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Aus dem Wald ins Büro - Die neue Männermode

19.09.2012 - 16:41
Parkaweste über dem Anzug - der neue Trend© APA (dpa/gms/Eduard Dressler/Cinque)Parkaweste über dem Anzug - der neue Trend

Stiefel und Bommelmützen zum schicken Mantel und feinen Schal: Geht es nach den Designern, sollen Männer im Winter Kleidungsstücke kombinieren, die nicht zueinander passen. Der Naturbursche ist auch Geschäftsmann, der Anzugträger greift zum Holzfällerhemd.

Im vergangenen Winter waren Wandergeschäfte und schicke Modeboutiquen kaum zu unterscheiden: Durch die Glasfronten beider Schaufenster blickten Naturburschen in rustikalen Klamotten. Der Großstädter kleidete sich wie ein Mann, der mit Axt und Beil im Wald Holz schlagen könnte. "Daran wird sich auch grundsätzlich wenig ändern", sagt der Stilberater Bernhard Roetzel aus Berlin mit Blick auf die Trends des kommenden Winters. "Es ist immer noch dieses betont Männliche sehr angesagt. Und damit auch Stoffe, die nach Natur aussehen." Doch etwas ist anders: Über dem Karohemd trägt der Mann einen schicken Mantel, und zu den derben Stiefeln feinen Zwirn.

Auch das Deutsche Mode-Institut (DMI) sieht in seinem saisonalen Trendreport eine Tendenz zu "natürlichen und ursprünglichen Materialien". Nachhaltigkeit sei ein großes Thema für die Designer, sagt DMI-Geschäftsführer Gerd Müller-Thomkins. Die Menschen besinnen sich außerdem wieder mehr auf traditionelle gesellschaftliche Strukturen wie Familie und Ehe und suchen Halt darin. "Diese ganzen Bedürfnislagen spiegeln sich in der Mode wieder."

Das zeigt etwa die Vorliebe der Designer zu festeren Stoffen. Aber auch an den Kleidungsstücken, die er trägt: schmale Arbeiterhosen, schwere Stiefel, Jeans- und Karohemden, Daunenjacken oder Parkas. Kaum ein Hersteller hat nicht etwas davon in seiner aktuellen Kollektion - wie auch schon im vergangenen Jahr. "Es gibt nicht jeden Tag einen Paradigmenwechsel", erklärt Müller-Thomkins das. "Was sich aber tatsächlich ändert, ist, dass diese Männlichkeit durch qualitativ wertigere Materialien und ein eleganteres Erscheinungsbild variiert wird."

Rustikales wird schicker gemacht: Alberto lässt ein schwarzes Sakko zum roten Karohemd und Jeanshose tragen, zum gebleichten Jeanshemd eine schwarze Krawatte. Und umgekehrt: Eduard Dressler und Cinque lassen über dezentfarbige Anzüge sportliche Parkawesten ziehen. Ein kleines, aber auffälliges Accessoire zeigt Eton: Das Einstecktuch zum schicken Anzug hat rote Bauernkaros.

Für Philippa Lindenthal, Modedesignerin und Dozentin an der Akademie für Mode und Design (AMD) in Hamburg, sind zwei gegensätzliche Stücke die Trendteile des kommenden Winters: "Zum einen wäre das eine wirklich grobe Strickjacke, eventuell aus Bändchengarn. Zum anderen wird der Trenchcoat bei den Herren immer wichtiger." Tommy Hilfiger kombiniert den Mantel in Dunkelblau zu weinroten Baumwollchinos, Sisley ein beiges Modell zur Jeans.

Aber vor allem am Strick kommt der Mann im Herbst nicht vorbei, zeigt auch der Blick in die Kataloge: Atelier Torino zieht zwischen Hemd mit Krawatte und dem Sakko einen dicken Rollkragenpullover mit einem Ausschnitt. Patrizia Pepe und Eton lassen mindestens Strickkrawatten tragen. "Klassische Herrenmode hat ja immer schon solche Elemente verbunden", sagt Roetzel. "Man kann Cardigan und Strickjacke unter einem Sakko tragen." Das halte im Herbst schließlich auch warm.

Auch an den vielen Anzügen lässt sich ablesen, dass Elemente der klassischen Herrenmode ab Herbst eine wichtige Rolle spielen. Die Anzugformen bleiben ebenfalls so wie schon in den vergangenen Saisons schmal und figurbetont, berichtet Gerd Müller-Thomkins. Als Trendteil haben sich die Designer den Zweireiher ausgesucht - und er werde nun auch "zwingend tailliert und mit einer kurzen Rocklänge getragen."

Oftmals werden statt einem kompletten Anzug auch Einzelteile in unterschiedlichen Farben bevorzugt: Die Models der Modekette COS tragen etwa ein rotbraunes Sakko zum braunen Pullover und schwarzen Wollhosen. H&M zeigt ein bordeauxrotes Sakko über einem camelfarbenen Rollkragenpullover zur grünen Chino.

Weinrot, Flaschengrün und warme Gelbtöne sind laut Stilberater Bernhard Roetzel die Trendfarben für den Mann. Sie seien herbsttypisch dunkel und damit gesetzter als die schrillen Farben des Sommers. Aber auch die kräftigen Töne bleiben erhalten - als Accessoires wie Einstecktücher. "Die Männer haben die Farbe für sich entdeckt. Ein paar klare farbliche Statements sind auf jeden Fall wichtig. Aber eben immer nur Akzente, die dann besonders gut herauskommen", erläutert Roetzel.

Mit Augenmaß Farben, aber auch Kontraste zusammenbringen, lautet die Grundregel für den Mann im Herbst und Winter 2012/13. Nur so kann er den Spagat schaffen - und gleichzeitig Naturbursche und Gentleman sein.

(APA/dpa)

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