Deutliche Verbesserung beim Schutz von Babys und Kindern gegen potenziell lebensbedrohliche bakterielle Infektionen: Im Rahmen des kostenlosen österreichischen Kinder-Impfprogramms sollen mit dem Jahr 2012 möglichst alle Babys gegen Pneumokokken immunisiert werden.
Das war bisher nur bei zehn Prozent der Fall ("Risikobabys"). Hinzu kommt für Kinder der sechsten bzw. siebenten Schulstufe (zwölftes Lebensjahr) die Impfung gegen Meningokokken. Details dazu wurden Mittwochabend bei einem Hintergrundgespräch des Gesundheitsministeriums bekanntgegeben. "Ich habe das Kinder-Impfprogramm der neuen Zeit angepasst. Die Geldmittel (des Bundes, Anm.) wurden um 50 Prozent erhöht. (...) Mit den kostenlosen Impfungen wird es möglich und es ist auch besonders wichtig, dass alle Kleinkinder gegen Pneumokokken und die Schulkinder gegen Meningokokken geschützt werden", sagte Gesundheitsminister Alois Stöger. Damit folge man den Empfehlungen des neuen nationalen Impfgremiums.
Die Verbreiterung der Impfungen gegen Pneumokokken bei Babys bzw. Kleinkindern und die Einführung der neuen Impfung gegen Meningokokken sollten wesentliche gesundheitliche Vorteile bieten, schwere und akut lebensbedrohliche Erkrankungsverläufe verhindern. Pamela Rendi-Wagner, Leiterin der Sektion für Öffentliche Gesundheit im Ministerium: "Bei den Pneumokokken-Erkrankungen haben wir im Jahr 2010 300 invasive Erkrankungen gemeldet bekommen (speziell Fälle von Sepsis und Gehirnhautentzündungen, Anm.). Von diesen Erkrankungen sind 16 tödlich verlaufen, das sind fünf Prozent. Bei den Meningokokken-Erkrankungen wurden 80 invasive Fälle gemeldet, davon zehn Todesfälle (zwölf Prozent, Anm.)."
Während es hoch wirksame und sehr gut verträgliche, sogenannte konjugierte Pneumokokken-Vakzine für Kinder seit Jahren gibt - einer davon wurde seit 2004 im Rahmen der kostenlosen Impfungen für "Risikobabys" eingesetzt -, existiert erst seit kurzem ein Meningokokken-Konjugat-Impfstoff, der in der Verhütung von Erkrankungen durch die Erregerstämme A, C, W135 und Y hoch wirksam ist. Weil der Altersgipfel der Fälle der potenziell lebensgefährlichen Infektion bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren liegt, sollen in Österreich die etwa zwölfjährigen Schulkinder immunisiert werden.
Sowohl für die Pneumokokken als auch für die Meningokokken gilt, so die Vorsitzende des nationalen Impfgremiums, Ursula Wiedermann-Schmidt (MedUni Wien): Bei einer hohen Durchimpfungsrate sind sogar eventuell (noch) nicht immunisierte geschützt, weil es weniger Keimträger gibt. Weiterhin Aufmerksamkeit ist in Österreich bei den Masern angebracht: 2010 wurden 52 Fälle gemeldet, 2011 hingegen 121. Das ist deutlich mehr als die langjährige Bandbreite von 18 bis 50 Erkrankungen.
Schon in nächster Zukunft soll es eine wesentliche Verbesserung des Informationssystems geben. Labors, welche meldepflichtige Infektionserkrankungen abklären, werden die Daten elektronisch an die Gesundheitsbehörden weiterleiten. Auf freiwilliger Basis soll das dann in weiterer Zukunft auch aus den Spitälern bzw. von den niedergelassenen Ärzten über dieses System erfolgen. Das würde die Reaktionszeiten für Gegenmaßnahmen stark senken.
Durch das kostenlose Kinder-Impfprogramm der öffentlichen Hand sollen in Österreich möglichst viele Babys und Kinder gegen gefährliche übertragbare Erkrankungen geschützt werden. Mit Anfang Februar dieses Jahres gibt es einige Änderungen und Erweiterungen. Hier die wichtigsten Informationen:
- Alle Säuglinge und Kleinkinder, die nach dem 1. September 2011 geboren wurden, können nunmehr kostenlos gegen Pneumokokken mit Dosen im dritten, fünften und zwölften Lebensmonat geimpft werden.
- Die notwendigen Impfdosen gegen Pneumokokken und des Sechsfachimpfstoffs (Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Haemophilus influenzae, Hepatitis B und Polio) im Säuglingsalter werden von vier auf drei Injektionen reduziert.
- Schulkinder ab dem zwölften Lebensjahr werden gegen Meningokokken (ACWY) mit einer Dosis geimpft. Erstmals findet diese Impfung für Kinder in der sechsten Schulstufe im Rahmen der Schulimpfungen im Sommersemester 2012 statt.
- Die Zahl der Auffrischungsimpfungen gegen Diphtherie und Tetanus im Schulalter wird von zwei auf eine Dosis reduziert (als Vierfachimpfstoff mit Keuchhusten- und Kinderlähmungskomponente).
Folgende Impfungen sind damit im Gratis-Impfkonzept 2012 enthalten:
- Impfung gegen Rotaviren. Die Impfung der Babys hat die Spitalsaufnahmen bei Kleinkindern mit solchen Infektionen (Durchfallerkrankungen) schon im ersten Jahr nach der Einführung um 75 Prozent reduziert (Schluckimpfung).
- Impfung gegen Masern-Mumps-Röteln: Es konnten Durchimpfungsraten von 95 Prozent erreicht werden. Laut Gesundheitsministerium sinkt jedoch bedauerlicherweise die Beteiligung seit dem Jahr 2009.
- Sechsfachimpfung (Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hämophilus, Hepatitis B, Polio; siehe oben): Auch hier wurden Durchimpfungsraten von 95 Prozent erreicht.
- Vierfachimpfung (Diphtherie, Tetanus, Polio, Keuchhusten): Diese Auffrischungsimpfung sollte laut Impfplan zwischen dem siebenten und neunten Lebensjahr in der Schule kostenfrei erfolgen.
- Auffrischungsimpfung gegen Hepatitis B: Nach der Grundimmunisierung im Säuglings- bzw. Kleinkindalter ist eine Auffrischungsimpfung im elften bis 13. Lebensjahr empfohlen.
- Neu ist die Meningokokken-Impfung. Sie soll ab 1. Februar 2012 allen Kindern der sechsten Schulstufe (zwölftes Lebensjahr; siehe auch oben) kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.
- Ausweitung der Impfung gegen Pneumokokken auf alle Babys (bisher seit 2004 "Risikokinder": siehe auch oben). Die Pneumokokken-Impfung wird für alle Kinder ab dem Geburts-Stichtag 1. September 2011 zur Verfügung gestellt. Ab 1. Februar ist sie bei jedem Arzt, welcher Kinderimpfungen durchführt, erhältlich.
(APA)

17.3°C
13.3°C






