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Stress ist für junge Sportler leistungshemmend

23.01.2012 - 09:25
Wer gestresst ist, bringt keine optimale Leistung© APA (Barbara Gindl)Wer gestresst ist, bringt keine optimale Leistung

Auch kleine Sportler haben großen Stress. Vor allem, wenn alles neu ist, wie jetzt für viele bei den Olympischen Jugendspielen in Innsbruck. Sportpsychologin Ohlert weiß: Auch "positive Aufregung" kann leistungshemmend wirken.

Sport ist Stress - vor allem für kleine Athleten auf großer Bühne. Mit der ungewohnten und oft ungeheuren Anspannung werden viele Athleten zwischen 15 und 18 derzeit bei den 1. Olympischen Jugend-Winterspielen in Innsbruck konfrontiert. "Für viele ist das eine Total-Überforderung. Alles ist neu, das ganze Drumherum. Dazu das Gruppenfeeling. Der positive Stress. Man ist da total auf Adrenalin", erklärt die Kölner Sportpsycholgin Jeannine Ohlert in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Für viele Teenager sind die Spiele auf Eis und Schnee schließlich der Saisonhöhepunkt, "für einige sind sie der Lebenshöhepunkt. Mit dieser Anspannung müssen sie erst einmal umgehen", sagt die promovierte Wissenschaftlerin, "viele lernen das leider in diesem Alter noch nicht." Das olympische Hochgefühl der jungen Hochleistungssportler führe zu "positiver Aufregung", und die könne sich leistungshemmend auswirken.

"Die vielen Leute, die laute Atmosphäre, das Gefühl, in der Gruppe mitgetragen zu werden, zu viel Ablenkung - das ist positiver Stress", erklärt Ohlert. Und wenn man dann "drüber" - sprich: zu aufgekratzt - ist, könne man seine volle Leistung nicht mehr bringen.

Als ein weiteres Problem sieht die Sportpsychologin von der Deutschen Sporthochschule Köln den oft fehlenden Rückzugsraum. "Das hat man bei der Fußball-WM im vorigen Jahr genau gesehen: Die kommen aus dem Zimmer raus - und schon will jemand was von dir! Die Medien zum Beispiel. Da wird auch von den Trainern viel zu wenig drauf geachtet", kritisiert die Expertin.

Die vielen neuen Erfahrungen, ein anderer Tagesablauf, der Leistungsdruck, das Auf-den-Punkt-fit-sein - all das ist für die Junioren-Sportler besonders schwer zu meistern. Vor Ort kann die Familie nicht helfen. "Nur ein Drittel der Sportler schafft es, die volle Leistung, die im Training regelmäßig erbracht wird, auch im Wettkampf zu bringen", sagt Sportpsychologin Ohlert.

Die 36-Jährige appelliert an die jungen Sportler, vorher etwas zu tun. Nicht nur für den Körper - auch für den Kopf. "Ich plädiere dafür, mit einem Sportpsychologen zu arbeiten", meint Jeannine Ohlert. Man könne vieles lernen, "zum Beispiel Zeitmanagement". Derartige Kurse für die Youngsters gehören derzeit bei den Jugendspielen in Innsbruck zum viel gelobten Kultur- und Bildungsprogramm. Zudem könne man "gezielt lernen, Entspannungsverfahren anzuwenden".

(APA/dpa)

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