Quelle: ZAMG

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Was bleibt

28.11.2012 - 05:00
Gitte (Harfouch) setzt ihre Anti-Depressiva ab© APA (Thimfilm)Gitte (Harfouch) setzt ihre Anti-Depressiva ab

Wenn die Gespräche an der Oberfläche bleiben, weiß kein Familienmitglied mehr, wie es den anderen wirklich geht. Schnell kreist man nur noch um das eigene Wohl und Heimfahrten werden für erwachsene Kinder zu einem Pflichtbesuch bei den Eltern. Wie viele Enttäuschungen und Verletzungen hinter den Fassaden verborgen sind, thematisiert Hans Christian Schmid in dem Drama "Was bleibt".

Im Mittelpunkt des Films steht die Familie Heidtmann. Von außen betrachtet sitzen Eltern und Kinder an ihrem gemeinsamen Wochenende recht harmonisch zusammen. Doch die Beziehungen sind alles andere als heil. Der in Berlin lebende Mittdreißiger Marko (Lars Eidinger) konzentriert sich ganz auf sein Dasein als freier Autor, derweil geht gerade seine Beziehung zu Frau und Kind zu Bruch. Seinen Eltern, die er in ihrem bürgerlichen Eigenheim besucht, erzählt er von all dem lieber nichts.

Ausgerechnet jetzt setzt die Mutter Gitte (Corinna Harfouch) ihre Anti-Depressiva ab, die sie seit Jahren nimmt. Von ihrer Familie kann sie für ihre Entscheidung keine Unterstützung erwarten. Ihrem Mann Günter (Ernst Stötzner) ist sie ohnehin im Weg, er geht ohne ihr Wissen fremd und möchte sich im Ruhestand ungestört mit seiner Geliebten vergnügen. Und ihr Sohn Jakob (Sebastian Zimmler) lässt sich von seinem Vater sein Haus luxuriös einrichten, obwohl er insgeheim um die wirtschaftliche Existenz seiner Zahnarztpraxis kämpft. In dem Maße, in dem sich um Gitte der Nebel ihrer Medikamente lichtet, bröckelt nach und nach die Fassade der familiären Harmonie.

Die Darsteller, insbesondere Lars Eidinger und Corinna Harfouch, machen sich diese selbstzentrierten Charaktere mit großer Natürlichkeit zu eigen. Harfouch spielt die Figur der Gitte mit rauer Zerbrechlichkeit, labil und stark zugleich - überragend. Wenn Harfouch als Gitte die Egomanen um sich herum schließlich nicht mehr erträgt, explodiert sie nicht, sondern zieht sich in sich zurück. Und doch sieht man ihr an, wie es in ihr brodelt, jede kleine Geste bebt. Dann verschwindet sie einfach.

(APA/dpa)

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