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Früherkennung kann Parkinson-Verlauf mildern

16.06.2010 - 10:47
Verlangsamte Bewegungen können Anzeichen sein© APA (dpa/tmn/Diagentur)Verlangsamte Bewegungen können Anzeichen sein

Rücken- und Gelenkschmerzen, Verstopfungen und Depressionen: Das sind mögliche Symptome für die Parkinson-Krankheit. An dem Zittern, mit dem sie landläufig in Verbindung gebracht werde, leiden rund drei Viertel der Patienten, sagt der Neurologe Prof. Wolfgang Jost von der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden. "Parkinson ist vor allem eine Alterskrankheit", ergänzt er.

Die meisten Patienten sind älter als 55 Jahre. Fünf bis zehn Prozent der Parkinson-Patienten erkranken allerdings schon vor dem 40. Lebensjahr. Der prominenteste dürfte der Schauspieler Michael J. Fox sein. Die auch als Schüttellähmung bekannte Krankheit ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung. Verantwortlich sind Degenerationsprozesse im Gehirn: Dabei sterben Nervenzellen in einem bestimmten Hirnareal ab. Diese Zellen verwenden zur Impulsweiterleitung den Botenstoff Dopamin. Bei Parkinson-Kranken wird durch die Degeneration der entsprechenden Nervenzellen immer weniger Dopamin bereitgestellt.

"Eines der Hauptsymptome ist die Verlangsamung der Bewegungsabläufe", erklärt Ilona Csoti von der Gertrudis Klinik in Hessen, einer Einrichtung, die zum bundesweiten Kompetenznetz Parkinson gehört. Die verlangsamten Bewegungen zeigen sich etwa beim Zähneputzen oder Anziehen. "Riech- und Schlafstörungen, Muskelsteifheit und Gleichgewichtsstörungen sind weitere Indikatoren", sagt Csoti. Die Krankheit ist zwar nicht heilbar, der Verlauf kann aber durch Medikamente verlangsamt werden. Diese ersetzen vor allem den fehlenden Botenstoff Dopamin.

"Ehepartner oder enge Freunde erkennen häufig zuerst, dass etwas nicht stimmt", erläutert Csoti. Angehörige sollten aufmerksam werden, wenn sie beobachten, dass sich etwa das Schriftbild verändert. Ebenso sind starre Gesichtszüge ein mögliches Symptom. "Auch Veränderungen beim Schlafen können ein Anzeichen sein", sagt Jost. Aufgrund von Schlafstörungen träumten Parkinson-Patienten beispielsweise nicht nur vom Boxen, sondern führten tatsächlich Boxbewegungen im Schlaf aus.

Begleitet wird die Medikamententherapie von Physio- und Ergotherapie und wenn nötig logopädischen Behandlungen, erklärt Friedrich-Wilhelm Mehrhoff, Geschäftsführer der Deutschen Parkinson Vereinigung. Eine psychologische Betreuung der Betroffenen hält Mehrhoff für sehr wichtig. Neben den Krankheitssymptomen belasten viele Patienten und ihre Familien nämlich auch die Nebenwirkungen der Medikamente. "Es kann etwa zu einem gesteigerten Sexualtrieb kommen oder auch zu einem Libidoverlust", erklärt Mehrhoff. Es sei vielen Patienten peinlich, darüber zu reden. Therapien oder Selbsthilfegruppen können helfen, besser mit der Diagnose und ihren Folgen umzugehen.

"Bei Parkinson haben die Patienten vieles selbst in der Hand", sagt Csoti. Die Lebenserwartung sei durch die moderne Therapie nicht wesentlich beeinträchtigt. Neben Medikamenten sind regelmäßige Bewegung, ein Gleichgewichts- und Krafttraining sowie eine gute seelische Balance wichtig. "Betroffene sollten etwas unternehmen, dass ihnen gut tut", sagt die Neurologin. Das könnten Entspannungsübungen oder der Besuch einer Selbsthilfegruppe sein.

(APA/dpa)

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