Wien Bewölkt 25.9°C
Quelle: ZAMG

Gesundheitskolumne II

Dr. Erdal Cetin

Kolumne

Bildergalerien

Wien Museum öffnet Katarina Noevers Kleiderschrank

01.02.2012 - 16:43
Katarina Noever mit Mantelträger, 2011© APA (Pressefoto/Wien Museum)Katarina Noever mit Mantelträger, 2011

Katarina Noever war Fotomodel für "Diana mit Menthol", Mitbegründerin des Einrichtungs- und Designgeschäfts "Section N" und ist nach wie vor stilsichere Modesammlerin: Das Wien Museum gewährt im Rahmen einer Ausstellung nun gewissermaßen Einblicke in den Kleiderschrank einer Repräsentantin von Wiens Lifestyle-Avantgarde der 1960er und 1970er Jahren.

Zu sehen sind Kleider, Kostüme, Jacken und Accessoires zwischen No-Name-Labels und internationalen Marken, in denen sich "Haltung, Entdeckerfreude und Enthusiasmus für Formen und Qualität" ausdrücken, wie Direktor Wolfgang Kos am Mittwoch in einem Pressegespräch schwärmte.

Im Jahr 2009 kaufte das Wien Museum insgesamt 187 Objekte aus dem Besitz Noevers. In der Schau "Mehr als Mode - Die Sammlung Katarina Noever", die ab morgen, Donnerstag, und bis zum 20. Mai läuft, seien mehr als ein Drittel der Erwerbungen zu sehen, sagte Kuratorin Regina Karner. Die Textilien sind dabei nach Tages-, Abend- und Sommermode gruppiert.

Wichtigen Institutionen wie der - inzwischen verschwundenen - innerstädtischen "Boutique Etoile" oder der Mailänder Luxusmarke "Missoni", wo Noever einige ihrer - von ihr selbst als solche titulierten - "Gwandeln" zusammenkaufte, sind eigene Bereiche gewidmet. Darüber hinaus entwickelte die gebürtige Steirerin (Jahrgang 1945) ein Faible für asiatische Kleidung, die ebenfalls separat präsentiert wird.

Noever suchte aber nicht nur in zeitgenössischen Boutiquen nach stilgerechter Ware. So erstand sie etwa auf einem New Yorker Flohmarkt ein cremefarbenes Seidenkleid aus den 1930er Jahren, entmottete ein auf dem elterlichen Dachboden gelagertes rotes Abendkleid aus dem frühen 20. Jahrhundert oder trug ein Leinenhemd, das ihr Großvater aus der Bukovina mitgebracht hatte. Auf Glasstürze oder ähnliche Musealisierungsarchitektur verzichtet die Ausstellung. Die einzelnen Stücke werden vielmehr auf Schaufensterpuppen - gewissermaßen zum Angreifen nahe - präsentiert. An überdimensionale Preiszettel gemahnende Schilder baumeln als Infokärtchen an den Outfits.

Zuschreibungen wie "seismographischer Formsinn" seien zwar schmeichelhaft, sie selbst bezeichne sich aber einfach als "Trüffelnase" für Mode, sagte Noever beim heutigen Termin: "Ich konnte mich unter anderem deswegen so leicht von den Stücken trennen, weil ich nicht mehr hineinpasse." Ihr Kleiderschrank sei jedoch noch lange nicht leer.

Ihr sei es immer auch um die Vermittlung von Qualität gegangen, versicherte sie. Beleg dafür ist nicht zuletzt die "Section N", die Noever 1971 gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann, dem Ex-MAK-Chef Peter Noever, eröffnete. Das Paar verkaufte im von Hans Hollein gestalteten Geschäft nicht nur Möbel- und Designklassiker etwa von Breuer, Castiglioni und Loos, sondern auch anonyme Ware wie steirische Filzpatschen, irische Tweedhüte oder Ethno-Ware aus Asien. 1987 sperrte der Laden zu. Ein Vorteil im damaligen "grauen Wien" sei gewesen, dass Gleichgesinnte leicht zusammengefunden hätten, erinnerte sich Noever.

Einer breiteren Gesellschaftsschicht war sie zumindest zwischenzeitlich einigermaßen bekannt. Schließlich werkte Noever als vielbeschäftigtes Fotomodel. Vor allem als mit Pfeil und Bogen ausgestattete Werbefigur für den Franzbranntwein "Diana mit Menthol" dürfte sie sich ins kollektive Gedächtnis der Österreicher eingebrannt haben. An diese biografische Station Noevers wird man im Wien Museum dank ausgewählter Fotografien ebenfalls erinnert.

(APA)

Home
Meinung
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech