Quelle: ZAMG

Interviews

Hubert von Goisern wird 60

16.11.2012 - 12:37
Der Musiker sucht ständig neue Wege© APADer Musiker sucht ständig neue Wege

Mit über 100 Auftritten seiner "Brenna tuats guat"-Tour füllt Hubert von Goisern schon das ganze Jahr Hallen, Open-Air-Arenen und Stadtplätze im In- und Ausland, der gleichnamige Titel seines aktuellen Albums "EntwederUndOder" bescherte dem Musikus erstmals den Spitzenplatz in den heimischen Charts. Am 17. November wird Hubert von Goisern 60 Jahre alt.

Kürzlich kommentierte er seinen aktuellen Erfolg in einem Interview: "Mir ist das wurscht". Spät, aber doch kann "HvG" kommerziellen Erfolg auf höchster Stufe verbuchen. Ob dies aber je zu seinen Lebenszielen gezählt hat, darf bezweifelt werden.

Hubert Achleitner, so sein bürgerlicher Name, besuchte dieselbe Volksschule wie Jörg Haider, begegnet sind die beiden einander aber nie - Haider war knapp drei Jahre älter. Trotz immer wieder verdeutlichter Abscheu gegen den späteren Kärntner Landeshauptmann empfindet Von Goisern in gewisser Weise Dankbarkeit für die Familie Haider. Großvater Haider verhalf nämlich den 1945 aus dem Sudetenland geflüchteten Großeltern Achleitner quasi über Nacht zu einer Bleibe und einer Arbeit, weshalb die Familie in Bad Goisern bleiben durfte.

Mit zwölf Jahren trat er als Trompeter der örtlichen Blasmusikkapelle bei. Sein querulantes Verhalten und vermutlich vor allem seine langen Haare führten jedoch zum Rauswurf. Daraufhin erlernte er Gitarre und Klarinette. Erst viel später, Mitte/Ende der 1980er-Jahre, kamen die ihm anhaftenden klischeehaften Attribute dazu: Das Spielen der Ziehharmonika, die ihm sein Großvater vermacht hatte, brachte er sich selbst bei, das Jodeln erlernte er auf einer Autobahnbrücke bei Regensburg. Mittlerweile spielt er sowieso alles, was er in die Finger kriegt (außer Klavier), bei der aktuellen Tournee ist er als Kuhglockenvirtuose zu bestaunen. Aber: "Ich übe nicht, üben ist Blödsinn", sagt er selbst.

Seine Heimat "hat mich ausgespuckt", wie er es einmal beschrieb, die Liebe lockte ihn Anfang der 1970er-Jahre nach Südafrika und Kanada, auf den Philippinen lernte er u.a. das Spiel der Nasenflöte. Zurück in Österreich traf er in Wien auf den Musiker Wolfgang Staribacher, mit ihm gründete er die Alpinkatzen. Das erste Album "Alpine Lawine"(1988) floppte, das Duo trennte sich und "HvG" übersiedelte nach Salzburg, wo er auch heute noch lebt. Den Bandnamen nahm er mit, bestückte die Formation mit neuen Musikern, u.a. mit Sabine "Alpine Sabine/Zabine" Kapfinger. Zwei Alben, Hits und Konzerthöhepunkte wie "Koa Hiatamadl, "Heast es net" und "Weit, weit weg" sowie ausgedehnte Tourneen, mit Auftritten in Paris oder New York verhalfen der Band zu einem wahren Höhenflug, wobei der Erfolg in Deutschland fast noch größer war als hierzulande.

Just am Höhepunkt der jungen Bandkarriere machte Von Goisern Schluss mit den Alpinkatzen und tauchte ab nach Tibet und zu Jane Goodall nach Ostafrika - die musikalische Aufarbeitung beider Reisen gibt's auf CDs. Das war's mit dem Alpenrebell, dachte man. Aber "HvG" kam zurück, von 2000 bis 2004 erschienen wieder Alben in gewohnter "Hubert-Manier". Mit "Trad" und "Trad II" legte er eine Sammlung von Volksliedern im besten Sinne des Wortes vor. Gerade diese beiden Werke verdeutlichen, dass es Von Goisern nie um die Verballhornung der Volksmusik gegangen ist, sondern um deren Reinterpretation mit Mitteln seines musikalischen Verständnisses. "Musik ist heilig", lautet sein Credo. Alpenrocker passt also nicht, so nennt man ihn wider Willen. Er, der eigenen Angaben zufolge ständig neue Wege sucht und geht, ist also vielmehr ein "Pfad-Finder".

Von 2007 bis 2010 bestritt er sein wohl gewagtestes Abenteuer: Per Schiff tourte er mit Band die Donau entlang bis zum Schwarzen Meer und bis zur Nordsee, in Buchform unter dem Titel "Stromlinien" nachzulesen. Das Unternehmen bewegte sich aufgrund von Grenzüberwindungen auf allen erdenklichen Ebenen nahezu täglich am Rand der Undurchführbarkeit, brachte aber Musiker verschiedener Kulturen auf engstem Raum einander näher.

Hubert von Goisern, der seit jeher vom Münchner Promoter Hage Hein gemanagt wird, komponierte auch Filmmusik für z.B. "Schlafes Bruder" von Joseph Vilsmaier. Ursprünglich war er auch für die Hauptrolle vorgesehen, Terminschwierigkeiten verhinderten aber das Vorhaben. Auch als Schauspieler trat er in Erscheinung, in "Hölleisengretl" spielte er an der Seite von Martina Gedeck. Mode-Kollektionen hat er auch entworfen. Seit 2004 ist Von Goisern Ehrenbürger von Bad Goisern - kein einstimmiger Beschluss, die FP-Fraktion unter dem Vorsitz eines ehemaligen Schulkameraden, war dagegen. Hubert von Goisern wird's recht sein. Oder wurscht.

(APA)

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