Quelle: ZAMG

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Pneumologentagung: Rauchen, weil's "cool' ist

08.10.2010 - 13:05
Alle anderen machen es ja auch© APA (dpa/DAK Wigger)Alle anderen machen es ja auch

"Paradox", so Josef Riedler von der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Kardinal Schwarzenberg'schen Krankenhaus in Schwarzach (Salzburg): "Jugendliche beginnen nicht zu rauchen, weil sie dabei Genuss spüren, sondern weil es 'cool' ist."

Der Experte gibt sich anlässlich des Jahreskongresses der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP, 7. bis 9. Oktober, Graz) überzeugt: "Mit entsprechenden Programmen kann man Jugendliche rauchfrei halten bzw. rauchfrei bekommen." Doch der Aufwand ist hoch - und der Erfolg wäre höher in einer Umwelt, in der es möglichst wenig Tabakkonsum gibt.

"Das Einstiegsalter für das Rauchen liegt in Europa zwischen dem zehnten und dem 14. Lebensjahr. In einer Studie, die wir in Salzburg im Jahr 2005 nach drei Jahren abgeschlossen haben, zeigte sich, dass 3,5 Prozent der Elfjährigen in den voran gegangenen 30 Tagen eine Zigarette geraucht hatten. Bis zum 14. Lebensjahr stieg dieser Anteil auf 26 Prozent", berichtete Riedler. Die längerfristige Entwicklung ist Besorgnis erregend: Seit Mitte der 1980er-Jahre hat sich in Österreich der Anteil der täglich rauchenden 15-jährigen Burschen verdoppelt, bei den Mädchen sogar verdreifacht.

Dabei läuft die Entwicklung von der ersten Zigarette bis zur Abhängigkeit bei jungen Menschen oft rasant ab. Die erste Zigarette schmeckt zumeist überhaupt nicht. Stattdessen stellen sich Übelkeit, Benommenheit etc. ein. Darauf folgt der Übergang vom Probieren zum Experimentieren mit unregelmäßigem Tabakkonsum. Mit dem Übergang zu einem regelmäßigen Verhalten setzt oft auch schon die Sucht ein.

Der Spezialist: "Viele Jugendliche werden bereits nach Monaten von der Zigarette abhängig und entwickeln ein echtes Suchtverhalten. Jugendliche unterschätzen das Suchtpotenzial des Tabaks weitgehend." Und die möglichen Langzeitfolgen sind eben sprichwörtlich "zu weit weg", um eine Bremswirkung entfalten zu können. Herzinfarkt und Lungenkarzinom sind Erkrankungen, die erst Jahrzehnte später als akute Gefährdung zu Buche schlagen.

Frühe Intervention, ein gutes Beispiel durch nichtrauchende Erwachsene und Gleichaltrige als "Peers" können Jugendliche rauchfrei halten. Riedler und sein Team organisierten in den Jahren 2003 bis 2005 an Salzburger Hauptschulen und Gymnasium das Projekt "Ich brauch's nicht. Ich rauch' nicht!". Das Ergebnis, so Riedler: "Mit diesen Maßnahmen erreichten wir bis zum Ende des Projekts in der Projektgruppe im Vergleich zu einer gleichaltrigen Kontrollgruppe eine relative Reduktion des Einstiegs ins Rauchen um 23 Prozent."

Solche Projekte können aber nur ein Teil der gesamten Strategie in einer Gesellschaft zum Zurückdrängen des Tabakkonsums sein. Der Kinderfacharzt: "Die 13- bis 15-jährigen Jugendlichen waren der Meinung, dass ein Rauchverbot in den Schulen, in allen Lokalen und vor allem auch an allen öffentlichen Plätzen notwendig ist, um ihnen zu helfen, nicht mit dem Rauchen zu beginnen." Dies sei mit den derzeitigen gesetzlichen Regelungen aber nicht zu erreichen.

(APA)

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