Quelle: ZAMG

Interviews

Beatsteaks haben "den Motor wieder angeworfen"

17.01.2011 - 08:00
"Wir haben nie Geld für verkaufte Platten gesehen"© APA"Wir haben nie Geld für verkaufte Platten gesehen"

Peter Baumann, Sänger und Gitarrist der Beatsteaks, ist merklich zufrieden: "Wir haben es geschafft, den Motor wieder anzuwerfen", sagte der Berliner im Interview mit der APA in Wien. "Und wir hatten den Schneid, im Proberaum aufzunehmen und uns fast selber zu produzieren." Am 28. Jänner kommt die LP "Boombox" (Warner) in den Handel. Im März stehen zwei Shows in Wien auf dem Programm.

Zehn der elf Songs des Albums wurden im Proberaum, der "Boombox", eingespielt. "Das war kein 'Kommando zurück'", stellte Baumann klar. "Das ergab sich. Wir haben viele Demos im Proberaum aufgenommen. Mit diesen wollten wir dann in ein Studio gehen, um 'richtige' Aufnahmen zu machen. Aber uns hat es im Studio überhaupt nicht gefallen. Da ging es wie immer zu: Soundcheck, zwei Tage warten, bis alle Mikros eingestellt sind, und so weiter. Dieser ganze routinierte Prozess hat uns die Laune vermiest. Warten und auf Abruf ein Lied spielen - da kam einfach nicht das heraus, was wir hören wollten. Da klang alles aus dem Proberaum dreimal frischer."

Die Konsequenz: "Wir haben die Maschinen gestoppt und uns für das Geld, das wir für die Zeit im Studio ausgegeben hätten, gutes Equipment in den Proberaum geholt. Wir wollten ja nix schlecht Klingendes machen, sondern bloß unabhängig sein. Wenn es uns wichtig gewesen wäre, eine totale Dimension zu erzeugen, dann hätten wir den echten Raum dafür benötigt. Aber bei uns ging es eher um ein Grundgefühl. Ob da das Mikro oben links oder rechts stand, war uns unwichtig. Es ging um das Gefühl. Und das hatten wir bei den ersten Demoaufnahmen bereits getroffen."

Die Beatsteaks gelten als ausgesprochene Liveband. Die Atmosphäre der Konzerte soll auch auf Platte fühlbar sein. "Zwar braucht nicht jedes Lied die Livestimmung", so Baumann. "Aber diese Power der Auftritte macht uns aus. Wir nehmen daher immer noch live auf. Das steht uns am besten. Das ist unser Sound. Wir werden immer eine Rockband sein."

"Heruntergeschrubbt" klingt "Boombox" aber nicht. "Uns ist natürlich klar, dass man im Studio einen besseren Klang erzielt. Und wir wollten ja nicht, dass unsere Platte blöd klingt. Darum haben wir einen guten Mixer geholt - Nick Launay, der mit Acts wie den Yeah, Yeah, Yeahs oder Maximo Park, Nick Cave und Grinderman gearbeitet hat. Nicht wegen der Namen, sondern wegen der Attitüde seiner Produktionen. Das wollten wir mal probieren. Weil wir bei den Aufnahmen gespart haben, konnten wir uns ein bisschen Glanz aus Amerika holen", lachte der Berliner. Nachsatz: "So haben wir jedenfalls noch nie geklungen."

Der Musiker freut sich auf das nächste Karrierekapitel und strahlte beim Wienbesuch: "Wir genießen ein luxuriöses Leben, finde ich. Journalisten interessieren sich für uns, die Leute kaufen Karten für die Konzerte, obwohl das neue Album noch gar nicht im Handel ist. Ich denke mir oft, dass ich Schwein gehabt habe. Ich werde alles tun, dass das so bleibt. Es gibt keinen Zeitpunkt zum Zurücklehnen."

Dieser Grundsatz gilt besonders für die Auftritte. In Wien kann man die Beatsteaks am 4. und 5. März im Gasometer erleben. "Wir wollen die Herausforderung annehmen, vor vielen Leuten zu spielen und trotzdem so gut wie bei einem Club-Gig zu sein. Die Leute sollen am Heimweg sagen: 'Wow, die haben mich weggeknallt.'"

Das Musizieren auf der Bühne ist die große Leidenschaft der Berliner, eine Tournee zugleich die wichtigste Einnahmequelle. Vom Rückgang bei den Plattenverkäufen sei man zwar betroffen. Aber: "Bei uns bricht da nicht wirklich was weg, weil nie was da war", betonte Baumann. "Wir haben immer unser Geld bei Konzerten und durch den T-Shirt-Verkauf verdient. Wir sind wie ein Zirkus, der herumfährt, den Leuten einen schönen Abend macht - und dafür Geld bekommt. Wir erwarten nicht den dunkel gekleideten Mitarbeiter der Plattenfirma, der uns einen Koffer mit Geld aus dem Verkauf von CDs vorbeibringt. Wir haben nie Geld für verkaufte Platten gesehen."

INFO: Beatsteaks, "Boombox", Warner, 505249839312.

(APA)

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