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Lily Bretts autobiografischer Roman "Lola Bensky"

11.10.2012 - 08:05
"Lola Bensky" ist verstörend und faszinierend© APA (ARTINGER Guenter)"Lola Bensky" ist verstörend und faszinierend

Was haben die Swinging Sixties und der Holocaust gemeinsam? In Lily Bretts neuem Roman viel mehr als man denkt.

Lola Bensky ist neunzehn Jahre alt, pummelig und ohne Schulabschluss. Durch Zufall hat sie einen Job als Reporterin bei einem australischen Musikmagazin ergattert. Vom Schreiben versteht Lola nicht viel, aber sie ist plötzlich mittendrin im Geschehen. In den Epizentren der Rockmusik, in London und New York, darf sie die Großen des Musikgeschäfts interviewen: Jimi Hendrix und Mick Jagger, Keith Moon und Jim Morrison, Janis Joplin und Cher. Doch während sie mit Jimi Hendrix über seine Lockenwickler und mit Pete Townshend über das Trauma seiner langen Nase plaudert, quälen Lola ganz andere Dinge: wahnhafte Diäten, der Verlust ihrer falschen Wimpern und bedrückende Bilder aus dem Holocaust.

Wie schon in ihren vergangenen Büchern "Einfach so" oder "Chuzpe" hat Lily Brett mit "Lola Bensky" einmal mehr einen stark autobiografisch geprägten Roman vorgelegt. Lily Brett wurde genau wie ihre jüdische Protagonistin Lola nach dem Krieg in einem Lager für "Displaced Persons" im bayerischen Feldafing geboren. Ihre Eltern waren Überlebende des Holocaust. Sie wagten bald darauf einen Neuanfang in Australien, doch ihr Trauma nahmen sie mit und gaben es an ihre Tochter weiter.

In ihrer Familie wurde nie viel über Auschwitz gesprochen, hat Lily Brett einmal gesagt. Umso mehr spricht sie seither in ihren Büchern davon. Als junge Frau war Lily Brett Reporterin bei einem Musikjournal. Die Musikgrößen, über die sie in ihrem Buch schreibt, hat sie tatsächlich alle gekannt und interviewt. Es muss damals erfrischend einfach gewesen sein, in die Nähe der Stars zu gelangen. Heutzutage wäre es jedenfalls undenkbar, dass eine unbedarfte, neunzehnjährige Nachwuchsreporterin einfach so mit dem großen Mick Jagger plaudert. Das Buch bezieht auch daher seinen Reiz.

Das Interview mit Mick Jagger ist in gewisser Weise beispielhaft für den Roman. Vom freundlichen Smalltalk über die Rolle des Rockstars als Rebell und Vorbild geht es ohne Überleitung zu den Schrecken des Holocaust.

Lola erzählt dem Musiker, dass seinerzeit im Ghetto von Lodz eine Kohlschwemme schreckliche Blähbäuche und Durchfall bei den Ghettobewohnern auslöste. Mick Jagger findet das traurig. "Das ist keine von den traurigen Geschichten", antwortet Lola lapidar. Es gibt viele solcher verstörenden, manchmal aber auch hintergründig komischen Situationen in dem Buch. Das bizarre Nebeneinander von scheinbar Banalem und Tragischem, von Seichtem und Tiefgründigem macht "Lola Bensky" zu einer besonderen Lektüre.

Selbst Lolas Diätwahn ist nicht nur Oberfläche, Ausdruck jugendlicher Eitelkeit, sondern Folge einer schweren Neurose. Dahinter steckt die Angst von Lolas Mutter, ihre Tochter könnte so dick werden wie einst die Aufseher im Lager - nur die Bösen waren gut genährt. So prügelt sie ihre Tochter von Diät zu Diät. Am Ende erreicht sie ihr Ziel. Als erwachsene Frau ist Lola gertenschlank - und eine erfolgreiche Schriftstellerin.

Viele der Stars, die sie als junge Frau interviewt hat, sind längst unter der Erde. Die toten Rockstars gesellen sich zu den Toten des Holocaust. Lola wird klar, dass sie ihre Vergangenheit nicht so leicht abschütteln kann: "Lola war mit den Toten aufgewachsen (...) Ihre Vergangenheit würde für immer erfüllt sein von ermordeten Menschen und Barracken, von Angst und Krankheit und von den barbarischen Seiten ganz gewöhnlicher Menschen."

INFO: Lily Brett: "Lola Bensky", Suhrkamp Verlag, 302 Seiten, 20,60 Euro, ISBN 3-518-42330-4.

(APA/dpa)

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