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Gesundheitskolumne II

Dr. Erdal Cetin

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Burnout: Ursachen, Diagnose und Therapie

25.01.2012 - 16:45
Erschöpfung und Ineffizienz sind charakteristisch© APA (dpa)Erschöpfung und Ineffizienz sind charakteristisch

Burnout ist ein Komplex aus körperlichen, emotionalen, geistigen und verhaltensorientierten Symptomen und gilt als Reaktion auf chronische psychische und/oder physische Stressoren. Kernsymptome sind: Erschöpfung (Ausgelaugtsein), Depersonalisation (Zynismus) und Ineffizienz (reduziertes persönliches Engagement, reduzierte Leistungsfähigkeit, reduzierte persönliche Leistungszufriedenheit).

Wie häufig die Erscheinung auftritt, wurde in Österreich noch nicht genau erhoben. Psychische Erkrankungen sind mittlerweile die Hauptursache der Erwerbsunfähigkeit. Krankenstandstage aufgrund psychischer Erkrankungen sind in Österreich seit 1991 um über 180 Prozent angestiegen. Die Ausfallsdauer bei Krankenständen aufgrund psychischer Erkrankungen ist dreimal so hoch wie bei Krankenständen aufgrund körperlicher Erkrankungen.

Allgemein wird Burnout als eine Folge länger dauernder übermäßiger Belastung aufgefasst. Zur Entstehung tragen "Außenfaktoren" und persönliche Dispositionen in einer wechselseitigen Dynamik bei. Zu den Umgebungsbedingungen Überlastung und Zeitdruck; Mangel an Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsmöglichkeit; Mangel an Anerkennung; Unfairness; schlechte Qualität der Zusammenarbeit in Teams und Unternehmen; Werte-Konflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Zu den persönlichen Dispositionen zählen: besonderer Perfektionismus; Schwierigkeiten fremde Hilfe anzunehmen; hohes Kontrollbedürfnis; Arbeitssucht; Arbeit als Ablenkung bzw. als alleiniger Sinn des Lebens.

In fortgeschritteneren Stadien von Burnout bestehen meistens auch depressive Störungen. Die beiden Phänomene sind jedoch nicht miteinander gleichzusetzen. Hinsichtlich der Hauptsymptome steht bei Burnout die Erschöpfung stärker im Vordergrund, bei Depressionen Niedergeschlagenheit und Interessensverlust. Wesentlich für die Abgrenzung ist vor allem die Entstehungsgeschichte von Burnout, die eine länger dauernde übermäßige Belastungssituation voraussetzt.

Zu Beginn zeigt sich oft ein vermehrtes Engagement für Ziele bzw. der Zwang, sich zu beweisen. Dieses Bestreben kann von Hyperaktivität, freiwilliger, unbezahlter Mehrarbeit, dem Gefühl der Unentbehrlichkeit bzw. nie Zeit zu haben, begleitet sein. Die Betroffenen verleugnen zunehmend eigene Bedürfnisse, verdrängen allfällige Misserfolge und Enttäuschungen und beschränken sich in ihrem sozialen Umfeld vorwiegend auf berufliche Kontakte.

Therapieziele können anfangs die Entlastung des Betroffenen, das Herausnehmen aus der Belastungssituation (z.B. Krankschreibung, Teilzeit) über verstehens- und ressourcenorientierte Maßnahmen sein. Dies wird aber abhängig von der kritischen Phase sein: Ein Krankenstand kann die akute Situation entschärfen. Die Krankschreibung ist jedoch kein Ersatz für eine Therapie.

Ein einfacher Fragebogen: Fühlen Sie sich schon seit mehr als sechs Monaten total erschöpft? Fehlt Ihnen oft die Energie für die einfachsten Aufgaben des täglichen Lebens? Brauchen Sie immer länger, um sich zu erholen? Fühlen Sie sich schon beim Aufstehen erschöpft? Leiden Sie unter Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit? Haben sie den Spaß an den meisten Dingen verloren? Haben Sie das Gefühl, mit immer mehr Energie immer weniger zu erreichen? Ziehen Sie sich vermehrt von Ihren Mitmenschen zurück? Wer fünf oder mehr Fragen mit "Ja" beantwortet, sollte die Sache mit seinem Arzt besprechen.

(APA)

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