Quelle: ZAMG

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Dr. Erdal Cetin

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Neue Therapie bei feuchter Makula-Degeneration

08.11.2010 - 15:02
Bei nachlassender Sehkraft zum Augenarzt© APA (dpa/Universitätsklinikum Münster)Bei nachlassender Sehkraft zum Augenarzt

Eine Krankheit, die erst in den vergangenen Jahren wirksam behandelbar wurde: die "feuchte" Makula-Degeneration (AMD). Nach jahrzehntelangen Therapieversuchen brachten erst monoklonale Antikörper zur Eindämmung des Leckwerdens von Blutgefäßen unterhalb der Netzhaut den Umschwung.

Der deutsche Pharmakonzern Bayer Schering will jetzt mit einem Biotech-Konstrukt "VEGF Trap-Eye" diese Behandlung noch deutlich verbessern, hieß es am Wochenende bei einem Journalistenseminar des Unternehmens in Wien. Die Degeneration am Ort des schärfsten Sehens, der Makula, betrifft weltweit 30 bis 50 Mio. Menschen. 1,3 Prozent der über 50-Jährigen leiden an "feuchter" AMD, die für zehn Prozent aller Erblindungen durch degenerative Netzhautleiden verantwortlich ist. Weltweit dürfte es pro Jahr 1,5 Mio. neue Fälle dieses fortschreitenden Sehverlustes geben, davon werden nur rund 600.000 jährlich diagnostiziert. Ehemals gab es de facto kein Mittel, um den Verlust des Sehvermögens und eine spätere Erblindung zu verhindern. Die Ursache bei der "feuchten" AMD ist eine Neubildung und ein zunehmendes Leckwerden von Gefäßen unterhalb der Netzhaut. Bei der diabetischen Retinopathie als Spätfolge der Zuckerkrankheit laufen ähnliche Prozesse ab.

Ursula Schmidt-Erfurth, Chefin der Augenklinik der MedUni Wien am AKH, listete eine ganze Reihe von Therapieversuchen auf, von denen sich erst die modernsten als effektiv heraus stellten:

- Laserlicht, das zum Verdampfen der die Krankheit auslösenden Gefäßneubildungen in der Netzhaut verwendet wurde, setzt noch zusätzliche Schäden.

- Als nicht praktikabel und erfolglos erwiesen sich aufwendige Operationen, bei denen praktisch das gesamte Auge "ausgeräumt", die Netzhaut abgelöst und dann so gedreht wurde, dass wieder gesunde Netzhaut an die richtige Stelle gerückt wurde.

- Mit einem für die Gefäßwirkung per Photosensitizer-Substanzen verstärkten "Kalt-Laser" konnte die Abnahme des Sehvermögens gegenüber dem "normalen" Verlauf bei "feuchter" AMD in etwa halbiert werden. Es wurden dabei aber ebenfalls zusätzliche Schäden am Gewebe verursacht.

- Ab 2004 versuchte man mit einem kleinen Molekül erstmals, den Effekt des im kranken Auge verstärkt wirksamen Blutgefäß-Wachstumsfaktors VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) zu blockieren. Das war teilweise, aber nicht extrem erfolgreich.

- Dann kam mit dem monoklonalen Antikörper Ranibizumab die erste wirklich erfolgreiche Therapie. Das Medikament wird einmal monatlich ins Auge injiziert. Ursula Schmidt-Erfurth: "Schon eine erste Behandlung zeigte einen Erfolg. 95 Prozent der Patienten sprechen an. Bei einem Drittel der Behandelten verbessert sich das Sehvermögen (auf der Lesetafel, Anm.) um 15 Buchstaben (drei Zeilen, Anm.)."

Dafür sind allerdings monatliche Injektionen notwendig. Bayer Schering hat hier gemeinsam mit dem Partner Regeneron ein Biotech-Konstrukt in der Form eines monoklonalen Antikörpers entwickelt, das eine extrem hohe Affinität zu dem VEGF im Auge besitzen soll. Das Protein wirkt wie ein Köder für den Blutgefäß-Wachstumsfaktor und fängt ihn ab, bevor er in der Netzhaut Unheil anrichten kann. Mit dem neuen Medikament will man die Behandlungsintervalle bei gleich gutem Erfolg verdoppeln.

Die Anti-VEGF-Therapie - diese Mittel werden seit Jahren auch in der Behandlung von Krebs eingesetzt - führt jedenfalls laut Studien zu einer schnellen Normalisierung der Netzhaut und über lange Zeit hinweg bei den meisten Patienten zumindest zu einer Verbesserung des Sehvermögens um zehn Buchstaben. Bereits in wenigen Wochen sollen die Daten von groß angelegten Wirksamkeitsstudien zu VEGF Trap-Eye veröffentlicht werden.

(APA)

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