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Gesundheitskolumne II

Dr. Erdal Cetin

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Scharlach kann auch Erwachsene plagen

26.05.2010 - 13:23
Fieber, Schüttelfrost und Halsschmerzen© APA (dpa/tmn)Fieber, Schüttelfrost und Halsschmerzen

Fürchterliche Halsschmerzen plagten Andrea Runde, und das Fieberthermometer zeigte 40 Grad Celsius an - mitten im Sommer. Als die 37-Jährige auch noch einen feinen Ausschlag an Armen, Leisten und Bauch bemerkte, der wie Nadelstiche piekste, kam ihr ein Verdacht: Sie hatte sich bei ihrem dreijährigen Sohn mit Scharlach angesteckt.

Eigentlich als Kinderkrankheit bekannt, kann die durch die Bakterienart Streptokokken ausgelöste Infektion auch Erwachsene treffen. "Man kann diese Streptokokken ein Leben lang und immer wieder bekommen, bis ins hohe Alter hinein", sagt Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Köln.

Zum sogenannten Vollbild des Scharlach gehört eine Rachen- und Mandelentzündung mit Halsschmerzen. Dazu gesellen sich Fieber, Schüttelfrost und ein, zwei Tage später ein typischer kleinfleckiger Ausschlag an Haut und Schleimhäuten. "Bei Kindern beginnt der Ausschlag oft an den Leisten und kann sich auf den ganzen Körper und Teile des Gesichts ausbreiten. Der Gaumen ist oft gerötet, die Zunge himbeerrot, die Haut um den Mund herum bleibt aber meist weiß", beschreibt Kinderarzt Fegeler die Krankheit. Am häufigsten sind Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren betroffen, im Winter erkranken mehr als im Sommer.

Wochen bis Monate später können sich in seltenen Fällen noch schwere Folgeerkrankungen bilden, wenn Scharlach nicht behandelt wird. "Dazu gehören das Rheumatische Fieber mit Gelenkbeschwerden und einer Entzündung am Herzen oder eine schwere Entzündung der Nieren, die Glomerulonephritis", sagt Frank Riedel, Ärztlicher Direktor des Altonaer Kinderkrankenhauses in Hamburg. Dies sei aber heutzutage wegen der Antibiotikatherapie extrem selten, er selbst habe in 35 Jahren nur einen Fall von Rheumatischem Fieber nach Scharlach erlebt.

Die Verursacher des Scharlachs tragen den Namen Streptococcus pyogenes oder werden als ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A bezeichnet. Von diesen wiederum gibt es mehr als 80 verschiedene Typen, die sich durch Eiweiße auf den Bakterien unterscheiden. "Alle diese Typen können eine Angina auslösen, und man entwickelt dann Immunität gegen diesen speziellen Typ", erklärt Klaus Ritter vom Institut für Medizinische Mikrobiologie am Uniklinikum Aachen. Den typischen Ausschlag allerdings verursachen sogenannte Toxine, und davon gebe es nur drei. "Somit kann man streng genommen nur dreimal an dem Vollbild Scharlach erkranken."

Die Streptokokken nisten sich im Rachen des Menschen ein. Bei etwa jedem Zehnten schlummern sie dort, verursachen keine Symptome und sind dennoch nachzuweisen. Babys seien seltener von Streptokokken betroffen, womöglich weil die Rachenschleimhaut noch glatter ist als bei größeren Kindern und Erwachsenen, sagt Riedel. Der Hautausschlag wird meist mit dem Antibiotikum Penizillin behandel. Bei Patienten mit Penizillin-Allergie empfehlen Mediziner ein Ausweichen auf andere Antibiotika-Typen, etwa das Makrolid Erythromyzin.

Ritter nennt drei Gründe, warum schnell Antibiotika gegeben werden sollten: "Es tritt eine rasche Besserung auf, innerhalb von 24 Stunden sind die Patienten nicht mehr ansteckend und die schwerwiegenden Folgeerkrankungen können verhindert werden." Unbehandelt seien die Patienten rund drei Wochen ansteckend.

(APA/dpa)

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