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Gesundheitskolumne II

Dr. Erdal Cetin

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Antibiotikaresistenz nicht per se gefährlicher

25.01.2012 - 10:27
Antibiotikagebrauch muss möglichst niedrig sein© APA (dpa/dpa-Zentralbild)Antibiotikagebrauch muss möglichst niedrig sein

Antibiotikaresistente Keime sind in der Humanmedizin unangenehm bis gefürchtet, in die Tierzucht und Tierhaltung gehören sie auch nicht. Aber, so Ulrich Herzog vom österreichischen Gesundheitsministerium: "Solche Keime, die auch in der Geflügelhaltung vorkommen, sind nicht per se gefährlicher."

Burkhard Springer vom Grazer Zentrum für lebensmittelassoziierten Infektionen: "Resistente Salmonellen oder Campylobacter-Keime verursachen nicht mehr Infektionen als nicht resistente." Auch für die Beseitigung im Rahmen von Hygienemaßnahmen von Agrarproduktion bis Küche durch Hygiene-Vorsorgemaßnahmen sind sie genauso empfindlich - Kontaminationen und Infektionen also verhütbar.

Trotzdem ist unbestritten, dass sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin ein häufiger Einsatz von Antibiotika mit mehr Resistenzen einher geht. Im Zusammenhang mit der Tierzucht geht es grundsätzlich um die Vermeidung, Kontrolle oder das Zurückdrängen von Antibiotikaresistenzen.

Von spezieller Bedeutung sind derzeit die Vermeidung des Entstehens von "Methicillin resistenten Staphylococcus aureus"-Keimen (MRSA - unempfindlich für Penicilline und Cephalosporine), sowie von Bakterien mit "Extended-Spectrum Beta-Laktamasen" (ESBL - vor allem E.coli-Darmbakterien, die auf Penicilline und Cephalosporine schlecht oder nicht mehr ansprechen) und die Verbesserung der Resistenzsituation im Geflügelsektor gegen die ebenfalls bei Mensch und Tier verwendeten Fluorchinolone (Breitband-Antibiotika aus der Klasse der Chinolone/Gyrasehemmer).

Springer: "ESBL-E. coli-Bakterien wurden beispielsweise in Österreich bei 30 von 82 Hühnerfleisch-Proben festgestellt. Das waren 36,6 Prozent. Doch da testete man mit Antibiotika. Das heißt, man fand natürlich nur jene Keime, die resistent waren." In gemischtem Faschierten (Rinder-/Schweinefleisch) war keine von 16 Proben positiv, bei der getrennten Untersuchung von Rinder- und Schweinefaschiertem (je knapp unter 30 Proben) waren es 3,6 bzw. 3,7 Prozent.

Allerdings, bei den ESBL-Keimen gibt es offenbar eine Trennung zwischen jenen, die beim Menschen vorkommen und jenen, die bei Nutztieren "beheimatet" sind. Das haben molekulargenetische Untersuchungen der Bakterien ergeben. Springer: "E. coli-Bakterien mit dem CDXM15-Gen sind typischerweise in der Humanmedizin vorkommend. Die Keime mit dem CDXM1-Gen findet man laut den Untersuchungen vor allem bei Tieren." Das hat man auch in Österreich festgestellt.

Ohne Zweifel gibt es in Österreich in der Humanmedizin ein Problem - die MRSA-Problematik hat beispielsweise deutlich abgenommen - bei den Chinolon-Resistenzen. Pamela Rendi-Wagner, Sektionsleiterin für Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium: "Hier haben wir rund 20 Prozent resistente Keime." Die Entstehung hing offenbar mit dem vermehrten Gebrauch dieser Antibiotika beim Menschen zusammen, nachdem die Originalpräparate den Patentschutz verloren und preisgünstigere Generika auf den Markt kamen.

In der Geflügelhaltung werden diese - wie alle anderen Antibiotika auch - nur bei Erkrankungen durch den Tierarzt eingesetzt. Ulrich Herzog vom Gesundheitsministerium: "Registriert wird die Anwendung über die österreichische Qualitätsgeflügelvereinigung (QGV)." Bei in Österreich de facto nur rund 15 großen Geflügeltierärzten ist das relativ einfach. Allerdings werden bei Auftreten von Infektionen in einem Bestand die Tiere via Trinkwasser mit Antibiotika behandelt. Das setzt die Sicherheit bezüglich der Dosis herab und führt auch dazu, dass nicht infizierte Hühner davon etwas abbekommen. Herzog: "Einfacher ist das natürlich bei Zuchtschweinen und generell bei Rindern, wo einzelne Tiere im Krankheitsfall behandelt werden."

In einem nur ganz rohen Vergleich der Relationen zwischen dem Einsatz von Antibiotika in der Human- bzw. in der Veterinärmedizin zwischen verschiedenen Ländern steht Österreich offenbar nicht schlecht da: In der Humanmedizin werden in Österreich pro Jahr rund 45 Tonnen Antibiotika eingesetzt, in der Veterinärmedizin etwa 60 Tonnen. In Deutschland sind es 360 Tonnen in der Humanmedizin bei 784 Tonnen im Veterinärbereich - also mehr als doppelt so viel in der Relation. In Frankreich waren es im Jahr 2005 rund 760 Tonnen für Patienten und 1.320 Tonnen für Tiere.

(APA)

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