Quelle: ZAMG

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Dr. Erdal Cetin

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Morbus Parkinson: Chronisch, aber beherrschbar

10.04.2012 - 12:22

Rund 20.000 Menschen leiden in Österreich an Morbus Parkinson. Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark verbessert. Doch jetzt gibt es auf anderer "Front" in Österreich Probleme.

"Es häufen sich leider die Ablehnungen für Physiotherapie und Kuren durch die Pensionsversicherungsanstalt (PVA, Anm.)", klagte am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien aus Anlass des Welt-Parkinson-Tages (11. April) der Wiener Spezialist Dieter Volc. Keine Frage: Zu der modernen medizinischen Behandlung der Schüttellähmung gehören auch eine Vielzahl weiterer Maßnahmen im sozialen und sonstigen therapeutischen Bereich. Volc, medizinischer Beirat des "Parkinson Selbsthilfe Österreich-Dachverbandes": "In diesem Jahr steht der Welt-Parkinson-Tag deshalb unter dem Motto 'Beweglich bleiben'. Doch seit Anfang des Jahres häufen sich leider die Ablehnungen für Physiotherapie und Kuren. Es sind zum Teil skurrile Begründungen. So heißt es, es stünde in Österreich keine entsprechende Einrichtung zur Verfügung." Jahrelange Erfahrungen mit zahlreichen Einrichtungen (z.B. in Bad Pirawarth, Rehabilitationszentrum für Neurologie, Anm.) würden diese Begründung als schlichtweg falsch belegen.

Der Wiener Morbus Parkinson-Spezialist vermutet hinter den Ablehnungen politische Ursachen. Viele Jahre wären solche Anträge bewilligt worden. In den Zentren seien die Patienten hervorragend betreut worden. Jetzt sei die Situation plötzlich anders: "Die Patienten bekommen einen nicht unterschriebenen Formbrief, dass nach medizinischer Begutachtung für die im Antrag genannten Gründe keine Institution zur Verfügung stehe."

Quasi eine Aufforderung zur Lüge sei die Anmerkung, man könne wegen eines anderen Krankheitsbildes für eine Kur einreichen. Der Neurologe berichtete weiter, dass die PVA anmerke, es gebe keinen Anspruch auf Rehabilitation: "Ich rede aber von Leuten, die im Arbeitsprozess sind." Es gehe auch um etwa 50-Jährige. Ihm, Volc, lägen Unterlagen über mehrere derartige Abläufe vor: "Noch im vergangenen Jahr ist das bewilligt worden. Ich denke schon, dass wir das nicht einfach hinnehmen sollten."

In Sachen medizinischer Therapie gibt es offenbar weniger Probleme. Nach der Etablierung der L-Dopa-Therapie in 1960er-Jahren - ausgehend von Wien - hat sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten zunächst die Zahl der verwendbaren Therapeutika verbreitert. Sogenannte COMT-Inhibitoren (Dopamin-Abbauhemmer), Dopaminagonisten etc. kamen hinzu. Vor etwas mehr als 20 Jahren wurde die tiefe Hirnstimulation mit Elektroden, welche die Symptomatik des Morbus Parkinson abschalten, in die Therapie eingeführt. Dann kamen Apomorphin-Pumpen und zuletzt L-Dopa-Pumpen, die über eine Sonde den bei Morbus Parkinson fehlenden Neurotransmitter gleichmäßig in den Dünndarm abgeben. Das gewährleistet eine gleichbleibende Wirkung.

Die Erkrankung sei zwar nicht heilbar, viele Betroffenen könne aber über viele Jahre hinweg eine gute Lebensqualität gewährleistet werden. Zumeist wird die Krankheit um das Alter von 63 Jahren herum diagnostiziert. Doch 15 Prozent der Betroffenen sind bei der Diagnose unter 50 Jahre alt. Der Wiener Neurologe Willibald Gerschlager: "Ähnlich wie bei Morbus Alzheimer geht man durch die Altersentwicklung davon aus, dass sich die Zahl der Betroffenen bis zum Jahr 2050 verdoppelb bis verdreifachen wird."

Anlässlich des Welt-Parkinson-Tages findet am kommenden Sonntag (15. April) in der "Kleinen Orangerie" beim Schloss Schönbrunn (9.30 Uhr bis 16.00 Uhr) eine Patienten-Informationsveranstaltung statt (Internet - http://www.parkinson-sh.at).

(APA)

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