Quelle: ZAMG

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Dr. Erdal Cetin

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Wie man kaputte Kiefer wieder ins Lot bringt

29.04.2010 - 16:46
Große Wirkung: Kiefer entscheidet Gesundheit© APAGroße Wirkung: Kiefer entscheidet Gesundheit

Kleines Gelenk, große Wirkung, wenn etwas schief läuft: Derzeit veranstaltet die Europäische Gesellschaft der Kiefergelenkchirurgen (European Society of Temporomandibular Joint Surgeons ESTMJS) im Wiener Palais Auersperg ein internationales Fachsymposium zum Thema der "Kiefergelenkrekonstruktion".

Bei Nichtfunktion geht es vor allem um die Rekonstruktion von Gelenkflächen mit gezüchtetem Knorpelgewebe und individuell gefertigten Titan-Kiefergelenkprothesen. Das Kiefergelenk ist eines der kleinsten Gelenke im menschlichen Körper und zugleich eines der komplexesten. Beim Kauen und Sprechen laufen hoch komplizierte Bewegungen des Unterkiefers ab. Besonders nach Brüchen des Unterkiefers kann es vorkommen, dass das Kiefergelenk durch zunehmende Verknöcherung so weit in seinen Bewegungen eingeschränkt ist, dass der Patient seinen Mund nur mehr einige Millimeter weit öffnen kann. Die Nahrungsaufnahme und das Sprechen werden extrem schwierig, an eine gute Mundhygiene ist nicht mehr zu denken. In diesem Fall muss die Verknöcherung des Gelenks chirurgisch gelöst werden, überschüssiger Knochen entfernt und das Kiefergelenk rekonstruiert werden.

Gerhard Undt, Kiefergelenkchirurg aus Wien und Präsident der ESTMJS: "Das Ziel der Kiefergelenkrekonstruktion sollte zunächst sein, das Kiefergelenk auf rein biologischer Basis wiederherzustellen, also keine körperfremden Materialien zu implantieren. Bei einer an der Universitätsklinik für Mund-, Kiefer-und Gesichtschirurgie der Medizinischen Universität Wien entwickelten Methode züchtet man im Labor Knorpelzellen aus Rippenknorpel des Patienten. Mit diesen Zellen werden die zerstörten Gelenkflächen überzogen, daraus bildet sich innerhalb einiger Monate neuer Gelenkknorpel."

Mittlerweile fünf Jahre Erfahrung zeigen äußerst vielversprechende Ergebnisse: völlige Schmerzfreiheit bei guter Mundöffnung. Kann aber aufgrund extrem überschießender Knochenbildung im Gelenk oder mehrmaliger Voroperationen keine biologische Methode angewandt werden, stehen heute Totalprothesensysteme auf Titanbasis zur Verfügung. Diese sind nach den gleichen Prinzipien wie Hüftgelenkprothesen konstruiert und werden individuell an die anatomischen Gegebenheiten jedes einzelnen Patienten angepasst. Seit kurzem liegen ausgezeichnete Langzeitergebnisse nach Implantation dieser patientenspezifischen Titan-Prothesen vor: In einer Gruppe von 100 Patienten sind nach 15 Jahren noch über 90 Prozent der Kiefergelenkprothesen in Funktion.

(APA)

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