Quelle: ZAMG

Gesundheitskolumne

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Dr. Erdal Cetin

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Kommt die amtliche Cannabis-Vermittlung in Deutschland?

21.02.2016 - 19:19
Entwurf schlägt staatliche Agentur für Produktionsvermmittlung und Vetrieb im medizinischen Bereich vor.

Für Schmerzpatienten ist Cannabis oft eine sehr große Hilfe. Bestimmte Kombinationen an Hanfsamen ergeben Zuchtpflanzen und Kreuzungen, die besonders schmerzlindernde Eigenschaften haben. Sie helfen aber nicht nur beim Schmerzmanagement, sondern regen darüber hinaus auch den Appetit an. Oft sind sie außerdem schonenender als die chemischen Alternativen. Allerdings ist es für leidende Patienten oft nicht einfach, an Cannabisprodukte zu kommen. Nun soll durch eine Cannabis-Agentur Abhilfe geschaffen werden.

 Das deutsche Bundesgesundheitsministerium möchte die Auflagen für Schmerzpatienten, die auf medizinisches Cannabis angewiesen sind, lockern und den Zugang zu Cannabisprodukten erleichtern. Betroffen davon sind etwa Patienten, die an Multiple Sklerose leiden. Auch Krebspatienten machen oft gute Erfahrungen mit den lindernden Eigenschaften von Marihuana.

 

 Kontrollierte Vermittlung

Eine offizielle Cannabis-Agentur wäre die Schnittstelle für Patienten zu Cannabis. Die dem Bundesgesundheitsministerium unterstehende Abteilung soll sich dann um Anbau und Vertrieb von Marihuana kümmern, so steht es in einem Referentenentwurf. Landwirtschaftliche Betriebe können sich um die Produktion bewerben.

Noch ungeklärt sind rechtliche Details; juristische Hürden müssen genommen werden, da natürlich keine Ausschreibungen derzeit zulässig ist, bei der es um die Herstellung von Produkten geht, die eigentlich illegal sind.

 

 Sicherheit bei Qualität und Preis

Die Vorteile, abgesehen vom einfacheren Zugang für die Patienten, liegen auf der Hand: Mit einer staatlichen Agentur können Qualität und Sicherheit gewährleistet werden. Auch die Preise wären damit kontrollierbarer. Der aktuelle Stand in Deutschland bedeutet für die Patienten kostspielige Importe über Apotheken im Ausland. Außerdem muss jeder Patient eine Sondergenehmigung des BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) bekommen, was lange dauert. Zur Zeit haben nur etwa 500 Deusche eine solche Genehmigung. Um dem aus dem Weg zu gehen, bauen viele Patienten selber an. Das ist nicht nur illegal, sondern auch  Stärke und Qualität können nicht gewährleistet werden. Mit der neuen Agentur sollen diese Probleme der Vergangenheit angehören.

 Zweifler führen in dieser Diskussion den unklaren wissenschaftlichen Stand über die Wirkungsweise von Cannabis ins Spiel. Viele Kritiker sehen Cannabis als Gefahr, weil keine Langzeitstudien gemacht werden. Andere wiederum halten einen einfachen medizinischen Zugang - über eben beispielsweise eine staatliche Vermittlungsagentur - genau für die notwendige Voraussetzung, um flächendeckend weitere Erfahrungen mit medizinisch eingesetztem Cannabis zu sammeln.


red/ag

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