebens, in den USA einer von 50 und in Österreich einer von 100. Weltweit erkranken jährlich rund 200.000 Menschen an "Schwarzem Hautkrebs". Rund 1.300 Menschen bekommen in Österreich jährlich die Diagnose eines Melanoms gestellt. Im Stadium IV mit Fernmetastasen leben nach einem Jahr nur noch 50 Prozent der Patienten, nach zehn Jahren weniger als zehn Prozent. Die Früherkennung mit heilender Chirurgie ist entscheidend.

(APA)

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