Quelle: ZAMG

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Dr. Erdal Cetin

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Klebe-Brille sorgt für spannungsfreie Durchsicht

17.10.2011 - 11:36
Hier sorgt keine Bohrung für Verspannung© APA (www.lensbond.com)Hier sorgt keine Bohrung für Verspannung

Seit Jahren hat der Salzburger Unternehmer und "Brillenpionier" Wilhelm Anger an seiner Vision einer medizinisch-technisch einwandfreien Brille geforscht. Im Februar 2009 kam die erste, randlose "Klebebrille" der Firma Lensbond mit Sitz in der Stadt Salzburg auf den Markt.

"Der Unterschied zu herkömmlichen, optischen Brillen, die Bohrlöcher für die Halterung aufweisen, ist eindeutig nachgewiesen", sagte der Salzburger Hirnforscher, Professor Bernhard Mitterauer, zur APA: "Durch das Bohren entstehen Mikro-Risse und Verspannungen. Dadurch ist eine exakte Sehkorrektur nicht mehr gegeben. Bei der Klebebrille ist das Problem gelöst: Das exakte Glas bleibt exakt." Die Lensbond-Brille - sie wird mit einer speziellen Technologie an die Halterung geklebt - begeistert einen weiteren österreichischen Professor. Andreas Schmidt, stellvertretender Leiter der Versuchsanstalt des Laboratoriums für Kunststofftechnik (LKT) in Wien, bezeichnet sie im APA-Gespräch als "die beste Brille, die es gibt". Untersuchungen hätten ergeben, dass die Gläser spannungsfrei sind. Die Folge daraus: "Es ist ein einwandfreies Durchsehen gewährleistet."

Durch nachträgliche, mechanische Bearbeitungen von Gläsern bzw. Linsen würden Spannungen in das Material eingebracht. Bohrungen und eine Verschraubung der Bügel direkt am Glas könnten diese Spannungen verstärken. Spannungen würden aber Abbildungsfehler verursachen und den Widerstand der Linse gegenüber mechanischen Belastungen herabsetzen, resümiert das LKT in einem Gutachten vom Mai 2010. "Die besondere Stärke der Lensbond-Technologie ist in der spannungsfreien Endfertigung zu sehen", steht im Resümee der Prüfstelle.

Ein Dauerbrillenträger, dessen Brille gebohrt sei, "ist einem Dauerstress ausgesetzt, weil die Korrektur der Sehschwäche nicht stimmt. Ausnahmslos in allen 'Bohrbrillen' sind Mikro-Risse und Verspannungen vorhanden", sagte Universitätsprofessor Mitterauer, der renommierter Arzt, gerichtlich beeideter Neuropsychiater und auch Psychotherapeut ist. "Das könnte Kopfweh und Konzentrationsstörungen erklären, deren Ursache die Ärzte nicht gefunden haben. Diese Komponente ist leicht zu beheben."

Lensbond-Chef Wilhelm Anger, der nach dem Zweiten Weltkrieg von Böhmen nach Österreich kam, hält zahlreiche Patente in Europa und Amerika. "Es gab bisher kein System, das eine schadensfreie Brille geboren hat", ist der 85-Jährige überzeugt. "Durch das Bohren wird der hochsensible Kunststoff der Linse in der Struktur zerstört. Zu sehen ist die Ausstrahlung der Mikro-Risse im polarisierten Licht eines Spannungsmessgerätes. Das Tragische ist, dass man den versteckten Schaden mit freiem Auge nicht sieht." Auch Metallbrillen, die ein Glas umfassen, seien nicht genau gearbeitet. "Auch sie weisen Druckstellen auf. Das ist aber nicht so tragisch wie bei gebohrten Brillen."

Die Entwicklung der spannungsfreien Montage habe vier Jahre gedauert, erzählte Anger. "Ich bin ein Autodidakt, habe die Firma 30 Jahre lang aufgebaut." Der Unternehmer erfand die "Carrera"-Sportbrille und kreierte mit dem Kunststoff Optyl leichtere Brillen. Die nun von seinem Team entwickelte, randlose Klebebrille ist seit April 2011 in allen 160 Hartlauer-Filialen in Österreich erhältlich. "Einige tausend wurden bisher verkauft. Etwas Neues auf den Markt zu bringen, braucht seine Zeit. Zuerst müssen ja die Lagerbestände weg." Zweieinhalb Jahre durchlief die Brille einen Testbetrieb im Lensbond-Prüfgeschäft in der Stadt Salzburg. Sie wird auch in den USA, Japan, Frankreich, Italien, Deutschland, Israel und Spanien angeboten. Die Brillenbauteile werden in Abtenau (Tennengau) erzeugt. Für seine Filialen in Österreich fertigt die Firma Hartlauer die Brille in Steyr (OÖ) an.

INFO: http://www.lensbond.com

(APA)

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