Quelle: ZAMG

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Dr. Erdal Cetin

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Missbrauchssichere Medikamente - acib geht mit 65 Mio. an den Start

29.01.2015 - 15:49
Der Missbrauch von Medikamenten mit Wirkstoffen aus der Substanzgruppe der Opioide gilt als problematisch. Durch das Hinzufügen von Substanzen soll mehr Missbrauchssicherheit erreicht werden.
Missbrauchssichere Medikamente© cozyta – shutterstock.comMissbrauchssichere Medikamente

Einige Medikamente dienen Drogenabhängigen als Ersatzrauschmittel und werden dementsprechend häufig missbraucht. Das steirische Kompetenzzentrum acib arbeitet nun in Zusammenarbeit mit dem Pharmaunternehmen Gerot Lannach für mehr Missbrauchssicherheit.

Medikamente nicht länger als Ersatzdroge wirksam

Vor allem bei Heroinabhängigkeit werden Medikamente missbraucht, deren Wirkstoffe zur Substanzgruppe der Opioide gehören. Die auftretende Wirkung ist ähnlich einem Rausch bei Injizieren der Droge, die Mittel dabei ganz einfach in der Apotheke oder über den Hausarzt zu beziehen.

Um diesem Tatbestand zu begegnen werden Medikamenten Substanzen hinzugefügt, welche die äquivalente Wirkung bei intravenöser Aufnahme unterbinden. Auch durch Änderung der Stoffbeschaffenheit wird Missbrauch unterbunden. So existieren Präparate, die sich bei Zerreiben in eine gelartige Masse umwandeln und die Zuführung in den Körper über eine Spritze unterbunden wird.

Schon seit geraumer Zeit werden Substanzen genutzt, welche die Wirksamkeit der Medikamente bei Missbrauch einschränkt und die erwünschte Opioid Wirkung bei intravenöser Injektion ausschließt.

Das Forschungszentrum acib verfolgt nun einen innovativeren Ansatz zur Prävention des Medikamentenmissbrauchs. So soll mithilfe der Biotechnologie eine Möglichkeit geschaffen werden, Medikamente bzw. deren Wirkstoffe nur dort wirken zu lassen, wo sie wirklich gebraucht werden. Wird der Wirkstoff andersartig aufgenommen oder verwendet, soll er gänzlich inaktiviert werden. Sollte es dem biotechnologischen Forschungszentrum acib gelingen, dies möglich zu machen, würde der Missbrauch gänzlich eingedämmt. Das Interesse, Medikamente als Ersatzdroge zuzuführen würde vollkommen erlischen.

65 Mio. Budget für das acib

Das „Austrian Centre of Industrial Biotechnology“ geht nun mit 65 Mio. Euro Budget in die zweite Förderrunde und wird somit bis zum Jahr 2019 weiterhin tatkräftig zur Außenwirkung und Innovationskraft der Steiermark beitragen.

Eigenen Aussagen zufolge liegt das Bestreben des steirischen Super Kompetenzzentrums darin, die chemische und pharmazeutische Industrie wirtschaftlicher zu machen. Seit der Gründung im Jahr 2010 sind nun die ersten Jahre vergangen und bis 2019 sind aufgrund des aufgestockten Forschungsbudgets weitere 5 innovative Jahre für die Region gesichert. Die Bestrebungen des acib sorgen nicht nur für Fortschritt sondern ebenfalls für eine Vielzahl an Arbeitsplätzen. So ist die Mitarbeiterzahl von 50 auf 200 gewachsen.

Innerhalb der ersten Förderperiode wurden mehr als 40 Förderprojekte abgewickelt, 1112 Publikationen und Konferenzbeiträge veröffentlicht sowie 36 Patentanmeldungen vorgenommen.

Einige erzielte Resultate aus der ersten Förderperiode:
- Enzyme, welche Plastik abbauen und in wertvolle Ausgangsmoleküle zerlegen
- Erschaffung einer künstlichen Leber für Wirkstofftests
- Schwermetallfreie Biolacke
- Entschlüsselung des Genoms des chinesischen Hamsters
- Biosprit 2.0 aus landwirtschaftlichen Abfällen
- Preisgekröntes „Enzym-Google-Projekt“ (kurz: Suchmaschine für Enzymfunktionen)

Zusammenarbeit mit Gerot Lannach

Im Bereich der Suchtprävention und Vermeidung der missbräuchlichen Verwendung von Medikamenten kann das acib nun auf eine Zusammenarbeit mit Gerot Lannach vorausschauen. Der Hersteller von Arneimitteln ist mit mehr als 60 Jahren ein erfahrener Partner, der seine Produkte in mehr als 30 Ländern vertreibt.

Das Pharmaunternehmen vertreibe weit mehr als 100 verschiedene Wirkstoffe, welche an den Standorten Lannach/Graz und Wien hergestellt werden, so ein Gesundheitsexperte von euroclinix.at auf Nachfrage unserer Redaktion. Zu den vertriebenen Produkten gehören laut Aussagen des Experten ganz handelsübliche, oft verschriebene Wirkstoffe wie Ibuprofen (Schmerzmittel), Doxycyclin, Trimethoprim,  (gängige Antibiotika), Sildenafil (Wirkstoff des bekanntesten Potenzmittels Viagra) oder Simvastatin (Cholesterinsenker).

Das Unternehmen beschäftigt mehr als 600 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Jahr 130 Millionen Euro Umsatz. Innerhalb der Gruppe (inklusive Genericon Pharma) beläuft sich der Umsatz gar auf 205 Millionen Euro. Das Produktionsvolumen liegt bei 3.1 Milliarden Einzeldosen in 95 Millionen Verpackungseinheiten.

(relevant Redaktion)

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