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Interviews

"Der Schlager ist modern geworden"

26.11.2012 - 08:57
Die Seer live© Ali Schafler/First Look/picturedesk.comDie Seer live

Zuletzt begeisterten Die Seer beim "Best of Austria"-Konzert in Wien Mitte November. Seit Jahren gehört die Schlager-Gruppe, die sich musikalisch auch gern an Popmusik anlehnt, zu den erfolgreichsten Künstlern des Landes. Das Erfolgsgeheimnis: Authentizität. Bei den Seern ist jeder so, wie er nun mal ist. Keine Show, alles echt. Das kommt an.

relevant-Redakteur Manuel Simbürger bat die Seer-Frontfrau und "Dancing Stars 2011"-Gewinnerin Astrid Wirtenberger zum Gespräch.

Unlängst kam mir ein Auto mit mehreren "I bin a Seer-Fan"-Stickern und dem Kennzeichen "Seer 1" entgegen. Habt ihr die besten Fans der Welt?
Astrid Wirtenberger: Ich kenne das Auto sogar. Das sind Fans der ersten Stunde. Sie sind bei jedem Konzert in der ersten Reihe dabei und reden mit uns, wenn wir Autogramme nach dem Konzert geben. Das ist beinahe schon eine Freundschaft, die uns verbindet. Es ist schön, solche Fans zu haben. Zu wissen, man ist Teil ihres Lebens.

Sind Volksmusik-Fans noch leidenschaftlicher bei der Sache als Fans anderer Musik-Genres?
Ja, das Gefühl habe ich tatsächlich.

Auch schon mal verrückte Erlebnisse mit Fans gehabt?
Nein, das nicht. Unsere Fans sind nicht jene Art von Fans, die den Respektabstand nicht wahren. Wir haben Gott sei Dank ein sehr angenehmes Publikum.

"Schlager bietet Identifikationsfaktor"

Immer mehr jüngere Menschen hören Schlager. Woran liegt das?
Ich denke, der Schlager ist in den letzten Jahren sehr modern geworden, man denke nur an den Gabalier-Hype. Heute kann man in Mundart singen und braucht sich nicht dafür zu schämen, wie es vor einigen Jahren noch der Fall war. Der Schlager hat einen hohen Identifikationsfaktor, sei es mit der Herkunft oder der Sprache. Ich finde das sehr wichtig und freue mich über diese Entwicklung.

Ihre Meinung zur österreichischen Musikbranche im Allgemeinen?
Heimische Radiosender spielen immer noch zu wenig österreichische Musik. Das ist sehr schade. Natürlich gibt es Regionalsender, aber es wäre auch schön, auf Ö3 mehr heimische Künstler zu hören. Ich denke aber, dass jeder, der in der Musikbranche Fuß fassen möchte, seinen eigenen Weg geht. Dieser Weg sind vor allem Live-Konzerte, bei denen man sich sein Publikum erspielt.

Und wie schaut es mit Talentförderung in Österreich aus?
Junge Künstler haben es bei uns auf jeden Fall schwer. Obwohl es in der Volksmusik leichter ist, Fuß zu fassen und seinen Lebensunterhalt mit Musik zu bestreiten, als es im Pop-Genre der Fall ist. Hier wird einfach zu viel aus dem Ausland übernommen.

"Castingshows schränken ein"

Was halten Sie von Castingshows? Können hier Talente gefunden werden?
Ich denke, Castingshows sind ein kleiner Schritt, der dazu beiträgt, Talente zu finden und zu fördern. Bestes Beispiel ist ja Christina Stürmer. Wird man bei einer Castingshow entdeckt, ist man vertraglich aber sehr stark gebunden und künstlerisch eingeschränkt. Das darf man nicht vergessen! Deshalb stehe ich Castingshows sehr skeptisch gegenüber. Weil man einfach nicht der Mensch sein darf, der man ist, und nicht die Musik machen darf, die man machen möchte.

Zurück zum Schlager-Business. Man sagt ja gerne, im Schlager herrscht nur auf der Bühne die heile Welt, hinter den Kulissen geht es aber sehr hart zu. Können Sie das bestätigen?
Nein, überhaupt nicht. Kommen bei einem Event mehrere Künstler zusammen, ist das für mich stets ein schönes Erlebnis, weil jeder den anderen unterstützt und man sich gegenseitig mit Respekt begegnet. Wieso sollte es auch anders sein, wenn jeder Künstler sowieso für sich erfolgreich ist? Ich mache nicht Musik, um mit anderen im Wettkampf zu sein.

"Die Seer sind authentisch"

Sie kommen ja ursprünglich aus der Popmusik …
Eigentlich mache ich das ja immer noch. Das Schöne an den Seern ist, dass man seine Authentizität in die Musik miteinfließen lassen kann, dass man auf der Bühne die Person sein kann, die man tatsächlich ist. Bei uns fließen mehrere Musikrichtungen zusammen und ergeben ein Gesamtpaket. Ich denke, das alles ist auch unser Erfolgsgeheimnis.

Sie sind für Ihr Temperament auf der Bühne bekannt. Sind Sie privat auch so temperamentvoll?
Ich bin eher der ruhige Typ. Eigentlich rede ich gar nicht so viel! (lacht) Auch tanze ich zuhause nicht herum. Wenn ich aber unterwegs bin, kann es schon sein, dass mein Temperament manchmal mit mir durchgeht. Aber eigentlich lebe ich das vor allem auf der Bühne aus.

"Schlager darf sexy sein"

Ihre Outfits sind sehr sexy. Wie sexy darf man als Schlagerstar sein?
Natürlich darf man sexy sein! Man sieht das ja auch an Andrea Berg oder Helene Fischer. Man darf also optische Reize und Musik durchaus verbinden. Das spricht schließlich auch die Männer an. Das gehört auch dazu.

Werden Sie oft von männlichen Fans angesprochen bezüglich Ihrer Outfits?
Nein. Das traut sich keiner. (lacht laut)

"Nur Sieger bleiben im Gedächtnis"

Themenwechsel: Werden Sie immer noch auf "Dancing Stars" angesprochen?
Ja, natürlich. Viele Fans gratulieren mir heute noch im Nachhinein. Das wird auch wahrscheinlich so bleiben. "Dancing Stars" zu gewinnen macht schon Eindruck. Das sieht man auch daran, dass bei all den Staffeln nur die Sieger im Gedächtnis bleiben.

Tanzen Sie immer noch?
Nein, überhaupt nicht. Für mich ist das professionelle Tanzen eine abgeschlossene Geschichte. Der Anspruch beim Tanzen ist ja auch sehr hoch. Ich habe für Monate mit einem Profi getanzt, da kommt ein anderer Mann natürlich nicht so leicht ran. Natürlich tanze ich noch auf Bällen oder ähnlichem, aber ich bin dann immer ganz froh, wieder an die Bar gehen zu dürfen.

Was ist anstrengender: eine Seer-Tour oder die Proben für "Dancing Stars"?
Eindeutig "Dancing Stars". Es gibt nichts Schlimmeres! (lacht) Wir haben in der Schlussphase acht Stunden am Tag trainiert, das ist Wahnsinn - das kann man sich als Außenstehender gar nicht vorstellen. Es gab Situationen, in denen ich körperlich und seelisch sehr gelitten habe. Aber wenn man schließlich so großen Erfolg hat, vergisst man diese schlimmen Momente recht schnell wieder. Ich habe ja von Anfang an vom Sieg geträumt. Es war ein sehr schönes Gefühl, als der Traum wahr geworden ist.

Interview: Manuel Simbürger

 

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